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Wand gestalten: Bunt, aber nicht zu bunt

Farbe ist ein wirkungsvolles Gestaltungselement im Innenraum – und ein relativ günstiges. Grundsätzlich gilt: An Wand und Decke ist erlaubt, was gefällt. Bei der Wahl für Tapete oder Farbe kann jedoch eine professionelle Beratung Enttäuschungen verhindern.

Dunkle Wände verkleinern den Raum? Wohn-Beispiele von Farbgestalterin Sibylle Prestel beweisen das Gegenteil.
Dunkle Wände verkleinern den Raum? Wohn-Beispiele von Farbgestalterin Sibylle Prestel beweisen das Gegenteil.
Farbige Wände können Atmosphäre schaffen und einen Wohnraum völlig verändern.
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Geschickt kombinierte Accessoires und Bilder machen aus jeder Wohnung ein ganz individuelles Zuhause.
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Mit einem bestimmten Muster lassen sich auch Zeitbekenntnisse, wie hier die 50er Jahre, heraufbeschwören.
Mit einem bestimmten Muster lassen sich auch Zeitbekenntnisse, wie hier die 50er Jahre, heraufbeschwören.
Es gibt immer wieder Modefarben. Gefällt der gewählte Ton nicht mehr, lässt sich das schnell und günstig ändern.
Es gibt immer wieder Modefarben. Gefällt der gewählte Ton nicht mehr, lässt sich das schnell und günstig ändern.
Alle Wände sind hier Ton in Ton. Aber dennoch ist eine klare Trennung der Wohnbereiche möglich.
Alle Wände sind hier Ton in Ton. Aber dennoch ist eine klare Trennung der Wohnbereiche möglich.
Knallige Farben lassen den Raum frisch aussehen. Passende kleine Tapetenstücke im Bilderrahmen verstärken die Farbwirkung.
Knallige Farben lassen den Raum frisch aussehen. Passende kleine Tapetenstücke im Bilderrahmen verstärken die Farbwirkung.
Mit Blümchenmuster auf einer Tapete wirkt ein Raum gemütlich.
Mit Blümchenmuster auf einer Tapete wirkt ein Raum gemütlich.
 
 
Dunkle Wände verkleinern den Raum? Wohn-Beispiele von Farbgestalterin Sibylle Prestel beweisen das Gegenteil.
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Farbige Wände können Atmosphäre schaffen und einen Wohnraum völlig verändern.
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Geschickt kombinierte Accessoires und Bilder machen aus jeder Wohnung ein ganz individuelles Zuhause.
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Mit einem bestimmten Muster lassen sich auch Zeitbekenntnisse, wie hier die 50er Jahre, heraufbeschwören.
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Es gibt immer wieder Modefarben. Gefällt der gewählte Ton nicht mehr, lässt sich das schnell und günstig ändern.
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Alle Wände sind hier Ton in Ton. Aber dennoch ist eine klare Trennung der Wohnbereiche möglich.
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Knallige Farben lassen den Raum frisch aussehen. Passende kleine Tapetenstücke im Bilderrahmen verstärken die Farbwirkung.
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Mit Blümchenmuster auf einer Tapete wirkt ein Raum gemütlich.
Mit Blümchenmuster auf einer Tapete wirkt ein Raum gemütlich.
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Die Schweiz ist ein Land von Mieterinnen und Mietern. Darum haben sich hierzulande weisse Wände durchgesetzt – denn Weiss wirkt sauber, weisser Wohnraum hat wenig Persönlichkeit und kann von allen bezogen werden. Dann aber stellt sich die Frage: Soll das, was weiss ist, auch weiss bleiben? Das wäre eine verpasste Chance, findet Sybille Prestel. Die diplomierte Farbgestalterin, Lichtdesignerin und Inhaberin von raumfarbe.ch ist auf Farbkonzepte im Innen- und Aussenraum spezialisiert. «Farben sind ein ganz wichtiges Instrument der Innenraumgestaltung», sagt sie. «Man kann damit Bestehendes betonen oder entschärfen, Proportionen und Wahrnehmungen beeinflussen. Farben geben einer Wohnung Persönlichkeit und Charakter.» Ähnlich klingt es bei Professor Paul Bürki. Der Architekt unterrichtet an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Winterthur Gestaltung und Visualisierung. Zudem doziert er am Haus der Farbe in Zürich. «Farbe kann einen wesentlichen Beitrag zu einem guten Wohngefühl leisten», ist Bürki überzeugt. «Sie schafft eine angenehme Atmosphäre und verleiht einem Raum Individualität. Richtig eingesetzt, verbessert sie zudem die Sehbedingungen.»

Farben sind im Kommen
Im Moment lägen farbige Innenräume im Trend, sagt Bürki. «Vor allem in Altersheimen oder Spitälern sind farbig gestaltete Räume mittlerweile selbstverständlich – um eine gewisse Sterilität zu überwinden.» Im Privatbereich gewinnt Farbe als Gestaltungselement ebenfalls an Bedeutung. Doch der Umgang mit Farbe fällt vielen nicht leicht – auch Profis nicht. Paul Bürki: «In der Architekturausbildung wird Farbe eher stiefmütterlich behandelt. Anderes steht im Vordergrund, Formales und Konstruktives; für Fragen rund um Sinnlichkeit und Atmosphäre bleibt wenig Platz.» Doch es bestehe bei Berufsleuten durchaus ein Bedürfnis nach mehr Kenntnis über Farben. Das spüre er vor allem während seiner Fortbildungskurse über Farbe als Gestaltungselement in der Architektur.  Vielen Architektinnen und Architekten fehlt es an Mut, mit Farben zu arbeiten, weil sie sich zu wenig damit auseinandergesetzt haben.» 

Einfach mal ausprobieren!
Braucht es denn viel Know-how, um seine Wohnung mit Farbe zu gestalten? Paul Bürki macht Mumm, sich auf den eigenen Geschmack zu verlassen und zu experimentieren. «Das entscheidende Kriterium bei der Farbgestaltung ist, dass sich jemand in seinem Wohnraum wohl fühlt. Der Wohnraum ist ja so etwas wie eine erweiterte Haut. Es gibt kein Gesetz, wie ich meine Atmosphäre gestalten muss!» Doch wer ganz ohne Wissen an die Sache herangeht, muss mit Enttäuschungen rechnen. Denn Farben dürfen nicht isoliert betrachtet werden – sie beeinflussen einander gegenseitig, und was an einer Stelle gut aussieht, passt anderswo aufgrund von Lichtreflexen, Materialien oder Architektur überhaupt nicht. «Eine Farbe sieht im Laden oft ganz anders aus als daheim im konkreten Umfeld», weiss Paul Bürki. «Denn Farbe ist relativ und wirkt erst im Zusammenspiel mit Licht.» Auch Profis würden manchmal böse Überraschungen erleben. «So ist es wohl schon vielen Architekten ergangen: Sie wählen ein Müsterchen für eine Fassade aus – und sind dann froh, wenn sie einen zweiten Anstrich machen können.»  Der grosse Vorteil von Farbe gegenüber anderen Gestaltungselementen ist aber, dass Korrekturen nicht die Welt kosten. «Wichtig, dass man zu entscheiden lernt», sagt Paul Bürki. «Scheitert man, hat man eben etwas gelernt.»

Grün beruhigt?
Die Regeln einer guten Farbgestaltung lassen sich nicht auf wenige simple Leitsätze herunterbrechen. Und von den vielen Ratschlägen, welche Farbe bei welchen Nutzungen angebracht sind – grün im Schlafzimmer, weil grün beruhigen soll – hält Bürki wenig. «Ich würde das alles mit Vorsicht geniessen», sagt er. «Bereits Goethe versuchte, die Wirkung bestimmter Farben auf den Menschen zu beschreiben, aber wissenschaftlich erhärtet ist das alles nicht – es geht hier vor allem um Glaubensfragen. Vieles wurde einfach unreflektiert weitergegeben.» Auch Sybille Prestel ist überzeugt: Die Wahrnehmung von Farben bleibt höchst individuell. «Wenn ich als Kind gelbe Bettwäsche hatte und nie gern ins Bett ging, habe ich möglicherweise wenig Sympathie für diese Farbe.» Doch nicht nur hinsichtlich der Farbsymbolik, auch bei vielen anderen oft zitierten Regeln ist sie skeptisch. Helle Farben machen einen Raum grösser? «Weiss macht hell, aber nicht gross», winkt sie ab. «Das merkt man erst, wenn man ein Zimmer mit Farbe gestrichen hat und es auf Weiss zurückstreichen muss: Es schrumpft. Dunklere Wände rücken eher aus dem Gesichtsfeld. Streicht man ein kleines Bad schwarz, sieht man die Wände kaum noch!»

Auch Decken vertragen Farbe
Und wie steht es mit dem oft gehörten Grundsatz, die Wand gegenüber dem Fenster müsse hell sein, damit sie ausreichend Licht reflektieren könne? Paul Bürki findet, bei modernen Bauten seien die Fenster nach Süden manchmal so gross, dass etwas weniger Reflektion auch gut tun könne. Er fügt als Beispiel den Anbau des Kunstmuseums Winterthur an. «Der ist jetzt so strahlend weiss, dass es einen fast blendet – und die Wahrnehmung der Kunst behindert.» Gilt dann wenigstens der Grundsatz, den Boden eher dunkel, die Wände mittelhell und die Decke eher hell zu gestalten? Auch da rät Paul Bürki zum Ausprobieren und zu individuellen Lösungen, die einem Spass machen. «Decken werden bei uns generell vernachlässigt. Das ist gerade in einem Spital, wo manche Leute den ganzen Tag an die Decke starren, fatal. In der Renaissance wurden in den Palästen die Decken hingegen überaus prächtig geschmückt. Ich finde, bei Gestaltung darf man immer alles hinterfragen.» Daher könne man letztlich pauschal wenig sagen – «alles hängt vom Ort und von den persönlichen Wünschen ab».

Entscheidend ist das Material
Wie soll man nun vorgehen, wenn man die attraktiven Möglichkeiten der Farbgestaltung nutzen will? Paul Bürki findet, das hänge davon ab, wie viel Zeit jemand zu investieren bereit ist. «Man kann zum Beispiel die Wohnung fotografieren und auf Photoshop die Farbgebung ausprobieren, sich so langsam an das herantasten, was einem gefällt.» Dann aber sei es fraglos gut, den selbst kreierten Vorschlag einer Fachperson zu zeigen. «Sie betrachtet die Sache aus einer ganzheitlichen Warte und kann einen zum Beispiel darauf aufmerksam machen, dass ein Kontrast unter bestimmten Lichtverhältnissen ganz anders wirkt, als man erhofft hat. Und sie kann einen bezüglich Materialwahl beraten.» Denn das Material ist bei der Farbgestaltung essentiell. «Da fehlt dann oft die ganzheitliche Betrachtungsweise», bestätigt Sibylle Prestel. «Dispersionsfarbe ist letztlich Plastik und lässt die Wand nicht mehr atmen.» Farbe ist eben nicht gleich Farbe – das gilt gleich in mehrfacher Hinsicht.

 

Text: Marius Leutenegger, Fotos: Sibylle Prestel, Pfister, Marburg Wallcoverings
aus: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 3/2015

Bezugsquellen:

Marburger Tapetenfabrik
www.marburg.com

Raumfarbe
www.raumfarbe.ch

 
 
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