Architekt Ingo Bucher-Beholz und die Bauzeit GmbH wurden auf dieses Grundstück aufmerksam und machten sich daran, ein Konzept zu erarbeiten. Die Bauzeit versteht sich nicht als klassischer Bauträger, sondern als «Netzwerk von Dienstleistern, bestehend aus Architekten, Landschaftsplanern, Baujuristen, Energieplanern und Bankern, die sich zu nachhaltigem Handeln im Sinn der Agenda 21 verpflichtet haben.» Wie schon öfter im Bodenseeraum und in München gelang es den Machern, ein schlüssiges Konzept vorzulegen. Dieses sah vor, 13 Einfamilienhäuser mit moderner Kubatur und sehr gutem Energiestandard zu bauen.
Der Architekt erläutert sein Konzept: «Es handelte sich um ein Hanggrundstück mit Dreieckszuschnitt, und die Frage stellte sich: Wie stehen die Häuser in der Gruppe?» Die Lösung des Architekten hat in ihrer Klarheit und Einfachheit etwas Bestechendes. «Wir machten eine dreistufige Höhenstaffelung und platzierten die Häuser schachbrettartig versetzt. So bleibt für jeden der Durchblick erhalten. Ab dem Obergeschoss sieht man über die anderen hinweg», erklärt der Planer. Teilweise geniessen die Bewohner sogar Seeblick, auf jeden Fall können sie – je nach Wetterverhältnissen – die Schweizer und österreichischen Berge sehen.
Versetzt angeordnet
Nur zwei Doppelhäuser gehören zu der Gruppe, die anderen neun sind freistehend. Und das, obwohl die jeweiligen Grundstücke recht klein sind. Zieht man von den 5000 Quadratmetern noch die Erschliessungsflächen ab, blieben für jede Partei gerade noch knapp 300 Quadratmeter. Und trotzdem: «Der Abstand zum Nachbarn beträgt in der Regel sechs Meter.» Wie ist das möglich? Der Architekt setzte die Häuser bis auf wenige Ausnahmen auf die östliche Grundstücksgrenze, dadurch sind die Gärten von vernünftigem Zuschnitt und können sinnvoll genutzt werden. Die Fassade vom Nachbarhaus ist dann nach Osten geschlossen. «So eine Art Gartenhof-Situation», wie Bucher-Beholz erklärt.
Hohe Flexibilität
Trotz aller Verdichtung: «Es ist trotzdem recht luftig geworden», freut sich der Architekt, «die Bewohner haben Privatheit.» Auch die Häuser sind sechs Meter breit. Bucher-Beholz bevorzugt die Skelettbauweise, bei der Traggerüst aus Ständern und Trägern alle Lasten abtragen, sodass die Aussen- und Innenwandgestaltung frei ist. Die Aussenstützen sind aus Holz, die Mittelstütze im Raum ist ebenso aus Stahl wie die Deckenträger, die von unten sichtbar sind. Der Architekt wählte hier Stahl, um die Querschnitte möglichst gering zu halten.
Trotz der Freiheiten, die ein Skelettbau mit sich bringt, achtete Bucher-Beholz auf eine «einheitliche Sprache nach aussen». Holzfassaden in zweierlei Grau und Glasflächen wechseln einander ab. Die Front des Dachgeschosses ist zurückversetzt. Das bringt nicht nur Platz für eine Dachterrasse, sondern gibt den Gebäuden auch äusserst elegante Proportionen. «Der Grundriss basiert auf Fensterelementen und Wandmodulen von 2x3 und 3x5 Metern, die je nach Bedarf kombiniert werden können.» Theoretisch könnten sämtliche Innenwände auch entfallen. Auch Fassaden können völlig frei geschlossen oder transparent gestaltet werden. Mit Ausnahme der Ostseite zum Nachbargarten, die geschlossen bleiben sollte.
Als dann über Inserate schnell genügend Interessenten da waren, gründeten die Bauherren eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die dann mit den Handwerkern die Rahmenverträge schlossen. «Natürlich können Sie so ein Projekt nicht ganz basisdemokratisch gestalten», sagt der Architekt. Nachdem das Gestaltungskonzept einmal festgelegt war, wurden die einzelnen Bestimmungen vertraglich vereinbart. Wird eventuell ein Haus verkauft, kann der neue Besitzer es nicht knallrot streichen oder eine bunte Markise installieren oder ein Gartenhäuschen hinsetzen. «Es geht ja auch um Werthaltigkeit», begründet Bucher-Beholz diese Regelung.
«Die Flexibilität war sehr grosszügig: Das ist ja nicht ganz ohne, wenn 13 Bauherren Freiraum haben», sagt ein Bauherr, der mit Frau und Sohn eines der Häuser bewohnt. «Wir haben uns für das Projekt interessiert, weil die Architektur von Ingo Bucher-Beholz geschmacklich voll auf unserer Linie lag: reduziert, einfach, aber hochwertig und ökologisch.»
Offenes Grundrisskonzept
Das Haus dieses Bauherren ist insofern eine Ausnahme, da es als einziges nach beiden Seiten frei steht. Der westliche Nachbar ist hier nicht sechs, sondern zwölf Meter entfernt. Nicht nur die Architektur, auch die Gestaltungsmöglichkeiten im Innern fanden der Bauherr und seine Familie attraktiv. «Das Hauskonzept ist sehr offen und kommunikativ: Das ist schön, kann aber auch nerven, wenn man sich ein bisschen abkapseln will», erklärt er. «Das Haus ist ein offener Klangkörper: Wir brauchen keine Haussprechanlage!», sagt er, aber als dreiköpfige Familie kommen sie gut damit klar. «Man muss sich darauf einlassen.»
In der Tat ist das Erdgeschoss dieses Hauses bis auf das Gäste-WC ziemlich offen gehalten, kleinere Wandscheiben strukturieren gleichwohl den Raum. Die Küche geht über die Theke hinweg offen in das Wohn-/Esszimmer über. Der Boden ist mit Schiefer und Eichenparkett belegt. Die Wände sind weiss gestrichen. In der nördlichen Hälfte ist die Spindeltreppe aus Stahl und Buchenstufen platziert. Die Fenster sind auf Wunsch der Bauherren dreifach verglast, vorgesehen war ursprünglich eine Zweifachverglasung.
Im Untergeschoss/Keller erhält das nach Süden orientierte geräumige Gäste- oder Rückzugszimmer viel Licht, weil davor das Erdreich abgetragen wurde. «Manche Bauherren haben das auch vermietet», berichtet der Bauherr, «die Universität ist hier ganz in der Nähe.» Ein Technikraum mit Speicher und Lüftungsanlage sowie ein zusätzlicher Vorrats- und Werkraum runden das Raumangebot im Untergeschoss ab. Ein Brenner findet sich im Technikraum nicht, weil es für alle 13 Häuser eine gemeinsame Pelletheizung gibt.
Im Obergeschoss befinden sich die Rückzugsräume der Familie: Schlafzimmer, Bad und Kinderzimmer. Letzteres ist recht grosszügig ausgefallen, da die mittige Zwischenwand weggelassen wurde. Lediglich ein Teil des Kinderzimmers wurde für einen kleinen Schrankraum abgezwackt, der vom Flur aus zugänglich ist. Ein echtes Highlight ist das Studio im Dachgeschoss. Auch hier war eine Raumteilung möglich, aber der Bauherr und seine Familie haben glücklicherweise darauf verzichtet. So kann der sehr grosszügig verglaste Raum seine Wirkung entfalten. «Die Dachgeschoss-Galerie ist in vielen Häusern geschlossen worden, weil die Rückzugsmöglichkeiten begrenzt sind», berichtet der Bauherr. Empfehlenswert ist das nicht. «Das heizt sich dann ziemlich auf.» Dafür sorgt die Kombination Verglasung und superdichte Gebäudehülle. Da zirkuliert dann zu wenig Luft, trotz der Lüftungsanlage.
Nicht weniger attraktiv als das Studio: die Dachterrasse davor. Von hier oben hat man nicht nur eine gute Sicht auf die Berge, man staunt auch, wie behutsam die Häuseranlage insgesamt in das Quartier integriert wurde. Dank der grauen Fassadenfarbe und der gut eingewachsenen Gärten wirken die Neuankömmlinge trotz ihrer kantigen Kubatur wesentlich dezenter und unauffälliger als so mancher weiss verputzte alte Hase. «Bei Sonnenuntergang leuchten die Fassaden auberginerot, das sieht einfach toll aus», schwärmt der Bauherr. Er und seine Familie fühlen sich auf den ca. 170 Quadratmetern Wohnfläche ihres Hauses sehr wohl. Auch die Bauphase verlief insgesamt zufrieden stellend. «Pro Woche wurde ein Haus aufgestellt», erzählt der Bauherr. Das war möglich, weil die Wandelemente der Häuser vorgefertigt wurden, auch für die Keller. So war es möglich, dass innerhalb eines Jahres alle 13 Bauherren einziehen konnten.
Trotz des gehobenen Energiestandards handelt es sich um vergleichsweise günstige Häuser. «Der Vorteil dieses Modells für Bauherren: Sie bekommen kein Bauträgereintopf, sondern können die Kosten anhand transparenter Ausschreibungen nachvollziehen», bekräftigt Bucher-Beholz. Eine Ersparnis brachte auch die Kleinserienproduktion der vorgefertigten modularen Bauteile. So beliefen sich die Kosten – ohne Sonderwünsche – auf 1300 bis 1350 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, das entspricht etwa 1750 bis 1820 Franken.
Die Architektur wurde erwartungsgemäss kontrovers diskutiert: «Viele ältere Leute finden’s grausam und sprachen von grässlichen Holzkisten, andere sind begeistert.» Das ist auch der Bauherr. «Wir haben hier hohe Lebensqualität. Ich fahre mit dem Fahrrad in die Stadt oder zur Arbeit, komme mittags heim und kann mit meiner Familie zu Mittag essen. Das ist es, was zählt!»
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