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Rohrsanierung

Ablagerungen, Risse oder Wurzeleinwuchs können Wasserleitungen schädigen. Hauseigentümer stehen nun vor der Wahl, die Rohre komplett auszutauschen oder sie von innen zu sanieren. Doch welche Methode für die Rohrsanierung ist die richtige?

Die Sanierung eines Abwasserrohres kann in offener Bauweise oder grabenlos (Inliner) erfolgen. zoom
Die Sanierung eines Abwasserrohres kann in offener Bauweise oder grabenlos (Inliner) erfolgen.
 

Sind die Wasserleitungen alt und sanierungsbedürftig, muss sich ein Hauseigentümer entscheiden, ob er die Rohre komplett erneuern oder sanieren will. Bei der Promotec Service GmbH weiss man, dass Wasserleitungen aus verzinkten Eisenrohren oder Kupfer nach etwa zehn bis 15 Jahren Rost- oder Kalkablagerungen bilden. Ein dünner Wasserstrahl oder rostrotes Wasser sind hierfür unverkennbare Anzeichen. Die Ursachen dafür können unter anderem Mischwasser, aggressive Wasserqualität, Einschwemmungen, ungenügende Rohrqualität oder zu hohe Temperaturen sein.

Ohne Schmutz und Dreck
Eine Innensanierung des Leitsystems kann deshalb vor grösseren Schäden wie Rohrbrüchen bewahren. Der Begriff lässt bereits vermuten, dass bei diesem Verfahren ein vollständiger Wechsel der Rohre bei aufgerissenen Wänden vermieden wird. Der von der Hauptversorgung abgekoppelte Rohrleitungsstrang wird zunächst entleert und Ventile sowie Armaturen entfernt. Nach dem Trocknen und Aufrauen werden die Rohre in einem zweiten Verfahrensschritt innen mit einer speziellen Beschichtung versiegelt, nachhaltig geschützt und es entsteht ein Rohr-im-Rohr. Nach der Ergebniskontrolle per Endoskopie und einer Austrocknungszeit von rund 24 Stunden kann der Strang wieder an die Hauptversorgung angeschlossen werden. Ein Hinweisschild an der Hauptleitung informiert anschliessend über den Sanierungszeitpunkt. Eine solche Innenrohrsanierung ist kostengünstiger und weniger aufwändig als eine Komplettsanierung. Hauseigentümer sollten jedoch wissen, dass in den häufigsten Fällen eine spätere Modernisierung dennoch unvermeidbar ist. «Rohrinnensanierungen sind Massnahmen, die eine Gesamterneuerung der Trinkwasserinstallation um 10 bis 15 Jahre hinauszögern können und somit die Amortisationszeit einer Liegenschaft verlängern», geben deshalb der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) und Suissetec im gemeinsamen Merkblatt «Rohrinnensanierungsverfahren bei Trinkwasserinstallationen» zu beachten.

Trinkwasserqualität überprüfen
Die meisten Unternehmen verwenden bei der Rohrinnensanierung überwiegend Epoxidharz als Beschichtung. Bei mangelhafter Ausführung besteht die Gefahr, dass nach der Sanierung die Wasserqualität durch entweichende Stoffe beeinträchtigt wird. Das Trinkwasser, das mit den inwendigen Epoxidharzbeschichtungen in Berührung kommt, muss die rechtlichen Anforderungen des Lebensmittelrechts erfüllen. Der zentrale Artikel aus dem Lebensmittelrecht für Epoxidharzbeschichtungen in Kontakt mit Trinkwasser ist Artikel 4.5 der Verordnung über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV; SR 817.023.21). Dieser Absatz 5 schreibt vor, dass Trinkwasserkontaktmaterialien bestimmte Stoffe nur in den Mengen ins Trinkwasser abgeben dürfen, die gesundheitlich unbedenklich und technisch unvermeidbar sind und die keine Veränderung der Zusammensetzung oder der organoleptischen Eigenschaften herbeiführen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen empfiehlt die Verwendung eines Beschichtungsmaterials, das nach der Beschichtungsleitlinie des deutschen Umweltbundesamtes geprüft wurde und im Anhang 5 der Leitlinie für die Produktgruppe «Rohre mit DN < 80 mm» gelistet ist.

Empfohlen wird deshalb eine Überprüfung der Trinkwasserqualität nach den Eingriffen. «Bevor das sanierte Leitungssystem zur Trinkwassernutzung freigegeben wird, sollte die Sanierungsfirma durch entsprechende Kontrollen der Trinkwasserqualität nachweisen, dass die Bestimmungen des Artikel 4.5 TBDV eingehalten werden. Falls die Ergebnisse der Analysen keine Freigabe zur Trinkwassernutzung erlauben, müssen technische Massnahmen ergriffen werden, um die Wasserqualität zu verbessern», ist deshalb in Kapitel 5 des Informationsschreibens des BLV vom 1. Mai 2017 zu lesen.

Sanierung von Bodenheizungen
Auch Bodenheizungsrohre können sanierungsbedürftig sein. In den ersten Systemen wurden vor 1990 ausschliesslich Kunststoffrohre – vornehmlich Polyäthylen – verbaut. Diese Rohre verspröden mit der Zeit, Luft dringt ins Rohrinnere, es bildet sich Rost beziehungsweise Rostschlamm, der das Rohrsystem verengt und die Zirkulation beziehungsweise die Wärmeabgabe der Bodenheizung behindert. Seit rund 25 Jahren werden jedoch Kunststoffrohre mit einliegender Sperrschicht aus Aluminium verlegt, die die notwendige Wasser- und Luftdichtheit ermöglichen. Sauerstoff kann nicht mehr in das zirkulierende Heizungswasser gelangen. Sind die Heizungsrohre dennoch durch Ablagerungen verengt, können Unterhaltsfirmen oder Heizungsinstallateure das System zumeist ohne hohen Aufwand freispülen. Bei Leckagen ergeben sich verschiedene Sanierungsvarianten. Erstens: Die Bodenheizung kann komplett zurückgebaut werden. Zweitens: Das vorhandene Rohrregister kann stillgelegt und eine neue Bodenheizung auf dem bestehenden Bodenbelag aufgebaut werden. Aufgrund der notwendigen zusätzlichen Aufbauhöhe ist diese Variante in Wohnbauten – vor allem im Bereich von raumhohen Fensterfronten – jedoch oftmals kaum durchführbar. Die gleichen Probleme ergeben sich beim Nachrüsten von Radiatoren. Drittens: Die Rohre können von innen durch die Eingabe von flüssigem Epoxidharz saniert werden. Im Gegensatz zu Trinkwasserleitungen unterliegen Heizungsrohre nicht dem Lebensmittelrecht.

Das bestehende Rohr vor der Sanierung. zoom
Das bestehende Rohr vor der Sanierung.
Der ausgehärtete Liner bildet im schadhaften Rohr an der Innenwand ein neues Rohr. zoom
Der ausgehärtete Liner bildet im schadhaften Rohr an der Innenwand ein neues Rohr.
 

Im Auge des Rohres
Einer Sanierung von Abwasserrohren bedarf es laut Claudia Glanzmann von der Rohrmax AG, «wenn ein Rohr leckt». Was sich prinzipiell in jedem Gebäude ereignen kann und unter anderem durch Risse im Rohr oder Wurzeleinwuchs verursacht wird. Verschiedene Faktoren wie Qualität, Einbau, Stärke der Beanspruchung sowie Wartungsintervalle beeinflussen die Haltbarkeit der Rohre. Die Kanal-TV-Untersuchung durch Fachfirmen wie Rohrmax dient vorab der detaillierten Schadenserkennung. Eine kleine Kamera wird in das Abwasserrohr eingeführt, so können Rohreinbrüche, Verengungen oder Wurzeleinwüchse ermittelt werden. Ein vollständiges Protokoll mit digitalen Aufnahmen gibt Hauseigentümern die Grundlage für anschliessende Sanierungsmassnahmen. Behörden können im Übrigen jederzeit periodische Kontrollen des Entwässerungssystems per Kanal-TV und Dichtheitsprüfungen verlangen. «Denn neuerdings werden Hauseigentümer vermehrt durch die Gemeinden aufgefordert, die Grundleitung und den Hausanschluss von der privaten zur öffentlichen Kanalisation mithilfe von Kanal-TV zu überprüfen und diese allenfalls aus Gründen des Gewässerschutzes sanieren zu lassen», konkretisiert Claudia Glanzmann.

Achtung bei unbenutzten Abwasserleitungen
Bei längerem Leerstand von Gebäuden ist Vorsicht geboten. In diesem Zeitraum können die Abwasserrohre austrocknen und bei einer erneuten Nutzung verstopfen, weil die Ablagerungen aufquellen. Diese Problematik ist nicht allen Hauseigentümern bekannt. «Bei Hausbesichtigungen sollten Ablauftests an jedem Waschbecken durchgeführt werden», rät Claudia Glanzmann. Fliesst das Wasser ab, sind auch die Leitungen in einem guten Zustand. Erst eine Rohrkontrolle, die von diversen Rohrreinigungs-Unternehmen als kostenlose Vorsorge angeboten wird, bringt Gewissheit. Läuft das Abwasser hingegen nicht mehr ab, kommt es zu einem Rückstau und schlimmstenfalls zu Schäden. Grundsätzlich sollten die Hauptleitungen jedoch vor einem Neubezug mit Hochdruck durchgespült werden, periodische Wartungen sind zudem empfehlenswert.

Empfehlungen bei Rohrsanierungen  Quelle: SVGW, Suissetec

  • Sichtbar oder zugänglich verlegte Leitungen sind zu erneuern oder in kontrollierten Etappen zu sanieren.
  • Durch das Auftrennen der Kalt- und Warmwasserinstallation an geeigneten Stellen und die Aufteilung in Teilstrecken sollen die zu sanierenden Leitungsstücke möglichst kurz gehalten werden.
  • Die Leitungen müssen vollständig von Kalk und Rost befreit sein, damit eine einwandfreie Beschichtung und Haftfestigkeit gewährleistet ist.
  • Kalkrückstände sollten nicht mit Säuren entfernt werden. Dies kann zu Langzeitschäden bei Verbindungen, Dichtungen usw. führen.
  • Im Notfall können Steigleitungen auch offen – mit einer anschliessend angebrachten Verkleidung – verlegt werden.
  • Nicht benötigte Trinkwasserleitungen müssen vom Netz getrennt werden.
  • Ein regelmässiger Wasserbezug (täglich) an allen Entnahmestellen ist sehr wichtig.
  • Beim Sanieren sollte nach dem Grundsatz «so wenig wie möglich – so viel wie nötig» gehandelt werden.
  • Für spätere thermische Desinfektionen wie beispielsweise für die Legionellenbekämpfung empfiehlt es sich, von der Rohrinnensanierungsfirma eine entsprechende Bestätigung ausstellen zu lassen, die garantiert, dass die Beschichtung durch die erhöhten Temperaturen (über 70 °C) keinen Schaden nimmt. Dasselbe gilt auch für chemische Desinfektionen mit Chlor oder anderen Chemikalien.
  • Von der Sanierungsfirma sollen eine Referenzliste sowie eine entsprechende mehrjährige Garantie verlangt werden.
  • Der (werk-)vertraglichen Regelung ist hier besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wir verweisen auf die entsprechende Mustervereinbarung des SVGW.

Text: Morris Breunig
aus: Häuser modernisieren, Heft Nr. 2/2017

Bezugsquellen:

Promotec Service GmbH
4153 Reinach BL 1
Tel. 061 713 06 38
www.promotec.ch

Rohrmax AG
Hauptsitz
8627 Grüningen
Tel. 0848 852 856
www.rohrmax.ch

 
 
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