Die Geschichte des Hauses begann mit einem gefalteten Papier und der Frage, wie Architektur und Topografie miteinander in Beziehung gebracht werden können. Wie ist es möglich, ein Einfamilienhaus von immerhin 500 Quadratmetern Grundfläche mit nicht allzu grosser Dominanz am Hang in Erscheinung treten zu lassen? Wie ist es möglich, Räume zu schaffen, die mit der nahen und weiteren Umgebung eine enge Beziehung eingehen? Und wie ist es möglich, zeitgenössische Architektur zu schaffen, die den Menschen und sein Wohlbefinden in den Vordergrund stellt.
Das Einfamilienhaus liegt an einer recht steilen Hanglage in Arlesheim im Kanton Baselland. Aus dieser Gegebenheit heraus entstand die Idee, das Untergeschoss tief und unsichtbar in das bestehende Terrain einzugraben, während das Obergeschoss losgelöst von der Topografie über dem Hang schwebt. Dazwischen öffnet sich das Erdgeschoss als ein fliessender Raum zu seiner Umgebung.
Der Weg ins Haus führt entlang einer in den Hang eingeschnittenen Wand neben dem Vorplatz. Das Entree ist erdbezogen und nur über ein Oberlicht natürlich belichtet. Von hier aus windet sich eine geschwungene Treppe entlang einer erdbraun verputzten Wand hinauf ins Erdgeschoss und führt die Bewohner in die lichtdurchflutete, grosszügige Wohnlandschaft. Hangseitig wandelt sich die Wand zu einer dicht bewachsenen Stützmauer, die sich mit grosser geschwungener Geste in den Hang eingräbt. Eine bodentief verglaste Fensterfront vor der nahen Stützmauer holt diesen eindrücklichen Hangbereich ins Haus.
Verglaste Wohnkanzel mit Austritt
Der Wohnraum öffnet sich über eine beinahe ganzheitliche, raumhohe Verglasung zum Aussenraum. Talseitig schliesst unmittelbar eine grosse Terrasse an und setzt, mit den gleichen beigen Travertin-Bodenplatten belegt, den Wohnraum im Aussenraum fort. Zudem lässt sich die Verglasung zu allen Seiten des Wohnbereichs grossflächig öffnen, was das Gefühl vermittelt, dass dieser Teil des Aussenraums wird und die Natur gleichsam unter dem darüber liegenden Obergeschoss hindurchfliesst. Die schmalen Aluprofile reduzieren zudem die Präsenz der Fenster so sehr, dass auch im geschlossenen Zustand Aussen- und Innenraum miteinander verschmelzen. Die statischen Elemente sind im Erdgeschoss ebenfalls auf ein Minimum beschränkt – eine einzige Stahlstütze ist in diesem Raum sichtbar.
Die Bauherren – Architekt Sacha Marchal und seine Familie – schätzen diesen Raum vor allem im Sommer als Wohn- und Lebensraum, nicht zuletzt wegen des herrlichen Ausblicks ins Tal bis ins Elsass und nach Basel, der sich von der weitläufigen Terrasse eröffnet. An den Wohnbereich schliesst eine ebenfalls offen gestaltete, abtrennbare Küche an, die von den Bewohnern nicht nur zum Kochen und Essen, sondern darüber hinaus als flexibler Wohnbereich genutzt wird. Vor allem die Sitznische beim Küchentisch ist zum Lieblingsplatz der Familie geworden.
Versetzte Räume im privaten Obergeschoss
Ein schmales, beidseitig von einer hölzernen Wand flankiertes Treppenmöbel führt schliesslich ins privatere, zurückgezogenere Obergeschoss, in dem sich die Schlaf-, Büro- und Badezimmer des Hauses befinden. Versetzt und ohne Gangzone sind die Räume einem Labyrinth gleich aneinandergereiht. Im Gegensatz zum Erdgeschoss sind die Fensteröffnungen hier gezielt inszeniert. Auf die Nutzung und die Bewohner abgestimmt sind sie auf verschiedenen Höhen präzis gesetzt und nehmen Ausschnitte der Landschaft in den Fokus. Umlaufende Fenstergewände in Massivholz rahmen diese Ausblicke zu Bildern. Die Räume spiegeln in ihrer liebevollen Detaillierung die Individualität der Bewohner wider. So gibt es beispielsweise im Ankleidezimmer eine im Wandschrank integrierte Schlafkoje mit einem Schiebefenster nach draussen. Wie in einer Schiffskajüte schläft man hier von Zeit zu Zeit sozusagen unter freiem Himmel.
Natürliche und abgestimmte Materialien
Die im gesamten Haus verwendeten Materialien sind naturbelassen und wurden so wenig wie möglich behandelt oder nachbearbeitet. Der Travertinboden im Erdgeschoss und auf der Terrasse ist sägeroh, offenporig und fugenlos verlegt, die massiven Eichenparkettböden sowie Wandverkleidungen sind nur weiss geölt und nicht versiegelt, und der Fassadenputz des Obergeschosses ist ein durchgefärbter Kalkspachtel. Umwelt und Ökologie sind auch bei der Haustechnik ein Thema. Zur Wärmeerzeugung entschieden sich die Bauherren für eine Wärmepumpe auf Basis einer Erdsonde. Eine kontrollierte Lüftung verbessert das Raumklima, erspart im Winter die natürliche Lüftung und reduziert damit die Heizkosten.
Die Architekten legten grossen Wert darauf, dass das Haus in seiner Umgebung eingebettet ist und das Konzept des Hauses sich im Garten fortsetzt. So werden auch hier einzelne definierte Bereiche über sich aufweitende und verengende Wege miteinander verbunden. Schrittplatten aus Jura-Kalkstein führen durch eine üppige, nahezu während des ganzen Jahres blühende Landschaft aus Stauden, Sträuchern und vereinzelten, gezielt gesetzten Bäumen wie einer Magnolie, einem Kirsch- und einem Lebkuchenbaum.
Architektur:
Marchal + Fürstenberger Architekten
4051 Basel
www.mfarchitekten.ch