Mehr als ein Dach über dem Kopf

Das Dach bleibt im Wandel: Ständig wachsende Anforderungen führen zu immer komplexeren und technisch anspruchsvolleren Lösungen. Dabei spielt der Wechselbezug von Funktion und Ästhetik eine wesentliche Rolle.
 
Mit einer Vielfalt von Formaten, Farben und Anwendungsmöglichkeiten bieten
Faserzementplatten einen riesigen Gestaltungsfreiraum. Eternit
 
Glatte, flache Ziegel ermöglichen ruhige Dachflächen ohne Profilierung. Sie vermitteln zwischen traditionellen Dachlandschaften und moderner Architektur. ZZ Wancor

Wenn alles unter Dach und Fach gebracht war, hatte man endlich die Ernte im Trockenen. Die Mauern begrenzten den Aufenthalts- oder Lagerbereich und das Dach brachte Schutz vor der Witterung. Die Funktionen von Raum und Dach hatten sich getrennt. Dies führte zu unterschiedlichen Gebäudetypologien und Dachformen. Veränderte Aufgaben und wachsende Anforderungen verliehen dem Dach ästhetisches Gewicht, so dass es wie eine Fassade, zu einem repräsentativen Bauteil wurde.

Im Wesentlichen wird das Erscheinungsbild des Daches geprägt durch:

  • Form
  • Dacheindeckung (Materialisierung)
  • Dachausbau (Nutzung)
Dachformen
Die Form bilden die geneigten Flächen. Im Prinzip lassen sich die verschiedenen Dachformen auf vier Grundformen zurückführen:

  • Das Pultdach, ein einfaches, einseitig geneigtes Dach, das sich einfach anbauen lässt und deshalb lange Zeit nur bei Nebengebäuden zum Einsatz kam.
  • Das Satteldach, das mit zwei geneigten Flächen als stützenfreies Sparrendach oder als Pfettendach, das grössere Spannweiten überdeckt, am weitesten verbreitet ist.
  • Das Walmdach mit vier geneigten Dachflächen, präsentiert sich von allen Gebäudeseiten her.
  • Das Mansardendach, das im 18. Jahrhundert entwickelt wurde und dank zweier unterschiedlicher Dachneigungen einen höheren, bewohnbaren Dachraum schafft.
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Dacheindeckung
Sie ist die äusserste Schutzschicht. Meistens ist sie Teil eines Ortsbildes, in dem sie sich gestalterisch hervorheben kann oder anpassen muss. Die vier gebräuchlichsten Dacheindeckungen:

Ziegel

Zu den ältesten kleinteiligen Dacheindeckungen zählen Tonziegel. Erhältlich ist eine grosse Vielfalt an Farben, Formaten und Profilierungen. Glatte, unprofilierte Ziegel vermitteln zwischen traditionellen Dachlandschaften und moderner Architektur. Die Neuerungen zielen vor allem auf eine Vergrösserung der Formate und auf Spezialziegel zur Integration von Solarzellen ab.

Zink
Ein witterungsbeständiges Material, das mit der natürlich gebildeten bläulich weissen Patina einen hohen Korrosionswiderstand bietet. Zinkeindeckungen eignen sich für nahezu jede Dachform und sind rezyklierbar. Da auch Fassaden, die Anschlüsse von Aufbauten und Entwässerungssysteme aus Zink hergestellt werden können, ist eine sehr einheitliche Gestaltung möglich.

Eternit
 
Faserzementplatten sind in den verschiedensten Formaten erhältlich, wobei grosse Platten eine schnelle und wirtschaftliche Montage erlauben. Auch bei geringer Dachneigung sind der Gestaltungsfreiheit keine Grenzen gesetzt.

Solardach
Ein Solardachsystem ersetzt herkömmliche Dacheindeckungen vollständig oder ergänzt bestehende. Dank einzelnen speziellen Massanfertigungen erlauben auch Solardachsysteme mit grossen Modulen Anschlüsse an Dachfenster und Gauben. Die kleinteiligen Solar-Dachziegel erlauben bereits mit den angebotenen Standardgrössen flexiblere Lösungen.

Dachausbau

Die Zeiten der eiskalten und dunklen Mansardenzimmer sind zum Glück Geschichte. Wärmedämmung ist ein absolutes Muss und Tageslicht verleiht heutigen Dachwohnungen ihren Charme. Dämmen und decken einerseits, durchdringen andererseits. Ein Widerspruch der Funktionen, der aber bei fachgerechter Ausführung technisch keine Probleme mehr bietet. Doch prägen Unterbrüche, Aufbauten und Einschnitte Dachlandschaften. Regelungen für die Dachgestaltung sind nötig. So hat die Stadt Zürich Projektierungshilfen für Dachbauten zur Verfügung gestellt. Energetische Sanierungen unterstützen der Bund und die Kantone seit kurzem (siehe Info unten).

Grundsätzlich wird bei Steildächern zwischen einfach- und zweifachbelüfteten Konstruktionen unterschieden. Die wohnraumseitig angebrachte Dampfbremse und Luftdichtung, das diffusionsoffene Unterdach sowie die Dacheindeckung sind bei beiden Konstruktionsarten identisch. Beim zweifachbelüfteten Kaltdach wird eine Zwischensparrendämmung eingebaut, die eine geringere Höhe aufweist als die Sparren selber. Dadurch entsteht die erste Lüftungsebene zwischen der Isolation und dem Unterdach. Die zweite Lüftungsebene liegt zwischen dem Unterdach und der Dachhaut (Ziegel, Blech, Faserzement). Beim Warmdach wird nur die zweite Lüftungsebene ausgebildet, das heisst, das Unterdach liegt bei dieser Ausführung direkt auf der Isolationsschicht. Durch die stetig gestiegenen thermischen Anforderungen an die Bauteile und die Weiterentwicklung der Dampfbrems- und Luftdichtigkeitssysteme wird mittlerweile das Warmdach am meisten ausgeführt.
 
Zink ist ein rezyklierbarer Werkstoff für Dacheindeckung, Fassade und Dachentwässerung. Die natürlich gebildete Patina bringt hohen Korrosionsschutz. Rheinzink
 
Beim System «Green» dienen Wellplatten als Substratträger und ermöglichen auch bei geringer Neigung ein begrüntes Dach. Eternit
Tageslicht
Absolut dichte Anschlüsse müssen garantiert und die Isolationsebenen der Auf- und Einbauten mit denjenigen des Daches übereinstimmen, ansonsten würden Kältebrücken entstehen. Lukarnen und Gauben in den verschiedensten Formen lassen sich heute sicher und in kurzer Zeit als Fertigelemente professionell einbauen. Ebenso Dachfenster in den verschiedensten Grössen und auf Wunsch mit innen- oder aussenliegendem Sonnenschutz. Selbst der Traum vom Balkon lässt sich mit Spezialausführungen verwirklichen. Lamellenfenster integrieren sich problemlos in die bestehende Tragstruktur und ermöglichen eine optimale Belüftung. Sollte ein Raum nicht direkt belichtet werden können, bringt ein ausgeklügelter Teleskoptunnel Licht ins Dunkel.

Info:
Leitfaden Dachaufbauten
Eine Projektierungshilfe für Bauten im Dachbereich zum downloaden auf:
www.stadt-zuerich.ch/hochbau

Text: Brigitta Schild
aus: Häuser modernisieren, Heft Nr. 1–2010

Bezugsquellen:
3S Industries AG
Swiss Solar Systems
Schachenweg 24
3250 Lyss
Tel. 032 391 11 11
www.3-s.com
 
Eternit (Schweiz) AG
8867 Niederurnen
Tel. 056 617 11 11
www.eternit.ch
Panotron AG
Solarenergiesystem
Industrie Neuhof 23
3422 Kirchberg
Tel. 058 317 17 17
www.panotron.com
Rheinzink (Schweiz) AG
Täfernstrasse 18
5405 Baden-Dättwil
Tel. 056 484 14 14
www.rheinzink.ch

Soltop Schuppisser AG
St. Gallerstrasse 5 A
8353 Elgg
Tel. 052 364 00 77
www.soltop.ch
Stebler Glashaus AG
Südringstrasse 6
4702 Oensingen
Tel. 062 388 42 42
www.stebler.ch
Strub Dachgauben/
Lucarnes GmbH
PF 29
3250 Lyss
Tel. 032 387 97 07
www.strub.com

SunTechnics Fabrisolar AG
Untere Heslibachstrasse 39
8700 Küsnacht
Tel. 044 914 28 80
www.suntechnics.ch
Velux Schweiz AG
Industriestrasse 7
4632 Trimbach
Tel. 0848 945 549
www.velux.ch
ZZ Wancor AG
Althardstrasse 5
8105 Regensdorf
Tel. 044 871 32 32
www.zzwancor.ch
   

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