Der Zug nach Cheyres hält an vielen Stationen. Das langsame Fortkommen wirkt nach der schnellen Fahrt im Intercity ermüdend. Doch als der Bummelzug endlich am Ziel ankommt, ist man rasch wieder wach. Wer in Cheyres aussteigt, sieht als Erstes das winzige, historische Bahnhofgebäude, an dessen Fassade in grossen Lettern der Dorfname prangt. Spaziert man um die Ecke, steht man hinter dem Bahnhof völlig unerwartet vor einer riesigen Palme. Die exotische Pflanze ist ein Hinweis auf das milde Klima, das die Gegend prägt.
Die Natur vor der Haustür
Die angenehmen klimatischen Bedingungen waren einer der Gründe, weshalb sich die vierköpfige Familie, um deren Haus es hier geht, in Cheyres niedergelassen hat. Ein weiterer Grund waren die vielfältigen Freizeit- und Sportmöglichkeiten, die das Winzerdörfchen am Neuenburgersee bietet. Weil die Eltern beide segeln, hatten sie schon früher Ferien und Wochenenden am Lac de Neuchâtel verbracht. Für den Wohnort Cheyres sprachen ausserdem die kurzen Distanzen zu den Ausbildungs- und Arbeitsorten der Familie: Die Fahrt nach Bern mit dem Auto dauert nur gerade einmal 30 bis 35 Minuten.
Spitze Formen
Die Familie war zuvor in der Region Bern wohnhaft gewesen. Mit dem Bau ihres Eigenheims im Kanton Freiburg beauftragte sie bewusst ein Architekturbüro, das mit den regionalen Gegebenheiten vertraut ist. Ideale Partner fand die Bauherrschaft in René Scherrer und Jean-Claude Baeriswyl, die seit 1993 in Estavayer-le-Lac zusammen arbeiten. Optisch fallen am Haus als Erstes das asymmetrische Satteldach und die spitzen Formen ins Auge. Das asymmetrische Dach garantiert, dass bei voll ausgenützter Höhe ein grosses Volumen erreicht werden konnte, wie Architekt Scherrer erläutert. Das Haus wirkt ausserdem in die Breite gezogen.
Auch in dieser Dimension wurde die Parzelle maximal ausgenützt.
Die Fassade ist aus vorvergrautem Fichtenholz gefertigt. Der Verwitterungsprozess wurde bei diesem Holz durch die Behandlung mit UV-Licht vorweggenommen. Das vorvergraute Fichtenholz fügt sich optisch sehr gut in die Umgebung ein. Das Haus hebt sich durch seine aussergewöhnliche Form und das helle Holz zwar von den übrigen, eher älteren Einfamilienhäusern im Quartier ab, stellt jedoch keinen Fremdkörper dar. Bei der Wahl der gräulichen Fassadenfarbe liess sich Architekt Scherrer von einem Baum inspirieren, der auf der Parzelle steht: Die Rinde der Robinie verfügt über eine charakteristische Farbe und Faserung, die mit dem Holztäfer der Fassade wieder aufgenommen wurden. Einen raffinierten Akzent setzte der Architekt auch mit gelben Glasplatten, die als Balkongeländer und als Vordach über der Eingangstür dienen. Je nach Tageszeit und Lichteinstrahlung nimmt das Glas eine unterschiedliche Färbung an.
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