Strom vom Dach für den Eigenbedarf
Immer mehr Einfamilienhausbesitzer überlegen sich, eine Solarstromanlage zu installieren. Kleine Anlagen, die in erster Linie Strom für den Eigenbedarf liefern, sind bereits heute attraktiv.
Strom vom eigenen Dach – eine sparsame und saubere Lösung.
«Ein Stück Unabhängigkeit»
«Wir sind stolz, selber Strom zu produzieren», erzählt Christian Matti. Im Moment rechne sich die Photovoltaikanlage auf ihrem Reiheneinfamilienhaus im bernerischen Mühlethurnen zwar nicht. Denn der produzierte Solarstrom wird noch nicht kostendeckend vergütet: Wie viele andere Anlagen steht sie noch auf der langen Warteliste für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Doch Matti beobachtet die Situation gelassen: «Wir hätten die Anlage sowieso gebaut. Wir wollten unseren Beitrag zu einer sauberen Energieversorgung leisten.»
Dass die Energie immer teurer wird, ist ein weiteres Argument für den Bau einer Solaranlage. So auch für Michel Perrenoud aus Epalinges: «Die Solarenergie steht unbegrenzt zur Verfügung.» Anders der Strom vom Netz: Allein für 2011 rechnet der Verband Schweizer Elektrizitätsunternehmen mit einer durchschnittlichen Preiserhöhung um vier Prozent.
Unterschiedliche Montagelösungen
Solarmodule können entweder ins Dach integriert oder aufgebaut installiert werden. Auf Flachdächern werden die Module im idealen Winkel auf Ständern montiert. Steht sowieso eine Sanierung des Dachs an, setzen Bauherren eher auf eine integrierte Anlage: Die Solarmodule werden direkt auf den Dachunterbau verlegt und ersetzen die Dachziegel. Welche Flächen sich eignen, welche Solarzelltechnologie und Montagelösung am besten geeignet ist, wissen die Planer und Solarinstallateure.
Anschluss ans Netz
Solarstromanlagen werden in der Regel ans öffentliche Stromnetz angeschlossen. Der lokale Energieversorger ist zur Abnahme des Stroms verpflichtet. Für Kleinanlagen bis zu drei Kilowatt liegt der Einspeisetarif gemäss der neuen Empfehlung des Bundesamtes für Energie gleich hoch wie der Bezugstarif, solange die abgegebene Strommenge den Eigenbedarf im saisonalen Mittel nicht überschreitet. Kleinanlagen werden dadurch attraktiv. Ein Rechenbeispiel: Eine Solarstromanlage mit einer Leistung von drei Kilowatt kostet zwischen 21000 bis 26000 Franken.
Davon lassen sich in den meisten Kantonen rund 3000 Franken durch Steuerabzüge einsparen. Die Anlage erbringt einen Ertrag von rund 3000 Kilowattstunden. Dies deckt ungefähr den Stromverbrauch einer vierköpfigen Familie (ohne Elektroboiler). Bei Strompreisen von 20 Rappen pro Kilowattstunde spart die Familie also rund 600 Franken pro Jahr. Aufgerechnet auf die Lebensdauer einer Anlage von 25 Jahren entspricht dies 15000 Franken.
Gutes Gefühl
Michel Perrenouds Anlage gehört mit 4,4 Kilowatt Leistung nicht mehr zu den Kleinanlagen. Er speist den ganzen Strom ins öffentliche Netz ein. Dafür erhält er vom lokalen Netzbetreiber zurzeit 12 Rappen pro Kilowattstunde. In etwa drei Jahren wird ihm über die KEV 74 Rappen vergütet. Dass er als Solarstromproduzent vorübergehend drauflegt, ist für ihn kein Problem: «Damit leiste ich einen Beitrag zum Schutz der Umwelt und mit der Energie vom eigenen Dach gewinne ich ein Stück Unabhängigkeit.»
Photovoltaikanlage auf dem Dach des Reiheneinfamilienhauses der Familie Matti im bernerischen Mühlethurnen.
KEV: Entspannung erwartet
Die kostendeckende Einspeisevergütung KEV garantiert den Betreibern von Photovoltaikanlagen, den produzierten Strom während 30 Jahren zu einem garantierten Preis an das örtliche Elektrizitätswerk zu verkaufen. Finanziert wird die KEV über eine Abgabe auf dem gesamten Strom von aktuell 0,45 Rappen pro Kilowattstunde. Bei Solarstromanlagen besteht seit Einführung der KEV eine Warteliste. Bis Ende August 2010 ist sie auf 6600 Anlagen angewachsen. Doch laut der Nationalen Netzgesellschaft Swissgrid zeichnet sich ab 2011 eine Entspannung der Situation ab: Der Ständerat hat die maximale Fördersumme für Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien um 50 Prozent erhöht. Ab 2011 werden wieder Anlagen zur KEV zugelassen, in drei Jahren sollte die jetzige Warteliste abgebaut sein. Zudem bieten einige Kantone, wie Appenzell Ausserrhoden, Thurgau, Schaffhausen oder Baselstadt, oder auch einige Elektrizitätswerke und Kantone Überbrückungsbeiträge bis zur KEV an.
Weitere Informationen:
Swissolar Schweizerischer Fachverband für Sonnenenergie
Neugasse 6, 8005 Zürich, Tel. 044 250 88 31
www.swissolar.ch
Unter
www.solarprofis.ch ist eine Liste mit durch Swissolar geprüften Fachleuten zu finden.
Text und Bilder: Swissolar
aus:
Das Einfamilienhaus Heft Nr. 2/2011