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Die richtige Wahl der Heizung

Die Planung einer neuen Heizung erfordert eine umfassende Beurteilung der zur Verfügung stehenden Energiequellen, der baulichen Situation wie auch der individuellen Bedürfnisse der Bauherrschaft. Guter Rat muss nicht teuer sein – Energieberater von Energieversorgern und Gemeinden, aber auch lokale Heizungs-Spezialisten kennen sich aus und helfen, die richtige Wahl zu treffen.

Ein Cheminée bringt neben Wärme auch Behaglichkeit ins Haus.zoom
Ein Cheminée bringt neben Wärme auch Behaglichkeit ins Haus.
 

Ein eigenes Haus bauen, die Küche nach den eigenen Vorstellungen planen, die Materialien für die Abdeckung aussuchen und mitreden bei der Einteilung der Schränke – das ist der Traum vieler Menschen. Wer baut, greift dabei tief in die Tasche, um sein Zuhause so einzurichten, dass es genau den persönlichen Vorstellungen entspricht. Kein Wunder, denn schliesslich baut man ja meist nur einmal im Leben. Kostspielig ist aber nicht nur der sichtbare Innenausbau, auch die «unsichtbaren» Komponenten im Heizungskeller fallen finanziell ins Gewicht. So etwa die Heizung – für viele ein notwendiges Übel, ohne das es leider nicht geht, für andere aber eine Anschaffung, die zugleich ein ökologisches Statement ist.

Die Evaluation des richtigen Heizsystems ist allerdings kein Kinderspiel. In der Vielzahl der Angebote die richtige Wahl zu treffen, fordert sogar technisch interessierte Bauherrschaften. Das weiss auch Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbandes HEV Schweiz: «Bei der Wahl einer neuen Heizung gilt es sich grundlegend zu überlegen, welche Energieträger persönlich favorisiert werden. Auf welchen Energieträger setzt man? Es gibt inzwischen deren viele. In einem zweiten Schritt sollte mit einem Energieberater abgeklärt werden, welche Heizsysteme beim betreffenden Gebäude überhaupt Sinn machen. Bei den Kosten sind die Investitions- wie auch die Betriebskosten zu berücksichtigen, um ein gesamthaftes Bild zur Entscheidungsfindung zu erhalten.»

Beratungsangebote nutzen
Vor dem Kaufentscheid ist es also ratsam, eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Diese bietet sowohl der lokale Heizungsspezialist als auch Energieversorger und öffentliche Stellen bei Kantonen oder Städten. Die Stadt Zürich beschäftigt beispielsweise 25 Energie-Coaches, die Eigentümerschaften, Architektinnen und Planer mit ihrem Fachwissen von der Planung bis zur Installation unterstützen. Auch die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) stehen Mietern und Hausbesitzern, aber auch Unternehmen mit Rat und Tat zur Seite bei Fragen rund um das Thema Energieeffizienz: «Wir bieten unseren Kunden neben attraktiven Förderprogrammen persönliche, unabhängige und umfassende Energieberatungen an. Denn wer Energie effizient einsetzt, kann die Kosten spürbar senken und gleichzeitig die Umwelt schonen, ohne dabei auf Komfort verzichten zu müssen», sagt Evelyn Rubli, Leiterin Energieberatung bei den EKZ. Vor Ort beantworten die Energieberater der EKZ sämtliche Fragen zur Heizung und stellen Möglichkeiten vor, wie mit einem modernen, effizienten Heizsystem Energiekosten gespart und mit erneuerbarer Energie klimaschonend Wärme und Strom produziert und genutzt werden kann. «Rund zwei Stunden dauert eine Beratung. Anschliessend erhält der Kunde für seine weitere Planung einen detaillierten Bericht mit den wichtigsten Anlagendaten, konkreten Empfehlungen und wertvollen Checklisten», erklärt Rubli.

Auf Erneuerbare setzen
Bevor es an die Planung geht, nehmen die EKZ Energieberater eine sorgfältige Evaluation aller wichtigen Faktoren vor. Dazu gehören Installations-, Unterhalt- und Energiekosten der neuen Heizung. Aber auch die Umweltbelastung, mögliche Fördergelder und langfristige Sicherheit des Energieträgers sind zu berücksichtigen. Ein Kostenvergleich verschiedener Heizsysteme kann mit dem Online-Heizungsrechner einfach und unkompliziert vorgenommen werden (www.heizungsrechner.ch). Egal, ob ein Neubau oder eine Sanierung ansteht – es lohnt sich immer, den Einsatz erneuerbarer Energien zu prüfen, denn diese belasten die Umwelt weniger. Nachwachsende Energiequellen sind beispielsweise Sonnenenergie, Umweltwärme oder Biomasse wie etwa Holz. Zwar sind die Investitionskosten meist etwas höher als bei einer Öl- oder Gasheizung, doch ist ihr Betrieb in der Regel günstiger. Bereits heute wird in sieben von zehn Ein- oder Mehrfamilienhäusern eine Wärmepumpe, eine Solaranlage oder eine Holzheizung installiert.

Erneuerbare Energien
Wärmepumpen benötigen Umgebungswärme aus der Luft, dem Erdreich oder dem Wasser. Die meisten Bauherrschaften entscheiden sich für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, effizienter ist allerdings die Nutzung der Erdwärme, für die im Garten oder auf dem Vorplatz eine Bohrung vorgenommen werden muss. Nicht jeder Standort ist für die Erdwärmenutzung geeignet, Auskunft erhält man in der Regel bei der Gemeinde. Luft-Wasser-Wärmepumpen stehen in den meisten Fällen draussen. Hier gibt es zwei Dinge zu beachten: Erstens ist es ratsam, ein möglichst geräuscharmes Gerät anzuschaffen, und zweitens soll es aufgrund der Schallemissionen in ausreichendem Abstand zum Nachbarhaus platziert werden. Wärmepumpen sind aber nur so ökologisch, wie dies der Strom ist, mit dem die Umweltwärme auf eine höhere, für Heizzwecke geeignete Temperatur gebracht wird. Nur wenn dieser aus einer «sauberen» Quelle kommt, ist auch die produzierte Wärme wirklich ökologisch. Einige Energielieferanten wie etwa die Elektrizitätswerke für die Stadt Zürich beliefern ihre Kunden mit Strom aus erneuerbaren Quellen, womit die Treibhausgasemissionen fürs Heizen nahezu bei null liegen.

Holz wächst nach, ist CO²-neutral und einheimisch – schlagende Argumente, die für eine Holzheizung sprechen. Was man aber auch wissen muss: Sowohl für Pellets als auch für Stückholz braucht es einen genügend grossen Lagerplatz entweder im Haus oder in einem Lager. Betrachtet man die Feinstaubemissionen, schneiden Pelletsheizungen, die übrigens denselben Bedienkomfort aufweisen wie ein Öl- oder Gaskessel, besser ab als Stückholz. Auf jeden Fall sollte man sich für eine Anlage entscheiden, die das Qualitätssiegel von Holzenergie Schweiz trägt. In einem Haus mit einer ganz kleinen Heizlast, etwa bei Minergie-P, reicht unter Umständen auch ein kleiner Speicherofen bereits als Ganzhausheizung aus. Dieser bringt nicht nur Wärme ins Haus, sondern auch eine grosse Portion Gemütlichkeit.

Sonnenenergie
Sonnennergie ist sauber und unerschöpflich. Mit einer thermischen Solaranlage trägt jeder Hausbesitzer dazu bei, dass weniger fossile und somit begrenzt verfügbare Brennstoffe verbraucht werden. Zudem ist man unabhängiger von den derzeit wieder deutlich höheren Ölpreisen und man kann die Heizkosten senken. Auf einem Einfamilienhaus reichen vier bis sechs Quadratmeter Kollektorfläche, um den Energiebedarf fürs Brauchwarmwasser einer vierköpfigen Familie bis zu 60 Prozent zu decken. Dazu braucht es einen Warmwasserspeicher mit 400 bis 600 Litern Inhalt. Wer mit Solarwärme auch noch heizen möchte, braucht ein energetisch optimal gedämmtes Gebäude. Im Einfamilienhaus sind 10 bis 15 Quadratmeter Kollektorfläche und ein Wärmespeicher mit rund 1000 Litern Volumen nötig, um etwa einen Drittel des Wärmebedarfs abzudecken.

Eine Photovoltaikanlage macht aus dem eigenen Haus ein kleines Kraftwerk. Der so gewonnene Strom lässt sich zum Beispiel für den Betrieb der Wärmepumpe verwenden. Evelyn Rubli: «30 Quadratmeter Modulfläche genügen, um den typischen Strombedarf eines Drei- bis Vier-Personen-Haushalts im Jahresmittel mit Sonnenenergie zu decken.»

Fossile Energien
Gasheizungen lassen sich nicht nur mit Erdgas, sondern auch mit Biogas betreiben – ohne Veränderung an den Komponenten. Biogas hat gegenüber dem herkömmlichen, aus dem Ausland stammenden Erdgas den Vorteil, dass es erneuerbar ist und lokal produziert wird. Zudem sind Gasheizungen in der Regel äusserst platzsparend und lassen sich einfach an einer freien Wand platzieren. Voraussetzung ist allerdings, dass bereits ein Gasanschluss zum Haus führt, was nicht überall der Fall ist.

Wer mit Erdöl heizt, bezieht seine Energie aus dem Ausland. Am besten schneiden hier Brennwertgeräte ab, denn diese nutzen einen Teil der Wärme der Abgase, wodurch ihr Wirkungsgrad höher ist. Aufgrund der Vorschriften (Muken 2014) dürfen Öl- und Gasheizungen künftig allerdings nicht mehr eins zu eins ersetzt werden – zehn Prozent muss aus erneuerbarer Quelle stammen oder durch zusätzliche Effizienzmassnahmen am Gebäude kompensiert werden (siehe Kasten). Wer nach einer Sanierung bei Öl oder Gas bleiben will, muss also entweder zusätzlich Sonnenkollektoren installieren oder mit baulichen Massnahmen die Gebäudehülle verbessern, etwa durch neue Fenster oder eine Dachdämmung. Davon ausgenommen sind Häuser, die mindestens der GEAK-Kategorie D (GEAK: Gebäudeenergieausweis der Kantone) entsprechen oder nach Minergie zertifiziert sind.

Integraler Ansatz
Eine Heizung soll nicht als isolierte Einzelkomponente betrachtet werden. Damit sie optimal funktioniert, muss sie Teil eines Gesamtsystems sein, zu dem auch die Wassererwärmung und die Gebäudehülle gehören. Eine umfassende Betrachtung und Planung ist insbesondere auch bei einer Sanierung wichtig, will man nicht Gefahr laufen, am Ende mit einer komplett überdimensionierten Heizung dazustehen. «Eine energetische Sanierung des Gebäudes kann die erforderliche Heizleistung bis zu 70 Prozent reduzieren. Es lohnt sich daher, vor dem Heizungsersatz eine Gesamtsanierung der Gebäudehülle vorzunehmen», rät Rubli. Bund und Kantone stellen hierfür attraktive Fördergelder zur Verfügung (www.dasgebaeudeprogramm.ch). Verschiedene Banken bieten zudem vergünstigte Hypotheken für energiebewusste und klimafreundliche Modernisierungen von Wohnbauten an und die Investitionen können von den Steuern abgezogen werden. Auch bei den Kosten für die Heizungsanlage ist der Gesamtblick über die ganze Lebensdauer aufschlussreicher als die Beurteilung lediglich nach Investitionskosten. So sind Wärmepumpen beispielsweise teurer in der Anschaffung, jedoch günstiger im Betrieb – insbesondere jetzt, da die Heizölpreise wieder stark angestiegen sind.

Wie im Wohnzimmer, in der Küche und im Bad lohnt es sich also auch im Heizungskeller auf Qualität und sorgfältige Planung zu setzen. Denn fällt die Heizung aus, kann es im Winter sehr schnell ungemütlich werden. Da hilft auch die exquisiteste Badewanne nicht.


Text: Von Sandra Aeberhard, Faktor Journalisten Zürich
aus: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 2/2017

 
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