Holzelementbau auf steinigem Untergrund

In Stetten, im aargauischen Reusstal, steht ein schlichter Holzelementbau auf einer kleinen Restparzelle mit altem Baumbestand, einem Findling und steinigem Untergrund. Die Lage auf der Seitenmoräne des ehemaligen Reussgletschers beeinflusste auch den Bau.
 
Die südwestliche Fensterfront erhellt nahezu das ganze Haus.
 
Die übrigen Fassaden haben nur vereinzelt gesetzte Schlitzfenster.
Es ist wahrlich eine steinige Situation, die der Besucher dieses Hauses in Stetten im aargauischen Reusstal antrifft. Steine können eine Last sein, sie können aber auch zur Bereicherung werden, wenn man sie geschickt zu nutzen weiss. Das Grundstück befindet sich auf der Seitenmoräne des ehemaligen Reussgletschers. Davon zeugt ein grosser Findling. Gefallen hatte der Bauherrschaft die Lage mit Aussicht ins Reusstal bis zu den Alpen. Der alte, schützenswerte Baumbestand störte sie nicht. Im Gegenteil: Er sollte zum Garten gehören und auch in nahem Bezug zum Wohnen stehen.

Kleine Restparzelle
Die Bauherrschaft hatte zusammen mit einer befreundeten Familie das Grundstück samt einer alten Liegenschaft erworben. Man entschied sich, dass die eine Familie das alte Gebäude umbaut und die andere Familie daneben ein neues Haus baut. Die hierfür abgetrennte Restparzelle bot nicht allzuviel Platz für ein Einfamilienhaus, doch reichte es für einen Zweipersonenhaushalt. «Unser Haus konnte klein sein. Wir wünschten uns eine schlichte Architektur mit hellen, offenen Räumen sowie einen sicht- und spürbaren Bezug zur Natur», erklärt die Bauherrin.

Die Einfügung des neuen Hauses in die knapp bemessene Parzelle mit den alten Bäumen und dem Findling war denn auch eine Herausforderung an den beauftragten Architekten Roland Brauen. Der Freund, Mitkäufer und Nachbar hatte der Bauherrschaft den Architekten empfohlen, da er als Geschäftsführer der Holzbaufirma «Doppelpunkt AG» schon oft mit diesem zusammen gearbeitet hat. Auch dieses Haus entstand in Kooperation mit dem genannten Unternehmen.

Aushub für den Steingarten
Der Aushub für das Haus förderte zahlreiche und unterschiedlich grosse Steine zum Vorschein, die der Eiszeitgletscher einst hierher gebracht hatte. Diese verwendete man für den Steingarten und eine dort angelegte Natursteinmauer. Das Untergeschoss ragt als Betonsockel leicht aus dem Erdreich und hat Kellerräume mit schmalen Fenstern in Bodennähe. Darüber erhebt sich ein zweigeschossiger Holzelementbau mit horizontaler, hinterlüfteter Fassadenlattung. Der Wunsch der Bauherrschaft nach einem modernen, klaren Baukörper mit grosszügiger Verglasung in Richtung Reusstal und Alpen sowie die Einbeziehung des alten Baumbestands, des Findlings und des Steingartens gaben dem Baukörper eine Hauptorientierung nach Südwesten. Ein hölzernes Deck, das leicht über dem Kiesgarten zu schweben scheint, erweitert das Wohnen nach draussen. Ein grosses Sonnensegel beschattet bei Bedarf den dortigen Gartensitzplatz. Zudem gibt es im Baum- und Steingarten lauschige Plätzchen im Einklang mit der Natur.

Aussichtsfront
Die südwestliche Fensterfront erhellt nahezu das ganze Haus. Die übrigen Fassaden haben nur vereinzelt gesetzte Schlitzfenster. Das Treppenhaus wurde seitlich angefügt. Dadurch ist das Haus nicht mehr schön quadratisch, dafür gibt es im Hausinneren bedeutend mehr Platz. Ein angebauter Schopf im hinteren Teil des Hauses kaschiert zudem das angefügte Treppenhaus. Das vertikale Fensterband links neben der Haustür gehört somit nicht wie vermutet zum Treppenhaus, sondern zu den Nassräumen auf beiden Etagen.
Die helle Küche ist offen und grosszügig angelegt. Die Bereiche Wohnen, Essen und Kochen liegen nah beieinander. 

Das Innere des Hauses mit 156 Quadratmeter Nettowohnfläche ist weitgehend schlicht. Die Wände bestehen aus Fermacellplatten mit Strukturputz. Der Boden im Wohngeschoss ist ein fugenloser, anthrazit eingefärbter Zementbelag, und im Obergeschoss gibt es einen Riemenboden aus geölter Lärche. Das dortige Schlafzimmer und ein variables Nebenzimmer orientieren sich ebenfalls zur grossen Fensterfront, die den Baumwipfeln sehr nahe ist.

Auf die Frage, was man am Haus hätte besser machen können, antwortet die Hausfrau: «Das Putzen der Glasfront ist aufwändig und nur mit einer grossen Leiter möglich. Auch das Bad könnte näher beim Schlafzimmer sein.» Zwischen diesen beiden Räumen befindet sich ein kleines Reduit, dessen Nutzung zunächst unbestimmt war. Zwei Jahren nach dem Einzug haben die Bewohner dort eine Sauna eingebaut. Ein kleiner Luxus in einem kleinen Haus, der sich nachträglich gelohnt hat.


















links: Das Schlafzimmer im Obergeschoss ist den Baumkronen nahe. 

rechts: Im Reduit wurde nachträglich eine Sauna eingebaut.


Text: Werner Lehmann, Fotos: Thomas Hämmerli
zusätzliche Informationen in: Raum und Wohnen, Heft Nr. 01/2010

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