Regenwasser nutzen heisst Wasser sparen
Der sorgsame Umgang mit dem Rohstoff Wasser macht Sinn – ökologisch und ökonomisch. Eine Regenwassernutzungsanlage für Haus und Garten ist in wenigen Jahren amortisiert.
Hier ist der Wasserspeicher im Garten gleichzeitig dekorativer Blickfang. Foto: Otto Graf GmbH
Nur gerade drei Prozent des Wassers weltweit stehen den Menschen als Trinkwasser zur Verfügung. Weshalb also dieses kostbare Gut für die Gartenbewässerung, die Waschmaschine, die Dusche oder WC-Spülung nutzen, wenn es dazu eine Alternative gibt. Wer Regenwasser nutzt, schont die Natur und das Haushaltsbudget.
Obwohl im Gegensatz zu andern Ländern in der Schweiz in kaum einem Gebiet Wasserknappheit herrscht, wird die nachhaltige Nutzung des Regenwassers immer mehr zum Thema. Grund dafür ist zum einen die Umsetzung des neuen Abwassergesetzes mit Forderungen wie Retentions-, Sicker- und Rückhalteschächten, aber ganz entscheidend auch die steigenden Kosten für den Wasserbezug und die Wasserentsorgung. Die Verunreinigung der Gewässer durch Phosphate, Pflanzenschutzmittel und andere chemische Stoffe macht die Aufbereitung von Trinkwasser immer aufwändiger. Dies zieht unweigerlich eine Erhöhung der Trinkwasserpreise nach sich. Fachkreise prognostizieren eine Verdoppelung der Preise in den nächsten Jahren.
Komplettes Regenwassersystem für Haus und Garten. Grafik: Otto Graf GmbH
Der bewusste Umgang mit Trinkwasser ist aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen sinnvoll. Denn es ist unsinnig, Wasser, das aufwändig aufbereitet und in die Haushalte transportiert wird, für Zwecke zu nutzen, für die Regenwasser reichen würden, und gleichzeitig das Regenwasser ungenutzt in die Kanalisation fliessen zu lassen.
Breites Einsatzgebiet
Geeignete Einsatzgebiete für die Alternative Regenwasser sind die Gartenbewässerung, die Reinigung von Haus, Hof und Geräten, ebenso die Toilettenspülung und die Waschmaschine. Philipp Steiner, im Verkauf/Innendienst bei der Silidur AG tätig, weiss aus der Praxis, dass «davon ausgegangen werden kann, dass bei einem 4-Personen-Haushalt pro Jahr 70000 Liter Trinkwasser eingespart und durch Regenwasser ersetzt werden können. Anders ausgedrückt: Im Haushalt und im Garten können bis zu 50 Prozent Trinkwasser eingespart werden.»
Eine moderne Regenwassernutzungsanlage ist hygienisch unbedenklich und das Regenwasser hat zudem den Vorteil, dass es sehr weich ist und dadurch die Waschmaschine vor Kalk und das WC vor Urinstein schützt und den Pflanzen Gutes tut.
Komplette Systeme für Garten und Haus
Die Technologie der Regenwassernutzung hat sich in grossen Schritten weiterentwickelt. Heute sind nebst einfachen Regentonnen und ober- oder unterirdischen Wasserspeichern für die Gartenbewässerung auch komplette Regenwassernutzungssysteme für die Hausnutzung mit Speicher, Filter, Pumpe und integrierter Trinkwassernachspeisung auf dem Markt.
Heutige Regenwassernutzungsanlagen sind so aufgebaut, dass ausschliesslich Dachflächen mit systematischer Dachentwässerung als Auffangflächen dienen. Das anfallende Niederschlagswasser wird über einen vorgeschalteten oder integrierten Filter der Regenwasserzisterne zugeführt. Vom Speicher wird das Wasser mit Hilfe einer Pumpe über ein getrennt von der Trinkwasserleitung verlegtes Leitungsnetz an die Verbrauchsstellen geführt. Sollte während einer Trockenperiode im Sommer zu wenig Wasser im Regenwasserspeicher vorrätig sein für den Betrieb von WC-Spülung oder Waschmaschine, wird über eine Nachspeisung automatisch auf Trinkwasser umgeschaltet. Der Betrieb ist somit immer garantiert.
Für die Bewässerung des Gartens wird das Regenwasser in einem unter- oder oberirdischen Speicher gesammelt. Bild: Samaco Rain AG
Die Komponenten einer Anlage
- Regenwasserzisterne/Tank. «Welcher Speicher optimal ist, ob Beton oder Kunststoff, im Erdreich oder frei aufgestellt, hängt», so Philipp Steiner, «von den örtlichen Begebenheiten ab. Wichtig ist in jedem Fall, dass der Wasserspeicher so platziert ist, dass eine lichtgeschützte und kühle Lagerung des Wassers gewährleistet ist.» Die Dimensionierung einer Zisterne hängt vom Wasserbedarf und vom Regenwasserertrag ab. Der Wasservorrat sollte für einen Monat ausgelegt werden.
- Filter. Der vorgelagerte Filter verhindert, dass sich Verunreinigungen im Tank ablagern. Herausgefiltert werden Schmutzpartikel wie Blätter, Insekten, Samen oder Vogelkot.
- Pumpe/Steueranlage. Die Pumpe stellt die Wasserversorgung im Haus sicher. Die Anforderungen an sie sind nebst Langlebigkeit und Zuverlässigkeit ein leiser, energiesparender und wartungsfreier Betrieb.
- Trinkwassernachspeisung. Die Versorgung der Haustechnik muss auch in einer Trockenphase oder bei einer Betriebsstörung garantiert sein. Die Nachspeisung greift in diesem Fall automatisch auf das Trinkwasser zu.
- Rohrinstallation. Das Regenwasser muss in einem vom Trinkwasser getrennten Leitungsnetz geführt werden. Kunststoff (Polyethylen und Polypropylen) oder Edelstahl eignen sich wegen ihrer Korrosionsbeständigkeit besonders gut für die Leitungen. Zudem sind diese Leitungen besser vom Trinkwassernetz zu unterscheiden.
Regenwassernutzungsanlagen werden heute von verschiedenen Anbietern als gesamtes System angeboten, mit Preisen ab 5000 Franken (ohne Montage und Aushub) für eine Hauswassernutzung und ab 2000 Franken für eine Gartenbewässerung.
Der durchschnittliche Wasserverbrauch im Privathaushalt beträgt 162 Liter pro Person und Tag, davon rund 1/3 nur für die Toilettenspülung. Quelle: Schweizerischer Verein des Gas- und Wasserfaches SVGW.
Einsatzmöglichkeiten
Regenwasser ist überall dort einsetzbar, wo keine Trinkwasserqualität erforderlich ist: Bei der Toilettenspülung, bei der Waschmaschine, zum Putzen sowie bei der Gartenbewässerung. Damit lässt sich bis 50 Prozent an Trinkwasser einsparen.
- Toilette: Rund 1/3 des täglichen Wasserbedarfs von 162 Litern kann bei der Toilettenspülung eingespart werden. Sie ist der Wasserverbraucher Nummer 1 in Schweizer Haushalten.
- Waschmaschine: Rund 1/5 des Trinkwasserbedarfs wird fürs Wäschewaschen verwendet. Hier kann Regenwasser nicht nur das Trinkwasser ersetzen, die Waschmaschine wird durch deren Gebrauch zusätzlich noch geschont. Denn der Kalkgehalt bei Regenwasser ist um einiges tiefer als jener bei Trinkwasser und der pH-Wert niedriger. Dadurch kann der Waschmittelverbrauch reduziert und das Verkalken verhindert werden.
- Gartenbewässerung: Die Natur dankt für Regenwasser zweifach. Werden die Pflanzen mit Regenwasser getränkt, nehmen sie zusätzlich Mineralstoffe auf. Zudem entlastet das gesammelte Regenwasser die Kanalisation.
Rasch amortisiert
Die Kosten eines Regenwassernutzungssystems sind immer abhängig von der Grösse des Tanks. Eine Komplettanlage mit Regenwasserspeicher für die Hauswassernutzung bekommt man ab circa 5000 Franken (ohne Einbau) (Silidur AG: 5000 Franken, Holinger Solar AG/Vertretung von Otto Graf-Systemen: 5600 Franken, Samaco Rain AG: 6800 Franken).
Ein Regenwasserspeicher für die Gartenbewässerung kostet (ohne Einbau) 2000 bis 3000 Franken. Steigen die Wasserpreise in den nächsten Jahren kontinuierlich weiter, amortisiert sich eine komplette Regenwassernutzungsanlage in sechs bis acht Jahren (ohne Einbaukosten).
Der Regenwasserspeicher wird am gewünschten Standort platziert. Foto: Silidur AG
Text: Daniela Winkler
aus: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 3/2010
Bezugsquellen: