Vergangenheit akzeptieren und loslassen

Der Horenhof in Küttigen, ein traditionelles Hochstudhaus, war einst Bestandteil einer Gruppe von drei Häusern und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Nun, nach dem Umbau gemäss ökologischen Richtlinien zu zwei Wohneinheiten mit modernem Komfort, ist es fit für die Zukunft und braucht als zertifiziertes Minergiegebäude auch hinsichtlich energietechnischer Aspekte den Vergleich mit Neubauten nicht zu scheuen.
Der Horenhof in Küttingen stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde zu einem zertifizierten Minergiegebäude umgebaut.
Der südseitige Sitzplatz fügt sich in die geschützte Nische. Eine grosse Fensterfront gibt den Blick ins Innere frei.
Beide Bauherrschaften hatten bereits fast zehn Jahre in der Nachbarschaft des ehemals strohgedeckten Hauses aus dem 18. Jahrhundert gelebt und entschlossen sich gleich zum Erwerb des geschichtsträchtigen Gehöfts, als es zum Verkauf stand. Stefan Schmid, einer der beiden Bauherren und selber Architekt plante den gross angelegten Umbau und übernahm auch gleich die Bauleitung.

Baubiologie als Massstab
Für den baubiologisch arbeitenden Architekten war klar, dass ausschliessliche ökologisch vertretbare Materialien sowie erneuerbare Energieträger in Frage kommen konnten. Durch den konsequenten Einsatz von Naturmaterialien wie Lehm, Stroh, Kalk sowie Tannen- und Eichenholz entstand in beiden Hausteilen ein gesundes Wohlfühlklima.
Die vorhandene Gliederung des Gebäudes in Wohn- und Wirtschaftsteil wurde für die beiden Wohneinheiten beibehalten. So lebt der Nachbar nun im umgebauten früheren Wohnhaus, während der Architekt es sich mit seiner Familie im ehemaligen Wirtschaftsteil gemütlich eingerichtet hat. Was sich anhand der grosszügigen Glasfront, welche heute anstelle der früheren Tennzufahrt die Fassade bestimmt, unschwer erkennen lässt. Die Verglasung versorgt den Eingang und die Küche sowie den darüberliegenden Bürobereich mit reichlich Tageslicht. Das Gegenstück zu diesem Lichteinlass findet sich gegenüber im Essbereich. So gelang es auch, trotz der erheblichen Raumtiefe für ausreichend Licht zu sorgen, damit man nich im Finstern zu leben braucht.

Gliederung der Wohnfläche
Das enorme Volumen und die wenigen Vorgaben der bestehenden Substanz machten eine grosszügige, den Bedürfnissen der Bewohner aufs    Beste angepasste Gestaltung der Wohnfläche möglich. Im Erdgeschoss dient die, in der Verlängerung der Treppe angelegte Schrankzeile als funtioneller Raumteiler deren abgerundetes Ende im Essbereich ein Cheminéeofen ziert. Die Schrankzeile begrenzt den Koch-/Essbereich nach der einen und den Erschliessungsgang zu Bad und Kinderzimmern nach der anderen Seite.

Am Ende des Flurs gelangt man in den separat gestalteten Wohnbereich, von wo aus man auch noch einen Blick aufs flackernde Feuer erhaschen kann. Die geringere Deckenhöhe lässt den Raum unweigerlich intimer erscheinen, was ihn als Ort der Entspannung auszeichnet. Die vorhandene Raumhöhe in der früheren Scheune erlaubte einen Ausbau der Kinderzimmer auf zwei Etagen als Mini-Maisonnetten mit jeweils einer Galerie als Rückzugs- und Schlafplatz. Auch die geräumige, als Arbeitsbereich genutzte Galerie über der Küche profitiert vom darüberliegenden Luftraum hinsichtlich des grossartigen Raumgefühls. Das über dem Wohnraum angelegte Elternschlafzimmer hingegen ist zugunsten der Geborgenheit wieder niedriger gehalten.

Technik und Konstruktion Das gut gedämmte Gebäude wird mittels Pelletsofen zentral beheizt. Die Wärmeverteilung erfolgt über Radiatoren. Um einer Überhitzung der Wohnräume durch Sonneneinstrahlung vorzubeugen, setzte man südseitig Spezial-Gläser ein. Und eine kontrollierte Lüftung sorgt für gleichbleibend gute Luft in den Räumen. Übrigens wurden sämtliche Oberflächen der Holzböden geölt und las-sen sich so einfach pflegen.

Optische Gestaltung
Neben den verwendeten Hölzern in Form von Balken und Riemen sowie der mandarinroten Küchenfronten setzt der graublau gestrichene Schrankkörper zusammen mit den metallenen Stützen einen willkommenen kühlen Akzent in der Wohnlandschaft. Im Rahmen dieses Umbaus kamen, wie auch am Schrankkörper zu sehen Le Corbusier-Farben zum Einsatz. Das gesamte Schrankelement wurde aus MDF-Platten gefertigt und vor dem Anstrich mit Glasfasertapete beklebt. So konnte die entsprechende Wandfarbe aus dem Le Corbusier-Sortiment verwendet werden.

Beim Blick zur Wohnzimmerdecke wähnt sich der Besucher augenblicklich im alten Stall, denn auf den Balken liegt gut sichtbar eine isolierende Schicht aus dicht gepressten Strohballen. Der bewährte Dämmstoff liegt im Hausteil des experimentierfreudigen Architekten frei, während er
im Nachbarhaus nur durch eine klare Glasscheibe zu erkennen ist. Russgeschwärzte Balken, Bruchsteinmauerwerk sowie eine uralte Tapete im Türdurchgang blieben erhalten und werden auch morgen an der Seite der Einbauten von heute noch an gestern erinnern. Damit ist dem Architekten ein Umbau gelungen, der alter Substanz gerecht wird, ohne die Erforder-nisse an einen modernen Wohnbau ausser Acht zu lassen.

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Text: Esther Kall, Fotos: Markus Zuber
zusätzliche Informationen in: Häuser modernisieren, Heft Nr. 3-2009

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