Kompetente Fensterbauer

Fenster sind für das äussere Erscheinungsbild, aber auch hinsichtlich wichtiger Eigenschaften wie Wärmedämmung und Behaglichkeit ein absolut entscheidendes Bauteil. Architekten und Bauherren sollten sich daher noch mehr als bisher von kompetenten Fensterbauern beraten lassen, sagt Franz Schaad vom Branchenverband FFF.
Franz Schaad Fachverband FFF

Häuser modernisieren: Herr Schaad, wie geht es der Branche der Fensterbauer?

Franz Schaad:
Dem Fensterbau in der Schweiz ist es selten so gut gegangen wie jetzt. Der Neubau beläuft sich auf rund 45000 neue Wohnungen jedes Jahr, zugleich wickelt die Branche ein sehr grosses Sanierungsvolumen ab. Wer umbaut und saniert, stellt sich heute die Frage des Energieträgers und entscheidet sich häufig gleich für qualitativ gute Dreifachverglasungen bei den Fenstern. Selbst die grossen Fensterbauer sind derzeit auf vier bis sieben Monate ausgelastet.

Wer sind die wichtigsten Player im Markt?

Branchenleader ist Ego Kiefer, dann folgen Baumgartner Hagendorn, 4B Hochdorf und Swiss Windows.

Wie hoch ist der Anteil Schweizer Produkte?

Wir kämpfen dafür, dass der Anteil «Swiss Made» weiter hoch bleibt. Er liegt jetzt bei etwa 85 Prozent.

Was heissen die längeren Lieferfristen für die Kunden?
Der Bauherr oder sein Architekt muss frühzeitig disponieren und planen. Man kann im Moment nicht damit rechnen, dass neue Fenster innerhalb von sechs bis sieben Wochen geliefert werden können, wie das früher der Fall war.

Heute werden viele Wohnungen direkt ab Plan verkauft. Redet der Käufer bei der Wahl der Fenster überhaupt mit?

Das stimmt, heute werden immer mehr Wohnungen schlüsselfertig von Generalunternehmungen gekauft. Ich bin erstaunt, wie viel Zeit die Leute beim Kauf eines Autos aufwenden, sich aber wenig um die Wahl der passenden Fenster kümmern. Fenster stellen natürlich ein wichtiges Bauteil dar, und die Nutzungsperiode ist wesentlich länger als die eines Autos.

Worauf kommt es beim Fenster hauptsächlich an?
Man sollte grundsätzlich nichts anderes wählen als Dreifachverglasungen. Fenster müssen heute höheren Ansprüchen genügen, und zwar hinsichtlich Statik, Ästhetik und Bauphysik. Fenster reichen von der Decke bis unten in den Unterlagsboden. Bei falscher Wahl kann sie der Bauherr nicht so einfach auswechseln!

Wie wichtig sind die Kennzahlen für Wärmeverluste und Energiedurchlass?
Der solare Energiegewinn ist tatsächlich sehr wichtig. Das Objekt ist möglichst nach Süden auszurichten, damit der Eigentümer die Gratisenergie der Sonne nutzen kann. Richtung Nord und Nord-West hat man von Herbst bis Frühling nur Energieverluste, deshalb sollte man dort nur wenige und kleine Fenster einplanen und vor allem solche mit der besten Wärmedämmung, dem tiefsten U-Wert.

Welche Rolle spielen Fenster für das Innenraumklima?
Heute sind grosse Fenster und grossflächige Verglasungen im Trend. Sie bestimmen oft massgeblich die Ästhetik eines Hauses. Sie sind aber auch wichtig für das Innenraumklima. Vor allem die in heute gut gedämmten Gebäuden geringere thermische Heizung ist zu berücksichtigen. Die Oberflächentemperatur an der Innenseite der Fenster sollte nicht zu stark von der Raumtemperatur abweichen, damit man sich behaglich fühlt.

Wie sehen Sie das Problem der Luftfeuchtigkeit in dichten Gebäuden?
Das ist tatsächlich ein Problem, weil neue Wohnhäuser sehr luftdicht konstruiert sind. In einem Vierpersonenhaushalt gelangen pro Tag durchschnittlich 12 Liter Wasser in die Raumluft; an kalten Oberflächen kondensiert die Feuchtigkeit. Wir haben zugleich Bodenheizungen mit geringen Vorlauftemperaturen. Radiatoren wie früher, die quasi wie ein Warmluftvorhang vor dem Fenster wirkten, haben wir nicht mehr. Nach meiner Meinung geht es nicht ohne gutes Lüftungskonzept respektive den Einbau einer automatischen Wohnungslüftung.

Wer ist der richtige Partner für die Fenster?

Man sollte sich an einen professionellen Fensterbauer wenden, mit Vorteil eine namhafte Firma aus der Region. Bei der Auswahl sollte der Bauherr auf Referenzen, auf Mund-zu-Mund-Propaganda und den allgemeinen Eindruck der Firma achten. Es sollte natürlich ein Schweizer Fensterbauer sein, damit die Wertschöpfung in der Schweiz bleibt. Bei speziellen Bauprojekten mit grossflächigen Fenstern resp. Fassadenteilen ist es wichtig, dass der Architekt oder Generalunternehmer nicht nur den Heizungsplaner, sondern eben auch den Fensterbauer oder Fassadenplaner einbezieht.

Was zeichnet den vertrauenswürdigen Partner aus?
Der Bauherr muss sich gut beraten lassen und sein Haus Schritt für Schritt planen und Verbesserungen vornehmen. Persönlich würde ich einen Partner wählen, der nicht nur Fenster in ganz bestimmter Ausführung und in ganz bestimmtem Material anbietet. Hat er keine grosse Auswahl, wird er das empfehlen, was er üblicherweise einbaut. Ich finde aber, ein Fensterbauer sollte den Kunden materialneutral beraten – also Holz, Kunststoff oder Holz-Metall im Angebot haben.

Wie sollte der Bauherr bei einem Umbau vorgehen?
Früher hat man einfach die Fenster ausgewechselt. Heute muss man den energetischen Zusammenhang eines Gebäudes anschauen. Dazu muss sich der Bauherr zuerst grundsätzlich Überlegungen zu seinen Zielsetzungen machen, etwa zur Wahl des Energieträgers und des Heizsystems sowie zur Frage, welches Energiesparpotential er mit Sanierungsmassnahmen nutzen möchte. Dann gilt es, richtig zu planen und den Umbau mit den richtigen Partnern auszuführen. Wichtig sind die Schnittstellen, die Fenster im Anschluss zu Laibungen, Storen- oder Roll-Laden, Wärmebrücken etc. Natürlich sollte sich der Bauherr nichts verbauen, wenn er über mehrere Jahre in Etappen saniert.

Was bringen neue Fenster konkret?

Im Verhältnis zum aufgewendeten Geld bringen neue Fenster einen mehrfachen Gewinn. Bei einem Einfamilienhaus kosten neue Fenster mit Dreifachverglasungen im Durchschnitt vielleicht 30000 bis 40000 Franken. Damit erzielt man eine sehr wesentliche Reduktion des Energieverbrauchs, die Luftdichtigkeit wird erhöht, und natürlich kommt man in den Genuss eines viel angenehmeren Innenraumklimas.

Was sind weitere Anforderungen an Fenster?

Die Fensterbauer sind heute ohne Zweifel gefordert; früher hatten Häuser zum Beispiel noch einen ausgeprägteren Witterungsschutz (Vordach) als die heute häufigen kubusförmigen Bauten. Nebst Wärmedämmung, Luftdichtigkeit, Statik etc. werden heute noch viele weitere Anforderungen gestellt, etwa in Sachen Lärm- und Einbruchschutz. Auch das äussere Erscheinungsbild präsentiert sich heute anders: transparentere Bauweise, filigranere Rahmen. Die zusätzlichen Funktionen und die andere Ästhetik bedeuten ganz neue Anforderungen an Statik, an Wind- und Soglasten. Jeder Käufer und jeder Bauherr muss sich daher kompetent beraten lassen.

Weitere Informationen:

www.fensterverband.ch

Zur Person:
Der 48-jährige Franz Schaad lernte ursprünglich Schreiner und absolvierte zahlreiche berufsspezifische und kaufmännische Weiterbildungen, z.B. zum Kaufmann und zum Betriebsökonom. Er war unter anderem auch in der Bauphysik tätig. 2002 übernahm er die Fensterbaufirma Sägesser Fenster AG in Aarwangen (BE) und seit Herbst 2010 zusätzlich die Firma Könitzer & Hofer AG in Worb (BE). Schaad ist im Vorstand des Schweizerischen Fachverbandes Fenster- und Fassadenbranche FFF, dem rund 140 Schweizer Betriebe angeschlossen sind.

Interview: Jürg Zulliger, Foto: Gaëtan Bally
aus: Häuser modernisieren, Heft Nr. 1-2011
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