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Manche Türen mögen’s heiss

Es gibt vieles, was zwischen der Bauherrschaft und einem wohnlichen Wohlfühlgefühl im alten Haus stehen kann. Zum Beispiel viele viele Farbschichten auf alten Türen. Nur: Wie wird man die los? Und warum muss das überhaupt sein?

Diese aufgearbeitete Tür erhielt einen neuen Anstrich in einem satten, unreifen Grünton, den Spezialisten in Sommerset in einem Haus aus dem 18. Jahrhundert entdeckten.zoom
Diese aufgearbeitete Tür erhielt einen neuen Anstrich in einem satten, unreifen Grünton, den Spezialisten in Sommerset in einem Haus aus dem 18. Jahrhundert entdeckten.

Am alten Haus passte für Familie Kälin einfach alles. Nicht nur der Preis und die Lage waren attraktiv, sondern es lockte auch die Tatsache, dass viele alte Bauteile noch erhalten waren, zum Beispiel die Türen. Sie waren in einem guten Zustand – bis auf ungefähr vier bis sechs Schichten Farbe, die sich seit der Bauzeit Mitte des 19. Jahrhunderts auf Türblättern und Rahmen angesammelt hatten. Und die Aussagen von Schreiner und Architekt machten schnell klar: Auf diesen Türen findet keine weitere Schicht Lack Platz – es würden sich schon nach kurzer Zeit Risse zeigen oder die Farbe abblättern. Klar war aber auch: Das angestaubte, von Lacknasen und Pinselhaaren durchsetzte Siebziger-Jahre-Braun wollte die Familie nicht als Teil ihres Wohnkonzeptes behalten. Also mussten die Lackschichten weichen.

Handwerkliches Geschick
So wie Familie Kälin mag es schon mancher Bauherrschaft ergangen sein: Erst war da die Freude über die alten Türen – und dann die Ernüchterung, dass das Restaurieren ganz schön teuer werden würde. Bald fasste sie den Entschluss, alt und neu zu kombinieren: Einige der historischen Stücke befreite sie dafür selbst von den zahlreichen Lackschichten. «Wer zumindest etwas handwerkliches Geschick hat, kann so durchaus alte Türen selbst für die weitere Restaurierung vorbereiten», versichert auch der diplomierte Restaurator Bernd Dombrowski.

 

Drei Strategien zum Türen-Glück
Zuerst sollte man alle losen Teile wie Schlösser, Bänder und Türfallen entfernen und sich
einen Überblick über den Zustand der Tür verschaffen. Ist das Holz wurmstichig? Wurden Teile der Tür im Laufe der Jahre ersetzt, die Tür gekürzt oder verlängert? Bernd Dombrowski gibt dazu noch einen Tipp: «Es ist sinnvoll, erste Farbschichten mit einem Heissluftön auf niedriger Stufe und einem Skalpell vorsichtig zu entfernen und zu schauen, ob eine der unteren Schichten bemalt war. Vielleicht lässt sich das Motiv für die spätere Gestaltung wieder verwenden.»

Für das Freilegen der historischen Schätze gibt es im Wesentlichen drei Methoden: Sandstrahlen, die Behandlung mit Chemikalien oder das Abbrennen der alten Farbschichten. Alle drei haben ihre Vor- wie auch ihre Nachteile. Sandstrahlen sei zwar sehr schnell und dadurch auch günstig, sagt der Restaurator. «Aber ich würde diese Methode nur selten empfehlen. Es greift die Oberfläche des historischen Holzes stark an und verursacht möglicherweise Schäden an den Profilen, die ja den Charme einer solchen alten Tür ausmachen und die sich nur aufwändig reparieren lassen.»

Ohne Lösungsmittel keine Chance
Die Behandlung mit chemischen Abbeizern kann durchaus Sinn machen, vor allem an aufwändigen Verzierungen und Profilen. Wichtig ist, dass man diese Arbeiten bei guter Belüftung und am besten mit Schutzanzug und -maske erledigt – und dass der chemische Abbeizer genau zum verwendeten Lack passt. «Ganz allgemein gibt es zwei Arten von Abbeizern: alkalische und lösemittelhaltige», erläutert Dombrowski. Alkalische Abbeizer, die auf Basis von Laugen arbeiten, eignen sich für Kunstharz- und Öllacke, wie sie auf vielen alten Türen als unterster Anstrich zu finden sind. Für Acryllacke braucht es dagegen unbedingt einen Abbeizer mit Lösungsmittel – der sich dann auch für alle anderen Lacke eignet – allerdings schlagen diese Produkte schnell auf die Gesundheit: Kopfschmerzen, Übelkeit und tränende Augen können der Fall sein. Vom Ablaugen der Türen in spezialisierten Werkstätten rät Dombrowski eher ab: «Die extensive Behandlung mit Lauge laugt eben auch das Holz aus, Verleimungen lösen sich und die Türen leiden.»

Bis der Lack Blasen schlägt
Bleibt als dritte Variante die Behandlung mit Hitze, am besten mit einer Heissluftpistole, bei der sich Temperatur und Gebläsestärke separat regeln lassen. Alternativ kann man auch in einen Speedheater investieren, eine Hochleistungs-Infrarotlampe, die man für zehn bis zwanzig Sekunden auf die alte Farbe aufsetzt. Wenn der Lack anfängt, Blasen zu schlagen, ist das der richtige Zeitpunkt, den Spachtel anzusetzen. Denn es gilt, genau den richtigen Zeitpunkt zu finden: Ist der Anstrich noch zu fest, harkt man leicht ins Holz – und produziert Schäden, die sich besonders an den feinen Profilen nur schlecht reparieren lassen. Ist der Lack zu heiss, entstehen Brandflecken.

Das richtige Werkzeug
Und dann braucht es – ganz egal ob die Wahl auf chemische Abbeizer oder die Behandlung mit Hitze fällt – noch die richtigen Werkzeuge, um die Farbe von den Oberflächen zu entfernen. Im Fachhandel gibt es auch hierfür eine stattliche Auswahl an solchen Ziehklingen. Denn beim Entfernen der Farbe gilt: Ziehen verursacht weniger Schäden als Stossen. Wichtig ist, dass sich alle Werkzeuge präzise führen lassen – zusätzliche Griffe für die zweite Hand oder auch ein gewisses Gewicht des Werkzeugs helfen dabei, «aber im Detail merkt man oft, dass man mit vorgefertigten Utensilien an vielen Stellen nicht weiterkommt», sagt Bernd Dombrowski. Da kann der Gang in die Brockenstube oder auf den Flohmarkt helfen: Dort finden sich oft Metallwerkzeuge, deren eigentliche Bestimmung nur schwer auszumachen ist – die sich aber für das präzise Abkratzen der historischen Lacke an schwierigen Stellen sehr gut eignen.

Das richtige Werkzeug zum Entfernen von Farbe sollte man sich nach seinen individuellen Bedürfnissen zusammensuchen. zoom
Das richtige Werkzeug zum Entfernen von Farbe sollte man sich nach seinen individuellen Bedürfnissen zusammensuchen.
Auch auf diese Haustür vom Anfang des 19. Jahrhunderts passte keine weitere Schicht Farbe. Mit Skalpell und Stechbeitel werden die zahlreichen Anstriche entfernt.zoom
Auch auf diese Haustür vom Anfang des 19. Jahrhunderts passte keine weitere Schicht Farbe. Mit Skalpell und Stechbeitel werden die zahlreichen Anstriche entfernt.
Achtung bei Verglasungen: Durch Hitze kann das Glas beschädigt werden und platzen. Daher sind hier chemische Abbeizer die bessere Wahl.zoom
Achtung bei Verglasungen: Durch Hitze kann das Glas beschädigt werden und platzen. Daher sind hier chemische Abbeizer die bessere Wahl.
Fön, Spachtel, Schaber: In jedem Falle braucht man mehrere Werkzeuge. Beim Heissluftfön sollten sich Gebläse und Temperatur separat regeln lassen. zoom
Fön, Spachtel, Schaber: In jedem Falle braucht man mehrere Werkzeuge. Beim Heissluftfön sollten sich Gebläse und Temperatur separat regeln lassen.
Auf die richtige Technik kommt es an: Je nach Anstrich sollte man die alten Lacke entweder im warmen Zustand abnehmen – oder die Farbbläschen erst nach dem Erkalten abkratzen. zoom
Auf die richtige Technik kommt es an: Je nach Anstrich sollte man die alten Lacke entweder im warmen Zustand abnehmen – oder die Farbbläschen erst nach dem Erkalten abkratzen.
Fingerspitzengefühl voraus: Manchmal kann es sinnvoll sein, nur den Spachtel zu erhitzen und damit durch den Lack zu gleiten. zoom
Fingerspitzengefühl voraus: Manchmal kann es sinnvoll sein, nur den Spachtel zu erhitzen und damit durch den Lack zu gleiten.
 

An die Beschläge denken!
Natürlich kann auch die Kombination aus alten Türen und neuen Beschlägen spannend sein. Aber wenn sich am alten Haus noch historische Beschläge finden, dann sollte man unbedingt prüfen, ob es möglich und sinnvoll ist, sie aufzuarbeiten. Die Restaurierung überlässt man am besten einem Fachmann. Denn hier geht es nicht nur um ästhetische Fragen – der historische Beschlag soll im Alltag schliesslich viele Jahre tadellos Dienst tun. Dass sich eine Aufarbeitung jahrhundertealter Schlösser und Türfallen lohnen kann, zeigen diese Bilder. Der Beschlag, dessen Alter bei rund 150 Jahren liegen dürfte, wird künftig wieder an «seiner» Tür täglich viele Male seiner Aufgabe nachkommen. 

Historische Beschläge haben einen besonderen Reiz, sowohl im vorgefundenen Zustand, als auch im aufgearbeiteten Look.zoom
Historische Beschläge haben einen besonderen Reiz, sowohl im vorgefundenen Zustand, als auch im aufgearbeiteten Look.

Text und Fotos: Barbara Hallmann
aus: Häuser modernisieren, Heft Nr. 2/2017

 
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