Minimalistisches Haus am Lac Léman

Eine minimalistische und zugleich raffinierte Formgebung sowie die besondere Lage verleihen diesem kleinen Haus über dem Lac Léman eine ausgesprochene Grandezza.
Das Haus steht hoch über dem See am steilen Abhang des Jorat. Der Bau mit auskragendem Hauptgeschoss ist quer zum Hang angelegt.
Grandezza trotz Minimalismus
Von der Kantonshauptstadt aus schlängelt sich die Autostrasse den steilen Südhang des Jorat Richtung Belmont-sur-Lausanne hinauf. Nach jeder Kurve öffnet sich die Aussicht auf den Lac Léman und die Savoyer-Alpen immer mehr. Das Panorama erhöht sich gewissermassen selbst – wenn nicht gerade eines der neu erstellten Wohnhäuser den Blick raubt. «Wir bewegen uns hier in einer Landschaft, die von bunt zusammengewürfelten Konstruktionen übersät ist», führt Architekt Novello Eligio aus und spricht damit das helvetische Problem der Zersiedelung durch mannigfaltige architektonische Formen an.

Man war sich bewusst, dass mit dem Bau dieses Hauses hoch oben am Hang auf einer der letzten freien Parzelle die Überbauung des ehemals landwirtschaftlichen Gebietes fortgesetzt wird. Deshalb suchte man auch nach einer spezifischen Lösung. «Wir waren uns einig, dass der Bau optimal in die Landschaft eingefügt werden sollte», kommentieren Architekt und Bauherrschaft unisono. So kam es denn auch zur Umsetzung dieses Hauses, das Minimalismus mit Grandezza verbindet.

Aus dem Hang heraus
Gemessen an der Parzelle und der prominenten Lage ist das Haus klein. Es zeigt sich schlicht, ganz ohne architektonische Allüren. Der Bau steht quer zum Hang und schiebt sich mit überkragendem Obergeschoss wie ein Schrein aus dem Terrain. Ein flaches, fassadenbündiges Schiffsrumpfdach, das das Haus aus einer tieferen Perspektive gar als Flachdachbau erscheinen lässt, betont die Dynamik des sich aus dem Hang entwickelnden Baukörpers.
 
Die nördliche Seite mit dem Eingang und die östliche Längsseite sind mit einer horizontalen Holzlattung verschalt. 
 
Aus einer unteren Perspektive erscheint das Haus als schlanke Kiste, deren flaches Schiffsrumpfdach optisch verschwindet. 
Das Obergeschoss ist nord- und ostseitig mit einer horizontalen Holzbeplankung verschalt – auch vor den Fenstern. Diese Holzbeplankung dient der natürlichen Lüftung und gibt dem Haus je nach Wetter, Tages- und Jahreszeit ein anderes Gesicht. Wenn die Sonne stark einfällt, ergibt sich das Bild eines kristallinen Kubus. Flaches Licht bricht den Körper auf, und sind bei Eindämmerung oder nachts die Innenräume erleuchtet, verleiht die durchschimmernde Holzhülle dem Bau die Anmutung einer Papierlaterne. Im Kontrast zur changierenden Transparenz der Holzhülle auf der Nord- und Ostseite stehen die Verglasungen der Süd- und Westseite. Auch diese reflektieren den Lauf der Tages- und Jahreszeiten. Das Haus ist sowohl durch Form wie Materialisierung in das Terrain und seine Umgebung eingebunden. «Durch die Lage, die Form und die Behandlung der Volumetrie sowie  Fassaden drücken wir eine klare Haltung gegenüber einer willkürlichen Nachbarschaft aus und einer Landschaft, die erhoben werden will», fasst der Architekt zusammen.

Neben dem Gemüsegarten zum Haus
Von der hangseitigen Zufahrtsstrasse gelangt man über einen Treppenweg zum Hauseingang auf der nördlichen Stirnseite. Dabei durchschreitet man einen akkurat angelegten Garten, zu dem auch ein Gemüsepflanzplatz gehört. «Der Garten ist unser Hobby, deshalb musste er zum Haus passen und entsprechend in die Bauplanung miteinbezogen werden, kommentiert das Bauherrenpaar. Drinnen zeigt sich die Einheitlichkeit des architektonischen Entwurfs. Der Grundriss korrespondiert mit der Hülle, die Funktionalität mit der Form.

Im oberen Geschoss fokussiert der lange Korridor auf den offenen Wohnraum im Südwesten und auf die Aussicht. Auf diesem Hauptgeschoss sind Gäste-WC, Arbeitszimmer sowie der Küchen-, Ess-, und Wohnbereich in gestaffelter Folge untergebracht. Wohn- und Essbereich sind offen gestaltet. Die südwestseitge Verglasung rückt die Aussicht auf den See und die Savoyer-Alpen ins Blickfeld.
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Auffällig ist die Farbgebung: Für Einbaumöbel, Wände und Trennwände hat man sich für ein Ockergelb entschieden. Es gibt der rationalen Architektur eine warme Ausstrahlung. Vor allem dort, wo farbige MDF-Platten auf kühlen Sichtbeton stossen, zum Beispiel in der Küche oder auch im Untergeschoss. Dort, zurückgezogen unter dem auskragenden Obergeschoss, hat sich das Bauherrenpaar das private Geschoss mit Schlafzimmer sowie Bad und zusätzlichem Arbeitszimmer eingerichtet.

Beide Geschosse haben direkten Zugang nach draussen. Oben führen zwei Fenstertüren auf die westseitige Terrasse, die den Wohnraum nach draussen erweitert, unten führt eine Tür auf den überdachten Bereich und in den Garten. Innen und aussen sind verbunden, das Haus ist in der Umgebung gekonnt verankert, so wie dies Architekt und Bauherrschaft gemeinsam anstrebten. Grandezza ist hier eine Frage des Stils.

 
Das flache Schiffsrumpfdach gibt der Architektur ein besonderes Gepräge.
 
Der Bau mit der verglasten südlichen Stirnseite entwickelt sich aus dem Hang heraus.

Architektur:
U15 ARCHITECTES
Novello Eligio
www.u15.ch



Text: Dorothee Lehmann, Fotos: Thomas Hämmerli
zusätzliche Informationen in: Raum und Wohnen, Heft Nr. 05/2010

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