Was für Geräte braucht der Mensch?

Mit einem modularen Kühlschrank, der dem Chaos in WG-Kühlschränken ein Ende macht, wurde der Wiener Designstudent Stefan Buchberger herausragender Sieger des «Design Lab 08» in Zürich. Buchberger gewann neben dem ersten Preis der Fachjury auch den Publikums- und den Medienpreis.

1. Preis: Der perfekte WG-Kühlschrank
Zwischen Mitbewohnern kommt es immer wieder zu Konflikten, wenn es um Ordnung und Sauberkeit geht. Mit «Flatshare» muss sich keiner mehr mit den übel riechenden Experimenten seiner Mitbewohner im gemeinsam genutzten Kühlschrank auseinandersetzen. Stefan Buchberger, Designstudent an der Universität für Angewandte Kunst Wien, hatte die Idee, als er sich ein Semester mit Möglichkeiten auseinandersetzte, wie persönliche Dinge sauber und ordentlich gehalten werden können. «Ich beschloss, den Flatshare-Kühlschrank zu entwickeln, weil es nichts Unappetitlicheres gibt als einen schmutzigen Kühlschrank in einer gemeinsam genutzten Wohnung», erinnert er sich. «Zu der Zeit habe ich in genau so einer Wohnung gelebt.»

Der Kühlschrank besteht aus einer Basisstation und bis zu vier stapelbaren Modulen. Jeder Benutzer hat ein eigenes Kühlschranksegment und kann es mit verschiedenen bunten Oberflächen oder Zusätzen wie z.B. einem Flaschen­öffner oder einer Notiztafel individualisieren. Die Module haben Griffe und können damit leicht transportiert werden. Wer umzieht, kann sein Modul wie einen Koffer mitnehmen und an die Basisstation in der neuen Wohnung anschliessen.

Der modulare Kühlschrank von Stefan Buchberger wird kaum so wie gedacht in Serie gehen. Jedenfalls wird er nicht in ganz ge­wöhnlichen Studenten-WGs stehen, war von Peter Barandun, CEO Electrolux Schweiz, zu hören. Die Konstruktion aus lauter separaten kleinen Kühlschränken wäre sehr teuer. Denkbar wäre allenfalls ein Produkt im Hochpreissegment. Gut gefiel Barandun auch die mobile Kochgelegenheit des jungen Franzosen Antoine Lebrun. «Etwas in dieser Richtung, aber für den Outdoor-Bereich, bringen wir demnächst auf den Markt.»
«Das ist cool. Jetzt bin ich sogar auf deutsch sprachlos.» Viel mehr als diese knappen Statements konnte Sven Epiney, Mode­rator der Preisverleihung am «Design Lab» Galaabend in Zürich, dem herausragenden Sieger Stefan Buchberger nicht entlocken, als dieser dreimal hintereinander mit Applaus auf die Bühne gerufen wurde. Sein Konzept überzeugte gleichermassen die internationale Fachjury, die Pressevertreter und das Publikum, das bereits vorher via Internet abgestimmt hatte.

600 Industriedesign-Studenten aus aller Welt hatten diesmal Geräte­konzepte für die Internet-Generation eingereicht. Die Finalrunde des «Design Lab 08» fand Mitte Oktober in Zürich statt. Die besten neun Projekte wurden einer Fachjury präsentiert und anschliessend bewertet. Die Jurymitglieder waren Henrik Otto, Designverantwortlicher bei Electrolux, Yves Béhar, Gründer des Design Studios Fuseprojekt, San Francisco, Jiao Mo, Gründungsmitglied des Axis Form Lab, Shanghai, und Younghee Jung, Design Manager bei Nokia.
 
Das «Design Lab» wurde 2008 bereits zum sechsten Mal durch­geführt. Ob und in welcher Form die Entwürfe der Studenten tatsächlich auf den Markt kommen, ist dabei sekundär. Wichtiger ist der Input an neuen Ideen und der für beide Seiten interessante Kontakt. Die Industrie selektioniert unter den Teilnehmenden junge Talente für die firmeneigenen Design-Zentren. Und für die Studenten ist die Auszeichnung durch eine renommierte Weltfirma ein guter Start in die spätere Karriere als Designer. Dem Erstplatzierten stehen alle Türen offen, er bekommt nicht nur einen Geldpreis, sondern auch ein sechsmonatiges Praktikum bei Electrolux.

2. Preis: Eine Kombination aus Wäschekorb und Waschmaschine
Die Zeiten, in denen Wäschekörbe durch die Gegend ge­tragen werden mussten, könnten bald vorbei sein. Im durchsichtigen «iBasket» wird Schmutzwäsche gelagert und automatisch gewaschen, wenn der Korb voll ist. Das drahtlose, ferngesteuerte Gerät kann vom PC aus überwacht werden. «Die Inspiration zu diesem Gerät kam aus meinem täglichen Leben», meint «i-Basket»-Erfinder Guopeng Liang, Designstudent an der Tongji University in China. «Wir sind damit beschäftigt, für unsere Träume zu arbeiten, und haben weder Zeit noch Lust, uns um unsere Wäsche zu kümmern. Heute lagern die Menschen ihre Schmutzwäsche in einem Wäschekorb, bis er voll ist. Dann tragen sie den Korb in den Waschraum, waschen sie, kommen zurück, werfen sie wieder in den Korb, tragen sie zu einem Wäscheständer und hängen sie auf. Ich denke, «i-Basket» bietet hier eine deutlich komfortablere Alternative.»
3. Preis: Fahrbares Kochfeld
Mit dem fahrbaren Kochtisch «Coox» kann man an jedem beliebigen Ort des Hauses kochen und essen. Er kann je nach Situation als Verlängerung des Ess-, Kaffee- oder Schreibtisches eingesetzt werden. Antoine Lebrun, Designstudent an der École de Design Nantes Atlantique, Frankreich, stellt die Flexibilität in den Vordergrund. «Mein Konzept bietet ein Maximum an Möglichkeiten, von Menschen in die eigene Lebensweise integriert zu werden.» Die Höhe des Geräts kann je nach Position im Raum an­gepasst werden. Gekocht wird mit Induktion, das Glaskeramik-Kochfeld mit drei Herdplatten kühlt nach dem Kochen sofort ab. In einer Ecke des Felds befindet sich eine Warmhaltezone.
Fotos:
1) Stefan Buchberger, Sieger des Electrolux Design Lab 08, mit dem Modell seines WG-Kühlschranks «Flatshare».
2) Im durchsichtigen «iBasket» wird Schmutzwäsche gelagert und automatisch gewaschen und Erfinder Guopeng Liang, Designstudent an der Tongji University in China.
3) Elegant und flexibel: Mit «Coox» ist die Kochstelle mobil geworden. Daneben der Erfinder Antoine Lebrun, Designstudent an der L‘Ecole de Design Nantes Atlantique, Frankreich.
 

Text: Christine Vollmer
aus: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 1/2009

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