Mit Ecken und Kanten

In Aarau und Umgebung steht der Name «Blabla» für aussergewöhnliche Bauten. Der Architekt mit dem unglaublichen Namen baut seit 40 Jahren in der Region. Und kein Haus ist wie das andere. Ein Beispiel, Baujahr 2007.
Es gefällt, oder es gefällt nicht: Das Haus «Bentevi» ist in jedem Fall ein Blickfang.
«Ich habe schon viele Häuser gebaut», sagt Stephan Blabla. «Aber keines gleich wie ein andereres.» Das Haus «Bentevi» sei eher eines von den gemässigten. Er könne da noch ganz anderes zeigen, ganz in der Nähe, am selben Hang. Tatsächlich, das Haus «Bentevi», das für sich allein betrachtet durch viele Ecken und Kanten auffällt, ist umgeben von mindestens ebenso eckigen und kantigen Nachbarn. Fast der ganze Hang trägt dieselbe Handschrift: Diejenige von Stephan Blabla, Bauingenieur und Architekt, der mit seiner Arbeit «in der gleichförmigen Landschaft der Einfamilienhäuser Akzente setzen will», wie es in seiner Broschüre heisst. Der gebürtige Tscheche kam als Student Ende der 60er Jahre in die Schweiz, wurde von den politischen Unruhen in seiner Heimat überrascht und blieb. Sein Büro in Hirschthal im Aargau betreibt er aus Überzeugung als Einmannbetrieb: «Die Leute wollen mit dem Meister reden.»
Alle seine Häuser kennzeichnet Stephan Blabla mit einer Katze aus Blech, die als Windfahne in die Höhe ragt: Das Markenzeichen des Architekten. Und alle tragen neben der Hausnummer einen Namen: «Bentevi», «Kormoran», «Tukan», «Villa Adler». Der Mann mit dem unglaublichen Namen, den jeder zuerst als Künstlernamen einstuft, hat ein Buch über die Vögel dieser Erde, das er seinen Kunden jeweils in die Hand drückt mit der Aufforderung, sich einen Vogel auszusuchen. Wer mit Stephan Blabla baut, weiss nach der ersten Begegnung, dass er es mit einem aussergewöhnlichen Vertreter seines Berufsstands zu tun hat. Einem, der den Beruf als Berufung versteht, der jeden Auftrag als Herausforderung sieht, der für sehr vermögende Auftraggeber, aber auch für «ganz normale Leute» baut. Am liebsten für solche, «die sich führen lassen», die aufgeschlossen sind für aussergewöhnliche Ideen und ihm die Möglichkeit geben, sein Credo umzusetzen: «Architektur ist immer auch Kunst».
Was sonst landauf, landab gebaut wird, «Rechtwinkelarchitektur», wie er es nennt, ist dem Baukünstler ein Graus, und manchmal gebe es heftige Diskussionen, fast Streit wegen eines verspielten Details, einer Kurve, eines skulpturalen Ornaments, das der Bauherr nicht unbedingt nötig findet, der Architekt dagegen sehr. In solchen Fällen kämpft er für einen anderen seiner Leitsätze: «Gute Form kostet gleichviel wie schlechte Form.» Doch trotz gelegentlicher Auseinandersetzungen ist das Verhältnis zu seinen Auftraggebern gut. Stephan Blabla ist stolz darauf, dass er bei jedem seiner Bauherren auf der Terrasse sitzen und Kaffee trinken kann. So auch im Haus «Bentevi», obwohl ihn die Bauherrschaft stark gefordert habe. Eigentlich hatte er es in diesem Fall mit zwei Bauherrinnen zu tun: Das Haus wird von einem Ehepaar und der erwachsenen Tochter gemeinsam bewohnt. Während sich der Vater mit Vorliebe im Garten einsetzt, haben sich die beiden Frauen mit viel Begeisterung dem Bauprojekt gewidmet. In Sachen Raumprogramm und Innenausbau hatten sie klare Vorstellungen. Die hellen Räume mit glänzenden Plattenböden und die Hochglanzküche sind innen-architektonisch von einem Hauch «Italianità» geprägt, was die italienischen Wurzeln der Familie verrät. Die architektonische Umsetzung des gewünschten Raumprogramms wurde dann mehrheitlich dem Architekten überlassen.

Bauland am Hang
Das Bauland am Hang gab die Positionierung des Gebäudes und die Ausrichtung der Räume vor. Unten am Hang, direkt an der Quartierstrasse, liegt die Doppelgarage. Das dreigeschossige Wohnhaus wird von aussen durch eine Treppe und einen gepflasterten Weg erschlossen. Ein geräumiges Entree, ein Gästezimmer, Abstellraum, Keller und Heizung sind auf der untersten Ebene untergebracht. Über eine Treppe mit integrierter Beleuchtung gelangt man in die mittlere Ebene, ins Herz des Hauses. Hier öffnet sich der Raum: Wohnen und Essen gehen ineinander über, die offene Küche mit ihren Hochglanzfronten setzt glänzende Effekte, eine breite Fensterfront öffnet den Ausblick über die Ebene. «Wir haben die Vorhänge fast nie zu», sagen die Bewohner. «Wir geniessen lieber die Aussicht.» Die Möblierung des Wohnraums ist ruhig und zurückhaltend in nur drei Farben: Weiss, Schwarz, Rot. Im anthrazitfarbenen Plattenboden spiegeln sich eine dunkelrot gestrichene Wand und die Treppe ins Schlafgeschoss, geländerlos mit skulpturalem Charakter. Eine vorgelagerte Terrasse erweitert den Wohnraum ins Freie.
 
Eine breite Fensterfront öffnet die Aussicht in die Ebene.
 
Die Treppe ins Dachgeschoss wirkt wie eine Skulptur im Raum.
Für Schwindelfreie
Von den drei Zimmern im obersten Stock hat man die beste Aussicht. Das Elternzimmer verfügt über ein separates Bad, ein zweites ist vom Gang her erschlossen. Über die gesamte Front spannt sich in weitem Bogen ein aussergewöhnlicher Balkon mit auslaufender Spitze. Wer sich ganz vorn in den Ausguck wagt, fühlt sich fast wie am Bug eines Schiffs. Ein Lieblingsplatz für Schwindelfreie. Der Innenausbau des Hauses ist nach dem Geschmack des Architekten «fast etwas zu ruhig». Er hat aber die Wünsche der Auftraggeber in Sachen Materialisierung akzeptiert, schliesslich sind sie es, die das Haus bewohnen. Sein Architekten- und Künstlerherz schlägt höher, wenn er das Haus von aussen begutachtet. «Sie können stehen, wo Sie wollen. Alle Fassaden sind speziell, es gibt keine Schokoladenseite», freut er sich. «Ich kann beim Bauen meine Träume verwirklichen. Das ist für mich ein Teil des Honorars.» Besonders gefällt ihm, dass er durch die minimale Dachneigung und die hochgezogenen, horizontal abgeschlossenen Giebel optisch die Wirkung eines Flachdachs erreicht hat, obwohl die Bauordnung kein Flachdach erlaubt. Zufrieden weist er auf Details am sorgfältig gearbeiteten Chromstahlgeländer hin und freut sich an der Gesamtkonzeption.

Für Gesprächsstoff sorgt immer wieder der markante dunkle Riegel an der Vorderfront des Hauses. Wie eine Spange vor Balkon und Terrasse greift er über alle drei Stockwerk. Über dieses «Portal», wie Stephan Blabla es nennt, wurde und wird viel diskutiert. Die Bauherrschaft fand es nicht nötig, der Architekt setzte sich durch: «Es ist wichtig, es weist in die dritte Dimension». Auch die Bauherrschaft ist heute damit zufrieden. Für das Haus als Gesamtwerk gibt es viele Komplimente – von Passanten, Freunden und Bekannten.
   
Die Küche mit ihren Hochglanz-fronten sorgt für  Glanz-Effekte.
 
Das Bad, geräumig und schlicht in Schwarz-Weiss.
 
Vor diesem Schlafzimmer ragt der Balkon steil ins Land.
Technische Angaben:
Konstruktion Bodenplatte. Backstein/Betonwände, verputzte ­Aussendämmung. Fenster Holz/Metall.
Dach Pultdach, Neigung 13°. Aufbau: Vollholzplatte, Dampfsperre, ­Dämmung, Gleitfolie, Alu-Blechdach. Hochgezogene, abgeschlossene ­Giebel. Erker in der Mitte.
Innenausbau Bodenbeläge: Platten. Wandbeläge: Nassräume Platten, übrige Räume Abrieb.
Haustechnik Heizung Wärmepumpe Luft/Wasser.
Allgemeine Angaben
Gebäudevolumen (SIA): 1022 m2, Bruttogeschossfläche: 182 m2
Baujahr: 2007, Bauzeit: ca. 9 Monate

 
Architket Stephan Blabla.

Text: Christine Vollmer, Foto: Boris Adolf
zusätzliche Informationen in: Das Einfamilienhaus Heft Nr. 3/2009


Kontakt:
Stephan Blabla, dipl. Ing. Arch.
5042 Hirschthal
Tel. 062 721 03 21, 079 623 48 17
www.bla-bla.ch
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