Oberflächen von Holzfassaden
Holzfassaden sind beliebt in der modernen Architektur. Die richtige Verwendung dieses natürlichen Baustoffes setzt aber Kenntnisse seiner spezifischen Eigenschaften voraus.
Holzfassaden mit unterschiedlicher Oberfläche. Bild links: deckend farbig, Bild rechts: transparent farbig.
Fassaden haben primär eine Schutzfunktion. Durch entsprechende Form- und Farbgestaltung sollen sie dem Gebäude zudem ein ansprechendes Aussehen verleihen. Holz ist im Aussenbereich den verschiedensten Einwirkungen ausgesetzt. Sonne, Regen und Temperaturunterschiede führen zu grossen Beanspruchungen der Holzfassaden. Das UV-Licht führt zu natürlicher Zersetzung der Holzoberfläche. Dadurch ändert das Holz seine Farbe: Es vergilbt und/oder wird gebräunt. Regenwasser wäscht diese zersetzten Teile aus, wodurch die Holzoberfläche ausbleicht. Hohe Luftfeuchtigkeit lässt das Holz quellen und fördert Algen- und Pilzbefall. Hitze lässt das Holz schwinden und kann zu Rissbildungen führen.
Die Befeuchtung der Holzoberfläche durch hohe Luftfeuchte und vor allem durch Regenwasser schafft Voraussetzungen für das dichte Wachstum dunkelfarbiger Schimmelpilze. Dies bewirkt gewissermassen eine dunkle Pigmentierung des Holzes, die sich mit der erwähnten Bräunung oder Ausbleichung überlagert. Daher werden der Sonne und dem Regen ausgesetzte Oberflächen mit der Zeit grau bis schwarzbraun. Die Ausgestaltung der konstruktiven Details hat eine zentrale Bedeutung für die Qualität einer Holzfassade. Diese Details müssen sorgfältig konstruiert und bei der Ausführung kontrolliert werden. Alles, was die Wetterbeanspruchung verringert und vor allem die Durchfeuchtung der Fassadenteile via Einschnitt, Fugen, Hirnholzanschnitte, Risse, offene Leimfugen usw. verhindert, verlängert die Lebensdauer der Fassade enorm. Dies gelingt durch eine einwandfreie Wasserableitung an der Fassade und von in die Konstruktionsfugen eingedrungenem Wasser. Anschlüsse müssen so ausgeführt sein, dass ein nachträgliches Austrocknen des Holzes jederzeit möglich ist.
Oberflächenbehandlungen bei Holzfassaden werden in vier Gruppen eingeteilt:
• unbehandelt
• Behandlung nicht filmbildend
• transparent farbig
• deckend farbig
Unbehandelte Holzfassaden
Unbehandeltes Holz, das heisst Holz ohne Imprägnierung, Grundierung oder andere Anstrichstoffe, verändert unter Wetterbeanspruchung seine Farbe und Oberflächenstruktur. Der natürliche Farbton des Holzes ist bei der Verwendung im Aussenbereich nicht von Dauer. Die oberflächlichen Veränderungen beeinflussen die Festigkeit des Holzes nicht. Nur eine dauerhafte Durchfeuchtung des Holzes kann zur Bildung von Fäulnis durch holzzerstörende Pilze führen. Eine richtige konstruktive Ausführung kann dies verhindern, wodurch eine hohe Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten erreicht werden kann.
Holzfassaden mit nicht filmbildender Behandlung
Diese Oberflächenbehandlungen an Holzfassaden bezwecken in der Regel ein einheitliches Erscheinungsbild der Fassadenoberfläche. Es sind Anstriche mit einer Trockenschichtdicke von weniger als 20 µm.
In dieser Gruppe sind die nachstehenden Oberflächenbehandlungen zusammengefasst:
• Lichtschutz (UV-Schutz)
• Feuchteschutz (Hydrophobierung)
• Schutz gegen oberflächenverfärbende Pilze und Algen
• Vorvergrauungslasuren
• Druckimprägnierung
Die Anstrichsysteme werden häufig auch kombiniert angewendet: zum Beispiel UV-Schutz mit nachträglicher Hydrophobierung oder Hydrophobierung mit Schutz gegen oberflächenverfärbende Pilze und Algen. Bei den Hydrophobierungsmitteln bleibt die wasserabweisende Wirkung unter Witterungseinfluss nachweislich nur wenige Jahre erhalten. Eine Nachbehandlung ist auf einfache Weise möglich und erforderlich. Auch bereits vergraute Hölzer können noch nachbehandelt werden und lassen dann Regenwasser abperlen. Das hat den nicht zu unterschätzenden Effekt, dass graue Holzflächen nicht bei jeder Beregnung unschön schwarz werden. Vorvergrauungslasuren sind Holzanstriche mit einem besonderen verwitterungsaktiven Bestandteil. Sie geben der Holzoberfläche eine einheitlich graue, verwitterungsähnliche Farbe. Im Verlauf der Zeit wird sich der Farbton leicht verändern. Der grosse Vorteil der Vorvergrauungslasuren besteht darin, dass die Holzoberfläche bezüglich der Farbgebung keine Pflege mehr braucht. Für den späteren Unterhalt ist diese Tatsache ein sehr wichtiger Aspekt.
Transparent farbige Holzfassaden
Bei dieser Oberflächenbehandlung ist die Holzstruktur gut erkennbar. Infolge der geringen Pigmentmenge der Lackschicht lassen sich die Holzverfärbungen nur in geringem Mass verhindern. Die Lebensdauer des Anstrichs und die Schutzwirkung für das Holz sind geringer als bei deckend farbigen Systemen.
Bei transparent farbigen Holzfassaden sollte darauf geachtet werden, möglichst braune oder dunkle Naturfarben verwenden. Bei diesen Farben haben die unter starker Sonnenbestrahlung auftretenden Farbänderungen im Holz auf das allgemeine Erscheinungsbild wenig Einfluss. Helle, gelbe und weisse Farben sind dagegen zu meiden. Sie werden durch zusätzliche Umwelteinflüsse (Licht, Schmutz et cetera) besonders stark verändert.
Bei bunten Farbtönen ist die Lichtechtheit zu überprüfen. Nicht alle roten, gelben und blauen Pigmente sind lichtecht, sie können teilweise rasch ausbleichen oder neigen zu Auskreidung. Die Lichtechtheit der lasierenden Bunttöne muss vom Farblieferanten gewährleistet werden.
Deckend farbige Holzfassaden
Deckend farbige Systeme schliessen eine farbliche Veränderung von Holz praktisch aus. Bei deckend farbigen Systemen ist eine Grundierung mit einer genügenden Sperrwirkung gegen den Austritt der Holzinhaltstoffe einzusetzen (Astvergilbung).
Schnittstellen und Montageverletzungen müssen zwingend zweifach gestrichen werden. Ein wasserabstossender End- oder Schlussanstrich (Hydrophobierung) wird die Lebensdauer des Farbanstriches erhöhen. Das Farbsystem soll überstreichbar sein.
Pflege und Unterhalt
Pflege beziehungsweise Unterhalt ist nach geltender Rechtsprechung Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Gewährleistungen und ist in der SIA Norm 118/257 «Allgemeine Bedingungen für Malerarbeiten» entsprechend umschrieben. Pflege und Renovation einer Holzfassade sollen rechtzeitig erfolgen, wenn sich Verwitterungserscheinungen und kleinere Beschichtungsschäden noch in Grenzen halten und sie sich darum noch mit geringem Aufwand sanieren lassen. Je länger man mit einer Renovation zuwartet, desto grösser sind am Ende der Zeit- und der Kostenaufwand.
Je nach Behandlung können Holzfassaden ganz unterschiedliche Ausstrahlung haben.
Bild links: Behandlung nicht filmbildend, Bild rechts: unbehandelt.
Weitere Informationen:
Lignum, Holzwirtschaft Schweiz
Tel. 044 267 47 83
Kostenlose Auskunft zu allen Fragen rund um Holz und Holzwerkstoffe:
Montag bis Freitag jeweils morgens von 8–12 Uhr
Die Website
www.lignum.ch gibt vielfältige Informationen zu Holz.
Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, ist die Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft. Sie vereinigt sämtliche wichtigen Verbände und Organisationen der Holzkette, Institutionen aus Forschung und Lehre, öffentliche Körperschaften sowie eine grosse Zahl von Architekten und Ingenieuren. Dazu treten rund 30 regionale Arbeitsgemeinschaften. Lignum schafft mit Dienstleistungen in Technik und Kommunikation in allen Landesteilen der Schweiz Öffentlichkeit für eine Branche mit über 80000 Arbeitsplätzen von der Waldwirtschaft über Sägerei, Handel, Holzwerkstoffproduktion, Verpackungs- und Palettenindustrie, Zimmerei, Schreinerei und Möbelproduktion bis zum Endverbraucher von Holz.
In der Lignum zusammengeschlossene Verbände und Organisationen:
WVS Waldwirtschaft Schweiz / HIS Holzindustrie Schweiz / Holzbau Schweiz / VSSM Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten / HWS Holzwerkstoffe Schweiz / FRM Fédération suisse romande des entreprises de menuiserie, ébénisterie et charpenterie
IG Blockbau / ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie / SFV Schweizerischer Furnier-Verband / ste – Swiss Timber Engineers / VSFU Verband Schweizerischer Forstunternehmer / VHPI Verband der Schweizerischen Holzverpackungs- und Palettenindustrie / VSH Verband Schweizerischer Hobelwerke
Hanspeter Fäh
dipl. Bauing. HTL,
Technischer Fachberater Lignum,
Holzwirtschaft Schweiz. |
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Text: Hanspeter Fäh, Technischer Fachberater Lignum, Holzwirtschaft Schweiz. Fotos: Lignum
aus: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 5/2011