Wohnkunst: Möbelhandwerk von Romeo Sozzi

Romeo Sozzi entstammt einer alten Kunsttischlerfamilie am Comersee. Mit seinem Unternehmen «Promemoria» verknüpft er traditionelles und luxuriöses Möbelhandwerk mit neuen Ideen.
Üppige Liegeinsel: Die Chaise Longue «Gina» besteht aus zwei Teilen und ist mit Seidenvelours bezogen. 2008.
Luxus, Besinnung und Sinnlichkeit — dies könnte das Motto von Romeo Sozzi sein, der die Suche nach Schönheit und Perfektion zu seinem Arbeitsziel gemacht hat. Die raffinierten Einrichtungs-Ggegenstände, die er entwirft und über seine Firma Promemoria herstellt, stellen quasi Archetypen der Wohnkunst dar. Sie verkörpern die Urqualitäten, die ein Sessel, eine Lampe, eine Kommode als solche besitzen sollten, wie grösstmöglicher Komfort, Dauerhaftigkeit, Originalität, Harmonie. Die Idee von Luxus, die sie vermitteln, die Besonderheit ihrer Materialien und handwerklichen Ausführung, ist das Ergebnis eines konsequenten Wegs, der von dieser Uridee zum fertigen Objekt führt.
«Träume und nicht Bedürfnisse sind der Ausgangspunkt meines Schaffens»,
bekennt Sozzi: «Heute haben die Leute alles. Was will man mehr? Träume, die das Gewöhnliche übersteigen.» Seien es nun behäbige Sofas mit weichem Flor, die man zu überdimensionalen Sitzgruppen zusammenstellen kann, oder kleine, mit Samt oder Leder bezogene Hocker, oder Kommoden aus Ebenholz mit Goldblatt überzogen und mit Griffen aus geblasenem Murano-Glas oder handbearbeiteter Bronze: jedes Mal stellt sich spontanes Staunen ein.

Einrichtungs-Haute Couture

Die gleiche Sorgfalt, die man bei einem Kleid der Haute Couture findet, wo jedes Detail, jeder Stich zählt, wo die Qualität des Materials massgeblich ist, appliziert Sozzi auf seine Möbel. Für ihn zählt nur echtes Massivholz, das er mit auserlesenen Stoffen und feinsten Ledern kombiniert. Ein Beschlag kann für Sozzi nur aus handbeschlagener Bronze sein.
 
Romeo Sozzi (*1948), Designer, Künstler, Unternehmer
und Gründer der Möbelmanufaktur Promemoria.

Fast alle Verarbeitungen geschehen an einem Ort bei Lecco, am Ufer des Comersees. Seit vier Generationen beschäftigt sich die Familie Sozzi an diesem Ort mit Kunsttischlerei und Möbelrestaurierung. «Was zwangsweise auswärts verarbeitet wird, wie Bronze oder Metallrahmen, wird immer von kleinen Spezialisten handgefertigt, niemals in einem Industriebetrieb», erklärt Sozzi: «Viele Möbelproduzenten betreiben eine industrielle Fertigung, das heisst grosse Stückzahlen, aber alles ist immer gleich». Demgegenüber stellt Sozzi seine «Limited Editions». Von einer Lampe werden beispielsweise im Zeitraum eines Jahres vielleicht 100, höchstens 150 Exemplare gefertigt. Alle werden einzeln hergestellt und manuell kontrolliert: «Unsere Philosophie ist anders als die der Möbelindustrie. Wir arbeiten mit tradierten Methoden, in kleinen Stückzahlen und auch nach Kundenwunsch», resümiert der Chef von Promemoria.

Heimat und Tradition
Sozzi ist eng mit seiner Heimat und deren Traditionen verbunden, die er auch mit der Veröffentlichung eines Buchs wiederbelebt hat, das die kulinarische Kochkunst alter Gaststätten aus der Region am Comersee mit stimmungsvollen Fotos feiert und die lokalen Rezepte, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, überliefert.

Die Überlieferung der Tradition war für ihn auch wichtig, als er seinerzeit beschlossen hatte, den Familienberuf weiterzuführen. Sein Grossvater und sein Vater führten ihn in die Techniken der Restaurierung und Holzbearbeitung ein, als er noch jung war. Romeo hatte anfänglich nur die Malerei im Kopf. Diese Neigung hatte ihn nach Mailand an die Brera, die Akademie der Bildenden Künste, geführt. Sein Vater erhob allerdings den Einwand, dass Kunstmaler kein Beruf sein könne.
Schliesslich stürzte sich Romeo kopfüber in die Möbelwelt. In der Restaurierungswerkstatt der Familie lernte er Proportionen und Farbverwendung zu meistern. Schon als junger Mann widmete er sich dem Möbeldesign und der Dekoration. Seine Kenntnisse konzentrierten sich auf altes Mobiliar und dessen Restaurierung. Sein Wissensdurst führte ihn auch in Bibliotheken und Buchhandlungen auf die Spuren der Möbelgeschichte. Später reiste er durch Europa und besuchte zahlreiche Museen, um sein Wissen zu vertiefen.

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Auf Erfolgskurs
Romeo half seinem Vater oft bei der Einrichtung von Wohnhäusern renommierter Persönlichkeiten. Diese Erfahrung war es schliesslich, die ihn 1988 zur Gründung von «Promemoria» führte, einem Unternehmen, wo Tradition und Handwerk Bezugspunkt und Inspirationsquelle zugleich sind. Sozzi hat so seinen Traum verwirklicht, «Allerdings war es ein langer Weg», gibt er zu. Der kleine Klapptisch «Battista» brachte den ersten kommerziellen Erfolg. Von da an, meint Sozzi, war er finanziell frei, um weitermachen zu können.

Sozzi hat seinen unverwechselbaren Stil entwickelt und verfeinert, in dem Tradition und Moderne harmonisch zusammenspielen und wo künstlerische Intuitionen und ausgefallene Details eine grosse Rolle spielen. Mit seinen Kreationen werden neben privaten Villen und Appartments auch Hotels, ja sogar Banken und Stiftungen eingerichtet. Ein Beispiel ist das namhafte Park Hyatt Hotel in Tokyo. Promemoria hat heute Showrooms in Mailand, Paris, London und Moskau und vermag dort eine anspruchsvolle Kundschaft anzusprechen. Auch um die Familiennachfolge im Betrieb muss sich Romeo Sozzi wohl keine Sorgen machen, ist doch mit seinen drei Söhnen Stefano, Davide und Paolo bereits die nächste Generation im Unternehmen tätig.

Text: Paola Tamborini
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 10/2009

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