Glücklich im Grünen: Traumhaus für Familie

Nicht jedes Traumhaus muss Millionen kosten. Mit guter Planung, viel Eigenleistung und Kompromissbereitschaft kam diese junge Familie zum Ziel. Und ist heute rundum glücklich mit dem Haus auf dem Lande. Auch ohne Sauna und Wellnesslandschaft.
Traumhaus im Grünen
Klar gegliedert: Oben der Holzkubus mit den Wohnräumen, unten der Betonkubus mit den Schlafräumen.

Fabian Ebner ist mit Leib und Seele Innenausbauprofi. Der gelernte Schreiner mit Weiterbildung und Arbeitsschwerpunkt im Bereich Innenarchitektur erfüllte sich im Januar 2005 den schon lange vorhandenen Wunsch nach Selbstständigkeit und gründete die Einzelfirma «Ebner planung und design». Täglich macht er sich Gedanken, wie man Räume individuell gestaltet, wie sich der vorhandene Platz optimal nutzen lässt oder welche Farb- und Materialkombinationen die gewünschte Stimmung schaffen. Kein Wunder, dass er sich auch bei der Planung des Wohn- und Lebensraums für die eigene Familie aussergewöhnlich engagierte. Dank viel Eigenleistung und der Wahl einer Standortgemeinde, wo das Bauland noch für unter 400 Franken pro Quadratmeter zu haben war, konnte sich die junge Familie ein Eigenheim leisten, das alles in allem preislich deutlich unter der Millionengrenze blieb. Obwohl das Budget nicht viel Spielraum liess, ist das Haus Ebner ein wahres Traumhaus geworden. Es ist nicht nur modern, praktisch und schön anzusehen, auch die inneren Werte stimmen: Das Haus ist nach Minergie zertifiziert.

Die Grundidee
Als Grundidee konzipierte Fabian Ebner einen Holzkubus auf einem Betonkubus. Abgestimmt wurde der Bau auf die Hanglage und die Umgebung im Grünen, mit Aussicht in die Ferne. Die Parzelle, ruhig und am Südhang gelegen, am Ende einer Sackgasse praktisch ohne Autoverkehr, profitiert von viel Sonne und Licht. Rundherum wünschte man sich viele Pflanzen, genügend Sitzgelegenheiten auf dem Balkon, im Garten und ums Haus, und eine natürliche Umgebung. Das Anforderungsprofil für den Innenausbau: «Modernes gemütliches Wohnen, klare und puristische Formen, farbige Akzente, eigenes und einzigartiges Design, asiatische Accessoires.» Die Vorliebe für asiatische Accessoires hat in diesem Haus nicht nur mit einem starken aktuellen Einrichtungstrend zu tun. Fabian Ebners Grossmutter stammt aus Thailand, und der Bronze-Buddha im Wohnraum ist ein Familienerbstück. Vor diesem Hintergrund bekommen diverse Accessoires im Haus eine andere Bedeutung.

Land mit Architekturverpflichtung
Die Suche nach einem passenden Architekturbüro wurde mit dem Landkauf hinfällig. Das Bauland war nur mit Architekturverpflichtung zu haben. Das in Stein Säckingen ansässige Architekturbüro Birri würde den Bau planen, wie die anderen Häuser auf dem vorderen Landstück. Für Ebners kein Problem: Die bereits bestehenden modernen, kubischen ­Bauten mit Holzfassade sagten ihnen auf den ersten Blick zu. Architekt Patrick Birri hatte die Aufgabe, ein Gebäude zu projektieren, das dem definierten Raumprogramm und der begrenzten Grundstückgrösse Rechnung trägt. «Unser Ziel war, die passive Sonnenenergie und bauliche Vorschrift möglichst auszureizen. Durch den Garagengrenzbau konnte die bebaubare Fläche des Grundstückes optimiert werden. Es wurde ein kompakter Baukörper angestrebt, um ein gutes Volumen/Oberflächenverhältnis zu erreichen. Durch die Süd-Westausrichtung des Gebäudes kann die Sonnenenergie durch grosse Fassadenöffnungen genutzt werden.» Besonders zu berücksichtigen waren die topografischen Gegebenheiten. Das Haus wurde in das bis zu 25° steile Gelände gebettet, innerhalb der baugesetzlichen Vorgaben, unter Rücksichtnahme auf Kosten und auf ökologische Aspekte.

Viel Eigenleistung
Sobald der Rohbau stand, übernahm der Bauherr die Bauleitung selbst. Er war praktisch jeden Tag auf der Baustelle, kümmerte sich um die Details und legte auch selbst mit Hand an, dies nicht nur symbolisch. «Ein Grossteil des Innenausbaus wurde in Eigenleistung hergestellt und montiert.» Auch den Nussbaumparkett im Wohngeschoss hat er gemeinsam mit dem Schwiegervater verlegt, und die Holzlatten an der Fassade Stück für Stück eigenhändig angeschraubt. Die letzten, während das Haus schon bewohnt war, denn die Mietwohnung musste geräumt werden. «Wenn wir nicht soviel selbst gemacht hätten, hätten wir uns das Haus nicht leisten können.» Die Grundform des Gebäudes blieb auch aus Kostengründen schlicht und kompakt.


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Reduit und Cheminée
Trotz finanzieller Einschränkungen konnte sich das junge Paar zwei ganz grosse Wünsche erfüllen. Sie wollte ein Reduit, er ein Cheminée. Beide Wünsche wurden auf einen Streich erfüllt: In einen grossen, frei im Raum stehenden Würfel sind Garderobe, Reduit, Kühlschrank dezent integriert. Auffällig aussen das Cheminée, und daneben ein oranger Ausschnitt, mit Kissen gepolstert als einladende Sitzbank. Die orange Nische neben dem Cheminée und eine pinkfarbige Wand im Gäste-WC sind grelle Farbakzente in einer ansonsten farblich ruhigen Umgebung. Wände und Decken sind weiss, der Wohnraum des Bodens dunkles Nussbaumholz. Auch die offene Küche präsentiert sich schlicht, mit MDF-Fronten in Weiss und Schwarz, die Arbeitsflächen in Edelstahl mit Quetschbug-Kanten. Raffinierte Details werden auch im Dunkeln noch sichtbar: Die Glasrückwände der Küche sind hinterleuchtet, und auch oben auf dem Cheminéeblock ist hinter der Kante indirektes Licht installiert. Viel Wirkung, wenig Kosten.

Lichtspiele
Mit einer selbst erdachten Beleuchtung erhält auch die Treppe ins Schlafgeschoss hinunter eine besondere Note. Ebner hatte die Idee, die Stufen im Antritt mit Lichtschlitzen zu versehen. Unter der Treppe wurde ein Abstellraum eingerichtet. Die Beleuchtung des Abstellraums erhellt gleichzeitig die Treppenstufen. Die untere Wohnebene umfasst zwei je 12 Quadratmeter grosse Kinderzimmer, ein Elternzimmer, das mit einem grossen Kleiderschrank vom vorgelagerten Ruhe- und TV-Raum getrennt ist, ein Bad in leuchtendem Hellblau sowie einen grossen Heiz-, Werk-, Wasch- und Stauraum mit direktem Ausgang in den Garten, zur gern genutzten Gartendusche. Der Heiz-, Wasch- und Mehrzweckraum, der direkt unterhalb des Carports liegt, ist so hoch, dass gut ein Zwischenboden eingezogen werden konnte. In ­diesem nur über eine Leiter zugänglichem Bereich kann verstaut werden, was anderswo auf dem Estrich oder im Keller landet. Denn im Haus ist weder das eine noch das andere vorhanden.

Gut genutzter Aussenraum

Durch bodentiefe Glastüren kommt man von jedem der drei Schlafzimmer auch direkt ins Freie. Das ist wichtig, denn, bei aller Begeisterung für die Innenarchitektur, stellt Ebner doch fest: «Wir sind viel draussen.» Trotz der Hanglage ist der Aussenraum gut nutzbar. Im unteren Bereich wurde der Hang aufgeschüttet, die steile Zone mit dem System «Textomur» zusätzlich befestigt. Die Neuanlage ist begrünt, und der Nachbar unten am Hang ist glücklich über den Blick ins Grüne. Eine Hangsicherung in Form einer Natursteinmauer wurde aus Kostengründen wieder verworfen. Durch die Aufschüttung des Terrains ergab sich eine ebene Fläche unten vor dem Schlaf­geschoss. Hier lädt ein an zwei Seiten von einer Bambushecke umgebener Kiesplatz mit Feuerstelle, Tisch und Bänken zum Aufenthalt ein. Stirnseitig verlängerte ein neben der Küche angelegter grosser Freisitz den Wohnbereich ins Freie. Praktisch ist hier der direkte Durchgang zur Küche, und eine Aussentreppe, die direkt in den unteren Gartenbereich führt.

Oben an der Zufahrtsseite wurde ein Kräutergarten angelegt. Oberhalb des bepflanzten Bords, an der Strasse, steht eine moderne Parkbank, ebenfalls Marke Eigenbau, zusammengefügt aus den Holzlatten, die beim Verschalen der Fassade übrig blieben. Von hier aus kann man bestens den Kindern beim Spielen zusehen. An der vierten Seite des Hauses schliesst sich der Carport an, mit einem Betonbügel steht er bündig am Carport des Nachbarn. Dank gegenseitig gewährtem Näherbaurecht wird die Parzelle optimal genutzt. Gleichzeitig ergibt sich optisch ein einheitliches Bild.

Architekur:
Birri Architekten AG
4332 Stein
www.birri.ch

Ebner Planung & Design, Fabian Ebner
4315 Zuzgen
www.planungdesign.ch


Text: Christine Vollmer, Fotos: Thomas Hämmerli
zusätzliche Informationen in: Das Einfamilienhaus Heft Nr. 3/2011

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