Reizvoller Grenzbereich
Wenn der Himmel zum Greifen nah ist und der Alltag ein bisschen weiter wegrückt, dann ist es da: Das viel zitierte Wintergarten-Feeling. Der Grenzbereich zwischen innen und aussen ist je nach Ausrichtung Sonnenstube oder perfekt ausgeleuchtetes Atelier, je nach Ausmass, Isolation und Beheizung, ganzjährig nutzbarer Wohnraum oder idealer Überwinterungsplatz für Kübelpflanzen.
Der Bau eines Wintergartens kostet Geld. Er ist aber auch eine Investition, die sich fast immer lohnt. Nicht nur rein materiell betrachtet. Das wetterfeste Häuschen am Haus schleust neue Qualitäten ins Leben. Nur durch Glas von der Natur getrennt – hier lebt man mitten im Grünen und doch in den eigenen vier Wänden. Dabei lässt der Anbau mit Rundumsicht fast alles mit sich machen. Ruheoase oder Arbeitsplatz, Lese-Ecke oder Bastelstube, Küche oder Bad – es gibt fast nichts, was nicht geht. Deshalb: Ein Wintergarten ist als Balsam für Körper und Seele.
Als Tüpfelchen auf dem «i» trumpft der architektonische Dialog mit dem Bestehenden auf. Jeder Glasanbau am Haus ist ein Blickfang und ein Element mit einer ganz eigenen formalen Sprache, was zu spannungsreichen Kombinationen führt. Und weil es ihn nicht von der Stange gibt, zeigt er sich immer mit anderem Gesicht. Bei Bauwilligen stiftet die Vielfalt oft mehr Verwirrung als Erleuchtung. Und überall lauern Fallstricke bei der Umsetzung der eigenen Ideen.
Denn vor dem Genuss der schönen Seiten des pfiffigen Anbaus stehen etliche Hürden. So simpel wie sich das kleine Glashaus rein äusserlich nämlich gibt, so kompliziert ist seine Entstehung. Ein ganzes Bündel von technischen, bauphysikalischen, baurechtlichen und energierelevanten Problemen warten auf Lösung, damit alles klappt und nicht ein Frust ohne Ende an den Nerven zerrt. Der unbezweifelbare Garant für ein geglücktes Ergebnis ist – auch wenn sie noch so viel Mühe macht – die gründliche Planung.
Gute Planung zählt
Vor dem ersten Spatenstich steht immer die Überlegung, wofür der Wintergarten gut sein soll. Geht es um mehr Wohnfläche oder nur einfach um mehr Licht und Raumgefühl? Soll ein neues Arbeitsrefugium oder ein Pflanzparadies entstehen? Wo soll der Nachzügler ans Wohnhaus angedockt werden? Zwangsläufig stellt sich dabei gleich die Frage nach der Lage des Anbaus mit Blick auf die Himmelsrichtungen. Abgesehen von persönlichen Vorlieben geht es hier um handfeste technische Probleme. Schliesslich hat jede Seite ihre spezielle Stärke. Die gilt es für die eigenen Wünschen zu nutzen. Vor allem, wenn das Glashaus zwölf Monate lang Spass machen soll. Es soll darin nie zu heiss sein oder zu kalt, keine dicke Luft den Atem abschnüren oder Zug entstehen. Kurzum, es geht ums Wohlfühl-Klima. Da müssen extreme Schwankungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit zwischen Innen- und Aussenraum ausbalanciert werden, da muss man die Wärmedämmung und Heizung auf der einen und punktgenauen Sonnenschutz auf der anderen Seite ins Visier nehmen. Auch die Lüftung spielt eine zentrale Rolle. Nicht zu vergessen das Fundament, auf dem alles steht. Fazit: Wer von Anfang an auf Nummer sicher gehen will, macht sich die eigenen Wünsche klar, stellt eine
Checkliste auf und holt sich für jedes Problem den Rat vom Fachmann. Wenn’s sein muss, sogar von mehreren.
Text: Christine Vollmer und Renate Endres
zusätzliche Informationen in: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 6/2009
und Häuser modernisieren, Heft Nr. 4/2009
Bezugsquellen: