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Gute Architektur: das gespiegelte Glück

Wie haucht man einem alten Haus wieder neues Leben ein und was braucht es, damit gute Architektur entsteht? Rede & Antwort stehen die beiden jungen Zürcher Architekten Maria Conen und Raoul Sigl.

Durch farbige Deckenspiegel, Fischgrätparkett und gemusterte Bodenplatten wird wieder eine Beziehung zwischen den Räumen hergestellt.zoom
Durch farbige Deckenspiegel, Fischgrätparkett und gemusterte Bodenplatten wird wieder eine Beziehung zwischen den Räumen hergestellt.
Während eines Umbaus verändern die Architekten den Bestand nur dann, wenn die Veränderung auch eine Verbesserung bedeutet.zoom
Während eines Umbaus verändern die Architekten den Bestand nur dann, wenn die Veränderung auch eine Verbesserung bedeutet.
 
In die Blickachse von Esszimmer und Küche reiht sich eine neue Sitztreppe, die von der Küche in den Garten führt. zoom
In die Blickachse von Esszimmer und Küche reiht sich eine neue Sitztreppe, die von der Küche in den Garten führt.
 

Beim Umbau dieses Zürcher Wohnhauses, welches Ihr liebevoll «Happy House» nennt, habt Ihr die Decken zum Teil farbig glänzend lackiert, dass sie fast wie Spiegel wirken. Wie seid Ihr darauf gekommen?
Die Aufgabe bestand darin, ein bestehendes Reiheneinfamilienhaus, welches in den 1980er Jahren in zwei Wohneinheiten mit einer Wohnung im Erdgeschoss und einer in den beiden Obergeschossen umgebaut wurde, wieder zu einem einheitlichen Wohnhaus zu­­sammenzuführen. Vom ursprünglichen Zustand und der einstigen Stimmung des Hauses war, abgesehen vom Hauptwohnraum im Erd­­­­geschoss mit Decken­stuck und Brusttäfer, nicht mehr viel übrig geblieben. Dieser Raum diente uns als «Urzelle», um eine Strategie für den Umbau des Hauses zu entwickeln. Ausgehend von Deckenstuckatur und Holztäfer ha­ben wir unseren Gedanken freien Lauf gelassen und uns gefragt, wie wir die Wohnräume erneut in Beziehung zueinander setzen könnten. Wir wollten in den Räumen wieder eine spezifische Atmosphäre erzeugen und dem Haus so seinen würdevollen Charakter zurückzugeben. Einerseits haben wir das durch wenige bauliche Eingriffe in die Gebäudestruktur erreicht. Ein mittig zwischen Küche und Esszimmer angeordneter Durchbruch kommt modernen Wohnansprüchen entgegen und öffnet die Küche zu den Wohnräumen hin. In die Blickachse reiht sich eine neue Sitztreppe, die von der Küche in den Garten führt. Sie greift die Idee des Enfilade-artigen Übergangs vom Wohn- zum Esszimmer auf und führt diese fort. Anderseits haben wir in Anlehnung an das «Urzimmer» die Themen Stuck, Täfer und Boden weitergedacht und sind auf die farbigen Deckenspiegel und die spezifischen Bodenmus­ter gekommen. Sie sind – zusammen mit den Farben und Formen der Deckenspiegel – das verbindende Element. Durch die farbige Abfolge der Deckenspiegel entsteht eine neue Raumsequenz. Die grossen, grün-weissen Bodenplatten sind diagonal verlegt und führen optisch das ebenfalls diagonal verlegte Fischgrät-Muster des Holzbodens fort.

Wie geht Ihr grundsätzlich vor beim Entwerfen? Wie entwickelt Ihr eure architektonischen Konzepte?
Ein wichtiger Grundstein beim Entwickeln eines Projektes ist immer auch der Austausch mit der Bauherrschaft. Durch das Gespräch, die Reibung der unterschiedlichen Vorstellungen und die Auseinander­set­zung mit den spezifischen Wünschen entstehen die erfreulichen Projekte. Deshalb betonen wir auch immer wieder, dass es für gute Architektur auch gute Bauherren braucht. Beim Entwerfen – speziell von Umbauten – geht es uns stets um die Dialektik zwischen Bewahren und Verändern. Eine Veränderung sollte aus unserer Sicht nur dann geschehen, wenn sie auch eine Verbesserung bringt. Beim Eingreifen in den Bestand geht es uns darum, das Vorhandene zu verstehen und mit präzisen Interventionen einen Raum, ein ganzes Gebäude, ein Stück Stadt oder Lebensraum weiterzudenken. Das Weiterdenken von Bestehendem ist aus unserer Sicht eine elementare Aufgabe in der Architektur.Aus und mit Grundelementen der Architektur – also Säulen, Wände, Böden und Decken – können neue Räume geschaffen, aber auch alte erweitert und neu geordnet werden. Es geht uns um die Komposition dieser einzelnen Elemente und ihr Zusammenspiel im Raum und letztlich seine Gestalt. Diese konstruktiven Elemente sind mehr als nur funktional, da jede Komposition, Dimension und Materialität die Stimmung eines Raumes prägt. Im «Happy House» konnten wir durch die unterschiedliche Gestaltung der Böden und Decken jedem Zimmer eine spezifische Atmosphäre verleihen.

Wie wohnt Ihr selbst? In einem selbstgebauten oder selbst umgebauten Objekt? Gibt es das «perfekte Wohnen»?
Wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus in Zürich Albisrieden, welches wir selbst umgebaut haben. So etwas wie das «perfekte Wohnen», also ein Haus oder eine Wohnung, in dem oder der sich jeder wohlfühlen würde, gibt es für uns nicht. Die Menschen haben so viele verschiedene Vorstellungen vom Wohnen, wiesie Lebensvorstellungen haben. Entsprechend vielfältig sind unsere Aufgaben, wenn es darum geht, Wohnraum zu erstellen. Allerdings denken wir, dass die Qualität des Wohnraumes auch von dessen Aussenraum abhängt. Deshalb sollte man immer auch Strasse, Hof und Garten einbeziehen, wenn man über das Wohnen spricht.

Maria Conenzoom
Maria Conen
Raoul Siglzoom
Raoul Sigl
 
 

Maria Conen und Raoul Sigl studierten von 1999 bis 2005 gemeinsam Architektur an der EPF in Lausanne und der ETH in Zürich. Es folgten einige Lehr- uns Angestelltenjahre in renommierten Büros sowie Assistenten­stellen an Universitäten in Zürich oder Lausanne. 2011 gründeten Maria Conen und Raoul Sigl ihr eigenes Büro in Zürich. 2016 und 2017 dozierte das Duo als Gastprofes­­­soren an der TU München.

Schweizer Architekten stehen Claudia Nussbaumer, Geschäftsleiterin des Architekturforums Zürich, Rede & Antwort zu den Themen Umbau und Modernisierung. Das Architekturforum an der Brauerstrasse 16 in Zürich ist seit 30 Jahren ein Ort der Auseinandersetzung mit aktuellen Positionen von Architektur und Städtebau. www.af-z.ch


Interview: Claudia Nussbaumer , Fotos: Roman Keller
aus: Häuser modernisieren, Heft Nr. 1/2018

Bezugsquelle:
Conen Sigl Architekten GmbH
8047 Zürich
Tel. 044 400 18 85
www.conensigl.com

 
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