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Der Architekt bezeichnet das Haus als «luxuriös und schnörkellos». |
Wie ein Fels scheint das Haus mit der Klinkerfassade in den Hang gerammt. |
Bauherr Thomas Böhler antwortet auf das Klingeln über die Video-Türsprech-Anlage: «Ich bin in ein paar Minuten da.» Wie, in ein paar Minuten, er ist doch im Haus, sonst könnte er ja nicht auf das Klingeln reagieren?! Kann er doch! Böhler hat sein Eigenheim mit intelligenter Technik ausgerüstet und bekommt deshalb über sein Handy mit, wenn jemand an der Haustür klingelt. Handelt es sich zum Beispiel um die Putzfrau, kann er ihr über Tastendruck auch Einlass gewähren.
Luxuriös und schnörkellos
Der Reporter aber hat Zeit, das Haus zunächst von aussen zu betrachten. Eine Klinkerfassade im österreichischen Vorarlberg? Schon das deutet darauf hin, dass es sich bei diesem Hanghaus um ein ungewöhnliches Stück Architektur handelt. Als «luxuriös und schnörkellos» bezeichnet Architekt Michael Heim vom Dornbirner Büro Heim + Müller das von ihm entworfene Eigenheim, das sich «mit seiner Klinkerfassade wie ein Fels in den Hang zu rammen scheint.» Und dann die Westterrasse. Da ist ein Pool integriert – wohlgemerkt in eine frei auskragende Terrasse ohne zusätzliche Stützen!
Als Bauherr Böhler da ist, betreten wir das Haus auf der obersten Ebene durch die Garage. Durch das Büro des Bauherrn geht es über eine halbgewendelte Treppe ins Wohngeschoss. Es umfasst mit Wohnbereich, Essplatz und Küche rund 70 Quadratmeter. Durch die Glasfront auf der Westseite hat man einen herrlichen Blick übers Rheintal auf die Berge des Alpsteins. Der Wohnraum wird durch die grosszügige Terrasse mit dem erwähnten Pool erweitert.
Elegante Glasfassade
Die Glasfassade wirkt von aussen besonders elegant, was darauf zurückzuführen ist, dass die äusseren Glasscheiben die Rahmenprofile überlappen. Dadurch entsteht eine homogene Front. Böhler entschied sich für eine Zweifachverglasung und gegen die ursprünglich von ihm favorisierte Dreifachverglasung. «Das wäre zu dicht geworden, und ich wollte keine kontrollierte Lüftung, wegen der Hygiene und wegen der Geräusche.»
Helle Fronten
Da die Aussicht der Star ist, hat der Hausherr im Innern auf jeglichen Schnickschnack verzichtet, glatte Oberflächen prägen den Raum. Der Boden ist – wie fast im ganzen Haus – mit amerikanischem Nussbaum belegt. Aus dem gleichen Holz ist die Essplatzgarnitur. Die hellen Fronten der Küche und Einbauwandschränke sind einheitlich aus heimischer Esche. Die Schranktüren weisen Schlitze und Lochmuster auf. «Das sind Akustiktüren», erklärt der Bauherr, «damit es nicht so hallt.»
In der Mitte des Raumes steht ein Ofenblock. «Das ist etwas ganz Besonderes», schwärmt der Bauherr. «Der Ofen ist aus gestampftem Lehm um einen Schamottkern herum gebaut und kann die Wärme zwei Tage speichern.» Befeuert wird der Ofen mit Stückholz. Er ergänzt im grossen Wohnraum die Fussbodenheizung, die der Bauherr in zehn Zonen geteilt hat, jede von ihnen einzeln zuschaltbar.
Pflegefreie Fassade
Auf die Klinkerfassade angesprochen, hat der Bauherr eine einfache Erklärung parat: «Ich wollte was Pflegefreies haben.» Die zehn Zentimeter dicke Ziegelschicht wurde weitgehend in traditioneller Handarbeit gefertigt. Die untersten drei Reihen wurden als Fertigelement gesetzt, darauf wurde dann Stein auf Stein gemauert.
«Der Pool ist an der Decke aufgehängt», erklärt der Bauherr mit einem Schmunzeln. «Das sind immerhin 60000 Liter, also 60 Tonnen!» Diese Lasten konnten nur von einem weitgehend aus Stahlbeton gebauten Haus aufgefangen und abgetragen werden.
Lange Planungsphase
Angesichts dieser statischen Besonderheit verwundert es nicht, dass die Planung für dieses Haus sehr aufwändig war. «Drei Jahre, vier Entwürfe», fasst der Bauherr knapp zusammen. Architekt Michael Heim hat die Absicherung des Hanges als «spezielle Herausforderung» in Erinnerung. «Der Hang musste gegen Abrutschen durch spezielle Nagelungen und anschliessendes Aufbringen von Spritzbeton gesichert werden, das heisst, die Baugrube wurde mittels Hanganker gegen ein etwaiges Abrutschen gesichert.» Diese Anker gehen neun bis 15 Meter in den Hang, wie der Bauherr erklärt. Auch die Bauzeit zog sich mit zweieinhalb Jahren in die Länge.
Auf dem Weg vom Wohngeschoss nach unten zu den Rückzugsräumen des Bauherrn begegnen einem zwei Bullaugen, die der Bauherr in die Trennwand zum Pool hat einfügen lassen. Und weil‘s ihm so gefiel, hat er es im Bad auch noch einmal so gemacht.
Ausgeklügelte Haustechnik
Auf der Schlafebene und im Teilkeller darunter ist die ausgeklügelte Haustechnik untergebracht. Bei der Beheizung setzt der Bauherr auf eine Erdwärmepumpe, 30 Quadratmeter Solarkollektoren, die die gewonnene Wärme an den 2000-Liter-Speicher weiterleitet. Böhler bedauert, dass er keinen grösseren Speicher gewählt hat. «Ich könnte problemlos auch 10000 Liter erwärmen.» Das technologische Herz des Hauses und der Stolz des Bauherrn aber ist der riesige Schaltschrank. Hier laufen nicht nur die üblichen elektrischen Leitungen zusammen, sondern auch die des KNX-Bussystems. Das ist ein intelligentes Steuerungssystem, mit dem Komponenten wie Licht und Jalousien vernetzt werden können, um bestimmte programmierte Szenen ablaufen zu lassen, zum Beispiel Jalousien runter und Licht an.
Mit der «Intelligenz» des Bussystems hatte der Bauherr allerdings so seine Probleme. Er hat zwar die Steuerung von Licht, Jalousien, Dimmer, Temperaturfühler, Regensensor und Helligkeitsmesser an den Bus gekoppelt. «Sobald es aber um wirkliche Logik und Intelligenz geht, ist der Bus überfordert», betont der Bauherr. «Die Heizungssteuerung packt der Bus nicht oder nur zu übertriebenen Kosten.» Deshalb hat er für sein Heizsystem und dessen Verknüpfung mit anderen Funktionen ein eigenes System namens «Newmotix» entwickelt und über eine Schnittstelle auf den KNX-Bus gesetzt. Die Verbindung erfolgt über ein gewöhnliches Ethernet-Kabel.
Die ausgeklügelte Technik spart Energie, nach Schätzungen des Bauherrn zwischen 25 und 40 Prozent, und macht das Leben sicherer und komfortabler. So hat der Bauherr den Wecker mit der Beschallung und der Heizung verknüpft. Dabei gibt er nur die gewünschte Temperatur zur Weckzeit vor, das System errechnet dann selbst, wann die Heizung einschalten muss. Anderes Beispiel: Im Sommer sorgt das System für den sogenannten «Pufferabbau» im Speicher. Bevor die Kollektoren bzw. das Speicherwasser zu heiss werden, geht ein Teil der Wärme ins Bad, das – eingekeilt zwischen Erdreich und Pool – auch im Sommer nur 21°C aufweist.
Lange Badesaison
Die Wasseroberfläche des Pools geht exakt bis zum Beckenrand, der deshalb von einer Überlaufrinne umgeben ist. Der Bauherr hat am Becken ein Ultraschallmessgerät installiert, das wie ein Bewegungsmelder funktioniert: Sobald Bewegung im Wasser registriert wird, springt die Filterpumpe im Keller an. Dank der Solaranlage ist der Pool lange nutzbar. «Ab März kann man baden bis etwa Anfang November», erklärt Thomas Böhler. Eine automatische Poolabdeckung senkt die Energieverluste über Nacht. «Das bringt etwa 1,5 Grad», freut sich der Bauherr.
Bald in Serie Bei der Entwicklung der entsprechenden Software kam ihm sein Beruf als Ingenieur in der EDV-Netzwerk- und Steuerungstechnik zugute. Die Eigenentwicklung umfasst auch die Bedienoberfläche am Touchscreen im Wohnzimmer, wobei er für die grafische Darstellung einen Designer hinzuzog. Hier lässt sich die ganze Haustechnik bequem steuern und bei Bedarf umprogrammieren – auch von Leuten, die nicht vom Fach sind.
Obwohl die Technik im und am Haus schon sehr ausgeklügelt ist, hat Thomas Böhler schon Ideen für weitere Optimierungen. «Je nach Helligkeit und Uhrzeit soll die Hofleuchte zu einem bestimmten Zeitpunkt angehen und bis zu einer vorbestimmten Uhrzeit anbleiben.» Anderes Beispiel: Beim Szenario «TV on» gehen auf Knopfdruck die Jalousien nach unten und die Leinwand öffnet sich davor. Der Beamer muss noch separat bedient werden, aber nicht mehr lange: «Alle Fernbedienungen müssen weg», ist der Bauherr entschlossen. Er will künftig das ganze System über einen virtuellen Server per Handy bedienen können. Böhler ist gerade dabei, seine Eigenentwicklung «Newmotix» auf den Markt zu bringen. «Wir machen noch zwei, drei Prototypen», erklärt er, «dann gehen wir in Serie.»
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