Haus mit Guckloch

Beim Hausbau waren sie noch zu dritt, nun sind sie zu viert. In diesem Eigenheim in Röschenz im Kanton Baselland lebt eine junge Familie. Das Haus ist offen und transparent, bietet aber trotzdem viel Privatsphäre.
Im Anbau befindet sich das Wohnzimmer. Von der Küche gehts direkt auf die Terrasse. Das Flachdach der Doppelgarage wird als Terrasse genutzt.

Bei der Realisierung dieses Hauses spielte die Familie eine grosse Rolle. Durch familiäre Beziehungen kam die Bauherrschaft erstens an Bauland, zweitens zu einem Architekten und drittens zu netten Nachbarn. Und das kam so: Das Land gehörte den Eltern des Bauherrn, die es ihm zur Verfügung stellten. Beim Architekten handelt es sich um den Cousin der Bauherrin, und die Schwester des Bauherrn lebt mit Mann und Kindern im Haus nebenan. Sowohl der Bauherr als auch seine Frau sind selber in Einfamilienhäusern gross geworden. Darum liessen sie nicht viel Zeit verstreichen, bis sie ihr Bauprojekt in Angriff nahmen. «Für uns war immer klar, dass wir selber bauen, wenn es finanzierbar ist», erzählt die junge Frau.

«Die Wohnung, in der wir vorher lebten, war zwar sehr schön, doch wir empfanden sie stets als einengend.» Platz genug bot das Stück Bauland jedenfalls, das sich etwas ausserhalb des alten Dorfkerns von Röschenz befindet, in einem Einfamilienhausquartier in einer ländlichen Gegend. Wo heute das Fünfeinhalb-Zimmer-Haus steht, gab es vorher nichts als grüne Wiese. Architekt Stefan Berger vom Architekturbüro Steinmann + Berger spricht von einer «perfekten Parzelle» an einer leichten Hanglage, mit der einzigen Einschränkung, dass der Untergrund teilweise felsig ist. Die Baubewilligung wurde rasch und unkompliziert erteilt. «Wir hätten sogar noch grösser bauen können», sagt Berger. «Doch die jetzige Grösse reicht völlig aus.»

Pfiffiger Vorbau in Rot
Bei seinem Entwurf orientierte sich der Architekt an den Formen des Nachbarhauses, das der Bauherrschaft gut gefiel. Trotzdem sollte das eigene Haus nicht einfach eine Kopie davon werden. Der Neubau verfügt nun ebenfalls über ein leicht geneigtes Pultdach und klare Formen. Mit der dunkelgrauen Eternitfassade und dem pfiffigen roten Vorbau hebt es sich allerdings deutlich vom Nachbarhaus mit der hellen Fassade ab. Es gliedert sich in einen Haupt- und einen seitlichen Anbau, der von aussen gut sichtbar, innen aber kaum spürbar ist. Darin befindet sich das Wohnzimmer. Auch der Anbau hat ein Pultdach, das hingegen in umgekehrter Richtung geneigt ist wie das Dach des Hauptbaus. Dieser Anbau mit dem Wohnraum kommt dem Nachbarhaus am nächsten. «Wir sehen unsere Nachbarn oft im Garten und mögen uns gerne», sagt die Bauherrin; doch innen sollte ein Stück Privatsphäre gewahrt bleiben.Darum wurde in die Aussenwand einzig ein kreisrundes Guckloch eingelassen: Ein witziges Detail, das im Haus an verschiedenen Orten wieder vorkommt. So wiederholt sich die charakteristische Form beim Windschutz am Gartensitzplatz, wo eine Betonwand «gelocht» wurde. Auch das Milchglas-Fenster im Bad, das sich zum Vorplatz des Hauses hin orientiert, ist kreisrund. Und wer genau hinsieht, entdeckt das Guckloch-Element sodann im Obergeschoss des Hauses, wo es dem Oblicht im Korridor seine Form gibt.

Klare Vorstellungen
«Die Bauherrschaft äusserte von Anfang an klar, was sie sich wünschte», erinnert sich Architekt Stefan Berger. Das heisst konkret in Stichworten: Ein offenes, transparentes Haus mit viel Freiraum für die Kinder, ein grosses Bad und ein Ankleidezimmer für die Eltern, ein Spielzimmer in der Nähe der Küche und ein Cheminéeofen im Wohnbereich. Architekt und Bauherrschaft fanden sich recht schnell in ihren Vorstellungen. «Wir brauchten nicht viele Anläufe.»

Im Erdgeschoss befinden sich nun die offene Küche, das Esszimmer, ein Zimmer zum Spielen für die Kinder sowie der Wohnraum. Im Obergeschoss sind die Schlafräume der Familie mit Bad, Dusche und WC untergebracht. Während sich die ganz in Rot gehaltene Küche und das Esszimmer auf einer Ebene befinden, geht es zwei Stufen abwärts in den Wohnraum im Anbau. Nur dadurch ist die Zweiteiligkeit des Hauses innen überhaupt sichtbar. Grosse Fenster sorgen dafür, dass viel Licht in die Räume fällt, in denen die Familie tagsüber am meisten Zeit verbringt. Das Spielzimmer, das hin und wieder auch als Gästezimmer dient, verfügt über eine Schiebe- und eine normale Tür. Die Schiebetür liesse sich später bei Bedarf einmal durch eine Innenwand ersetzen. Eine kleine Toilette mit Dusche ist im Erdgeschoss ebenfalls vorhanden.

Viel Platz für Kleider und Spielzeug

Komfortabel ist das Ankleidezimmer im Obergeschoss mit vielen Regalen und viel Platz für Kleiderbügel. Gleich dahinter gelangt man ins Elternschlafzimmer und ins geräumige Bad mit der freistehenden, ovalen Badewanne. Auf demselben Geschoss befinden sich die beiden Kinderzimmer, deren Wände in einem verwaschenen Lindgrün beziehungsweise einem hellen Gelb gestrichen wurden. Praktischen Stauraum für Spielsachen bieten die beiden Einbauschränke in den Kinderzimmern. Konsequent umgesetzt wurde die Materialwahl im ganzen Haus: Bei den Bodenbelägen entschied man sich in den Wohnräumen und auf der Treppe für Eichenparkett. In den Nassräumen, der Küche und in stärker beanspruchten Zonen wie dem Ess- und Eingangsbereich wurden anthrazitfarbene Feinsteinzeugplatten ausgelegt.

Zwei Sitzplätze im Grünen
Das Fünfeinhalb-Zimmer-Haus ist kompakt und bietet dennoch viel Wohnraum für eine vierköpfige Familie. Die Lage ist perfekt, wenn man bedenkt, dass kleine Kinder einen grossen Bewegungsdrang haben. Das Haus befindet sich fast am Ende einer Sackgasse und ist von unten und oben her erschlossen, so dass gleich zwei Gartensitzplätze eingerichtet werden konnten. Der obere erlaubt es den Bewohnern, an langen Sommertagen bis zuletzt von der Abendsonne zu profitieren. Noch viel intensiver nutzt die Familie aber den Sitzplatz auf der unteren Seite des Hauses. Dafür konnte das Flachdach der Doppelgarage genutzt werden, die ins Konzept integriert, jedoch nicht unter das Haus geschoben wurde. So entstand im Untergeschoss nicht nur Platz für die Waschküche, einen Keller- und einen Technikraum, sondern auch für ein Büro, das über einen Lichtschacht mit Tageslicht versorgt wird. Weil damit das Untergeschoss zeitweise auch bewohnt ist, verfügt es teilweise wie die anderen Wohnräume über Bodenheizung. Die schmutzige Wäsche gelangt übrigens über einen Wäscheabwurf auf direktestem Weg in den Keller: Auch das ist ein praktisches Detail, das den Alltag mit kleinen Kindern erleichtert.
 
Schmuckstück im Bad ist die freistehende Badewanne.
 
Im Oblicht des Obergeschosses taucht das runde Element wieder auf.

Text: Rebekka Haefeli, Fotos: Thomas Hämmerli
zusätzliche Informationen in: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 4/2010
weitere Architekturreportagen im Archiv

Architektur:
Steinmann + Berger Architekten
Urs Steinmann + Stefan Berger
Hauptstrasse 39
4133 Pratteln
Tel. 061 823 96 60
www.steinmannberger.ch
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