Sinnliche Momente

Die schwedische Designerin Monica Förster entwirft mit weiblichem Charme, Experimentierfreude und Anklängen an ihre nordische Heimat. Sinnlichkeit, Natur und Licht sowie subtile Spannungs- und Bewegungsmomente kennzeichnen ihr Werk.
Monika Förster, Designerin aus Schweden kreierte die Leuchte «Wing» mit balancierenden Metallvögeln. Hersteller: Zero, 2009.

Die schwedische Designerin Monica Förster liebt Naturbezüge sowie Bewegungs- und Überraschungsmomente. Zu ihren Entwürfen gehört ein Raumteiler mit beweglichen Stahlruten, an denen bunte Knöpfe aufgereiht sind. Das Ganze mutet wie Binsengewächse an, die sich im Winde wiegen, und weckt Assoziationen an eine schwedische Seeuferlandschaft. Solche nordischen Anklänge kommen nicht von ungefähr. Monica Förster ist nördlich des Polarkreises in Lappland aufgewachsen, wo die Natur einen starken Einfluss auf die dort lebenden Menschen hat. Ihr Teppich «Cactus» mit seinem unregelmässigen Floor nimmt Bezug auf nordisches Moos und Flechten. Auch das traditionelle Kunsthandwerk der Samen fasziniert die Designerin. Ihr Lederpouff «Esedra» für den italienischen Polstermöbelhersteller Poltrona Frau ist von lappländischen Sitzgelegenheiten aus geflochtenem Stroh inspiriert.

Orte der Geborgenheit

Monica Förster (*1966) entstammt eine kreativen, weltoffenen Familie und absolvierte ihr Studium an der renommierten Beckmans School of Design in Stockholm. Mit experimentellen, unkonventionellen Entwürfen erregte sie erste Aufmerksamkeit. Während der Mailänder Möbelmesse 2004 präsentierte sie «Cloud», eine aufblasbare Cumuluswolke, die als Raum-im-Raum Konzept für Besprechungen, Rückzug oder Ruhepausen gedacht war. Der portable Raum aus weissem Nylongewebe konnte in einem Sack verstaut werden und wog samt Gebläse 12 Kilogramm. «Cloud» weckte Assoziationen an ein schützendes Iglu und war ein Ort der Geborgenheit, wie er für Nordländer so wichtig ist. In diesem Spannungsfeld zwischen Experimentierfreudigkeit und traditionellen Wurzeln bewegt sich die Designerin.
Die aufblasbare Behausung «Cloud» sorgte an der Mailänder Möbelmesse 2004 für Aufsehen.

Die gute Form geht bei Monica Förster immer mit Funktionalität einher. Dies ist in Schweden auch kaum anders denkbar. Ihr Sessel «Spoon» hat die Form eines Löffels und ist überaus bequem. Neu hat sie einen Bürodrehstuhl speziell für Frauen entwickelt, wird doch der Ergonomie am Arbeitsplatz sowie der beruflichen Stellung der Frau in Schweden weitaus grössere Bedeutung beigemessen als anderswo. Schwedische Frauen zeigen sich überaus selbstbewusst und emanzipiert und nehmen im Berufsleben wichtige Positionen ein. So kommt der weibliche Aspekt einschliesslich der Sinnlichkeit in der skandinavischen Gesellschaft stark zum Tragen.

Licht für dunkle Nächte
Schweden ist geprägt durch lange Winter und helle Sommer. Das Licht spielt zu jeder Jahreszeit eine wichtige Rolle. Im Winter brennen unzählige Kerzen in Wohnungen und öffentlichen Gebäuden und bringen Licht und Sinnlichkeit in die lange Dunkelheit. Überwältigend ist die Vielfalt an Kerzen- und Teelichthaltern, die sozusagen eine Paradedisziplin des skandinavischen Designs sind. Auch Monika Förster hat sich diesem urschwedischen Thema angenommen. Ihr Teelichthalter «Flame» umhüllt die Flamme und macht sie zu einem geborgenen Licht, das aus einem schützenden Körper strahlt.


Selbst eine Standardkerze hat für sie noch Gestaltungspotential. Sie kreierte eine 75 cm lange Kerze, die leicht und unregelmässig verbogen ist, als wäre sie aus weichem Wachs. Stellt man mehrere zusammen, addieren sie sich zu reizvollen, fast tänzerischen Bewegungs-Momenten. Auch bei elektrischen Leuchten spielt sie mit subtil mit Licht und Schatten, mit Semitransparenz und Mustern, mit Formen und Farben. Bei «Wing» bilden Metallvögel einen fragilen Lampenschirm. Ein reflektierender Toilettensitz war übrigens ihre Diplomarbeit an der Beckmans School. Die nächtlichen Nordlichter ihrer Heimat scheinen sie hier für das dunkle «Stille Örtchen» inspiriert zu haben.

Nord-Süd-Verhältnis

Monica Förster erhielt 2006 den Excellent Swedish Design Award und wurde 2007 in ihrer Heimat zum «Designer des Jahres» gewählt. Sie arbeitet für schwedische Firmen wie Offecct, Swedese oder Zero. Fuss gefasst hat sie auch in Italien, wo sie mit ihren Entwürfen für Poltrona Frau und Tacchini in die oberste Designliga aufgestiegen ist. Das sonnige Italien scheint auf die Frau aus dem kühlen Norden Anziehungskraft ausgeübt zu haben. Schön, dass auch die Italiener und viele andere an ihr und ihren nordisch geprägten Entwürfen Gefallen finden.
Der Lederpouff «Esedra» ist von lappländischen Sitzgelegenheiten inspiriert. Poltrona Frau, 2007.
Der Teppich «Moon Cactus» erinnert an nordische Flechten und Moose. E & Y Japan, 2003.


Text: Werner Lehmann
zusätzliche Informationen in: Raum und Wohnen, Heft Nr. 08/2009

Kontakt:
www.monicaforster.se