1

Hauskauf: Keine Zeit für Kompromisse

Die Hypothekarzinsen liegen auf Rekordtiefe und die Preise für Immobilien beruhigen sich – soll man jetzt ein Haus oder eine Wohnung kaufen? Ja. Aber nur, wenn das Objekt wirklich passt, sagen Fachleute.

Sollte man jetzt ein Haus kaufen?

Wer heute Wohneigentum erwerben will und dafür Fremdkapital aufnehmen muss, zahlt so tiefe Zinsen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Hypothekarzins kann deshalb deutlich günstiger sein als die Miete für ein vergleichbares Objekt. Soll man daher buchstäblich um jeden Preis kaufen?

Ein «Ja» mit Einschränkung
Diese Frage beantwortet Robert Weinert vom auf Immobilien spezialisierten Beratungsunternehmen Wüest & Partner positiv: «Findet man ein Objekt, das den Bedürfnissen für die nächsten zehn Jahre sowie den finanziellen Mitteln entspricht, ist Wohneigentum immer noch eine attraktive Anlage.» Auch Fredy Hasenmaile, Head Real Estate Research bei der Credit Suisse, findet: «Kommt man aus persönlichen oder familiären Überlegungen zum Schluss, man wolle Wohneigentum erwerben, ist der Zeitpunkt dafür richtig – und man sollte jetzt kaufen.» Er schiebt allerdings ein mittelgrosses «Aber» hinterher: «Im Vergleich zu früher muss man etwas besser aufpassen, denn die Preise sind hoch.» Wer jetzt kauft, muss gemäss dem Immobilienfachmann der CS damit rechnen, dass der Wert des Objekts im Lauf der Jahre auch mal etwas sinkt. «Immobilien weisen langfristig eine gewisse Volatilität auf», sagt Fredy Hasenmaile, «und Dellen in der Preisentwicklung gibt es immer wieder. Doch der Boden vermehrt sich ja nicht und der Wert von Immobilien steigt langfristig. Man muss sich einfach dagegen absichern, dass man im dümmsten Moment verkaufen muss.»

Höhenflug mit sanfter Landung
Bei der Credit Suisse spricht man zwar nicht von einer Preisblase, doch Immobilien sind laut Fredy Hasenmaile in vielen Regionen nicht einfach nur teuer, sondern überbewertet. «Die Preisentwicklung hat sich von Fundamentalwerten wie der Einkommensentwicklung gelöst», sagt er. Dass die Preise hoch liegen und Korrekturen möglich sind, bestätigt auch das Immo-Monitoring von Wüest & Partner: Vor allem in der Region Genfersee wird ein Preisrückgang erwartet. «Im Kanton Genf dürfte er mit zwei bis vier Prozent am höchsten ausfallen», sagt Robert Weinert. «Das hat einerseits mit den hohen Preisniveaus und andererseits mit der internationalen Ausrichtung dieses Markts zu tun.» Generell sind teure Objekte von Preiskorrekturen derzeit am meisten betroffen. Bei Wüest & Partner erklärt man sich das im Fall von Eigentumswohnungen damit, dass das Angebot vor allem bei teuren Objekten stark zugenommen habe. Fredy Hasenmaile sieht weitere Gründe für diese Entwicklung: «Vor allem bei den teureren Objekten gibt es ein Nachfrageproblem: Das Interesse aus dem Ausland hat sich abgeschwächt, und auch im Inland müssen die Leute aus Branchen mit hohen Löhnen zurzeit kleinere Brötchen backen.»

Warten aufs Schnäppchen?

Wäre es also klüger, auf die nächste Preisdelle zu warten, die unweigerlich irgendwann eintreten wird? Fredy Hasenmaile sieht für sinkende Preise vor allem eine Ursache: «Steigt das Zinsniveau irgendwann auf einen historischen Mittelwert, könnten sich viele Leute die Zinskosten nicht mehr leisten – und es gäbe eine deutlich geringere Nachfrage, die sich dann auch auf die Preise auswirken würde.» Mit einem Zinsanstieg ist aber, da sind sich die Fachleute einig, noch viele Jahre lang nicht zu rechnen. Wer auf bessere Zeiten bei den Immobilienpreisen warten will, braucht also Geduld – und nimmt dafür höhere Finanzierungskosten in Kauf. Auf ein Schnäppchen hoffen sollte man heute aufgrund der hohen Transparenz nicht mehr. Eventuell kann man auf einen Notverkauf hoffen, doch ein solcher lässt sich laut Fredy Hasenmaile nicht vorhersehen: «Notverkäufe ergeben sich heute nicht aus der Konjunkturlage, sondern aus all jenen Unglücksfällen, die es im Leben so gibt.» Robert Weinert nennt einen weiteren Aspekt, der nicht fürs Zuwarten spricht: «Seit 2004 wurden sehr viele Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen gebaut. Diese Wohneinheiten wurden vom Markt zunächst rasch absorbiert. Doch in den letzten beiden Jahren hat sich die Angebotsquote erhöht.» Das Angebot ist zurzeit also gross. Betrachte man die Baugesuche und -bewilligungen, müsse man hingegen für 2015 und 2016 mit einer Stagnation der Bautätigkeit rechnen.

Wie kann man diese vielen Faktoren zusammenfassen? Das Angebot ist gross, die Konkurrenz durch ausländische Käufer aufgrund des Frankenkurses zumindest kurzfristig gering und vor allem: Die Zinskosten liegen einmalig tief. Das alles spricht für einen Kauf. Dagegen spricht das hohe Preisniveau. Wer jetzt also kauft, muss das Objekt besonders gut prüfen, sollte nicht zu viele Kompromisse eingehen und das Szenario einer Preisdelle durchdenken.


Text: Benjamin Gygax und Marius Leutenegger
aus: Das Einfamilienhaus

 
  • Am Kiosk holen oder online bestellen!

    Am Kiosk holen oder online bestellen!

    Sie wollen bauen oder ein Haus kaufen? Im aktuellen Magazin DAS EINFAMILIENHAUS finden Sie wertvolle Tipps, inspirierende Gartenkonzepte und moderne Küchentechnik.

  • 3K mineralischer Ökobelag

    3K mineralischer Ökobelag

    Verarbeitet an einem Stück fügt sich dieser zementgebundene, fugenlose und mineralische Bodenbelag in jeden Grundriss ein. Für Böden, Treppen, Sockel, Wände, Möbel und vieles mehr.

  • Transparentes Wohndesign von Atrium

    Transparentes Wohndesign von Atrium

    Transparente Flächen sind integraler Bestandteil eines jeden Bauobjektes. Filigranste Profiltechnik gibt den Blick nach aussen frei. Transparentes Wohnen für höchste Ansprüche.