Schweizer Bauratgeber für Bauherren und Hausbesitzer

«Die Küche sollte ein Wohlfühlort sein»

Eine Küche muss vor allem funktionell sein. Weil man viel Zeit darin verbringt, sollte man sich darin aber auch wohlfühlen, findet Sternekoch Andreas Caminada.

Andreas Caminada ist einer der prominentesten Schweizer Köche der Gegenwart. Seit 2003 ist der gebürtige Bündner Pächter und Gastgeber von Schloss Schauenstein im Domlesch/GR. Sein Restaurant steht seit 2011 ununterbrochen auf der Liste der 50 besten Restaurants der Welt. Es ist ausgezeichnet mit 3 Michelin-Sternen und 19 Gault&Millau-Punkten.
Andreas Caminada ist einer der prominentesten Schweizer Köche der Gegenwart. Seit 2003 ist der gebürtige Bündner Pächter und Gastgeber von Schloss Schauenstein im Domlesch/GR. Sein Restaurant steht seit 2011 ununterbrochen auf der Liste der 50 besten Restaurants der Welt. Es ist ausgezeichnet mit 3 Michelin-Sternen und 19 Gault&Millau-Punkten.

Im Schloss Schauenstein stehen Ihnen ganze Brigaden von Helfern und eine professionelle Grossküche zur Verfügung. In einer Privatküche sieht das anders aus. Was ist eine gute Küche für den Privatgebrauch?
Andreas Caminada: Eine gute Privatküche? In erster Linie muss sie funktionell sein, und sie muss genügend Stauraum haben. Schön sein sollte sie auch, denn sie ist ein wichtiger Ort im Haus, wo man sich viel aufhält, diskutiert, lebt. Bei uns zuhause ist die Küche auch Esszimmer, eine richtige Wohnküche also. Darum sollte sie einem gefallen, ein Wohlfühlort sein, damit man dort gerne viele Stunden verbringt.

Werkstatt und Zentrum des Hauses. Ist das ein Plädoyer für die offene Küche?
Andreas Caminada: Wir haben zuletzt sieben Jahre in einem Landhaus mit einer abgetrennten Küche gewohnt, mit viel Platz, das war super schön und ich habe es sehr geschätzt. In der Küche entstehen ja oft auch Dämpfe beim Kochen, und ich fand es gut, dass man einfach zumachen konnte. Für unser neues Haus kam das weniger in Frage, da sind die Gegebenheiten anders. Es ist ein umgebauter Stall mit einer offenen Küche. Ich finde das nicht besser oder schlechter. Den geschlossenen Raum fand ich gut, wie das Neue wird, weiss ich noch nicht, es wird sicher auch fein.

Im Bereich der Küchentechnik tut sich zur Zeit sehr viel, unter dem Stichwort assisted cooking. Ist das für jeden etwas, was wird bleiben, was nicht?
Andreas Caminada: Ich bin da eher pragmatisch. Ich brauche nicht viel Technik, grundsätzlich. Ich brauche einen guten Herd, einen guten Abzug, gute Pfannen und gute Messer. Und sicher braucht es einen Mixer, einen Thermomix oder einen Stabmixer, damit man mal eine schöne Suppe kochen kann. Dazu ein paar nützliche Utensilien, aber ich brauche keinen digitalisierten Kühlschrank, der mir sagt, was drin ist und was nicht. Ich bin eher praktisch unterwegs, kaufe nach frischem Angebot ein. Wir haben genug Digitales mit dem Handy, sind genug in der digitalen Welt unterwegs. Es sei denn, man ist ein echter Technikfreak. Ich persönlich brauche das nicht in meiner Welt.

Woran sollte man nicht sparen?
Andreas Caminada: Beim Bauen? Nicht am Platz. Man sollte schauen, dass man genug Platz hat, dass der Kühlschrank und der Herd gross genug sind. Und sonst kommt es halt darauf an, worauf man Wert legt. In eine schöne Küche gehören natürlich auch schöne Accessoires, mit einem guten Messer, einem schönen Schneidebrett macht das Kochen noch mehr Freude. Man macht sich das Leben damit schöner. Wenn man gern kocht, darf man sich auch sehr gut ausstatten, wie bei anderen Hobbys auch.

Koch ist Ihr Beruf, aber Sie sind auch Familienvater mit zwei kleinen Kindern. Wie wird im Hause Caminada privat gekocht?
Andreas Caminada: Wir kochen sehr frisch, es gibt viel gutes Gemüse, oft nur vegetarisch, aber sonst mal Poulet, mal Fisch, ausgewogen eben.

Stehen Sie zuhause selber am Herd?
Andreas Caminada: Ganz unterschiedlich. Bei uns sind oft mehrere Leute beteiligt, die Grosseltern oder wir, das läuft sehr dynamisch ab. Und dann gehen wir auch immer mal wieder gerne ins Restaurant, das ist klar.

Die Küche «Opus one» ist mit ihren natürlichen Materialien, ihrem grossen Waschbecken und ­vielfältigen Arbeitsflächen eine Küche für leidenschaft­liche Köche. Foto: Hans Eisenring.
Die Küche «Opus one» ist mit ihren natürlichen Materialien, ihrem grossen Waschbecken und ­vielfältigen Arbeitsflächen eine Küche für leidenschaft­liche Köche. Foto: Hans Eisenring.

Interview: Christine Vollmer
aus: Haus und Wohnen, Printausgabe

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