Inspirierende Zusammenarbeit: Intertime und Marchand

Christophe Marchand, der etablierte Schweizer Designer, hat über ein Jahr lang mit dem Schweizer Polstermöbelhersteller Intertime zusammengearbeitet. Es ist das erste gemeinsame Projekt, das dank gemeinsamer Produktvision, dem Willen und der Risikobereitschaft diese zu erreichen, erfolgreich umgesetzt werden konnte. Resultat der engen und intensiven Zusammenarbeit ist «1070 Aurea» – ein Sofa mit einer ergonomisch durchdachten Konstruktion, dessen Design schlicht, aber mit ein paar aussergewöhnlichen Details überrascht. Christophe Marchand im Interview.

Christophe Marchand, Sie haben für Intertime das Sofa «Aurea 1070» entwickelt und entworfen. Welche fünf Worte umschreiben es am bestens?
Christophe Marchand: Genuss, Individualität, Eleganz, Präzision, Grosszügigkeit. 

«Aurea» — ein ungewöhnlicher Name für ein Sofa oder eine Liegelandschaft: Gibt es dazu eine besondere Geschichte oder Bedeutung?

Marchand: «Aurea» weckt die Assoziation an den römischen Lebensstil, als liegend dinieren und geniessen zum Alltag gehörte. Gleichzeitig ist das Sofa auch ein Schmuckstück fürs Eigenheim. Es ist ein Appell an die authentische Erfahrbarkeit des Goldes, als ästhetischer und auch materieller Wert. 

Wenn Design eine Sprache wäre — wie würde diese für «Aurea» klingen?

Marchand: Vertraut, verständlich, fliessend und modern. 

Wenn Sie jetzt mit etwas Abstand auf «Aurea» sehen, wo differenziert es sich von andern Sofas?
Marchand: «Aurea» ist ein Cocktail aus sichtbarer Schlichtheit und unsichtbarer Funktionalität. 

Einer Ihrer Ansprüche ist, mit Design alle Aspekte des Produkts festzuhalten. Welche Aspekte haben sich bei «Aurea» manifestiert? 
Marchand: «Aurea» ist eine Vermählung von klassischer Ästhetik und praktischer Innovation — und das ist reizvoll wie herausfordernd. Die unsichtbaren Mehrwerte verbessern das individuelle Befinden, dürfen aber die Form des Möbelstückes nicht dominieren. Das macht schlussendlich dieses Möbel schlicht und einladend. 

Ihnen ist der Mensch wichtig. Wo haben sie beim Sofa «Aurea» die menschliche Aspekte integriert?
Marchand: Menschliche Bedürfnisse müssen auf jeder Alterstufe betrachtet werden. So entsteht eine breite Variation von Nutzungsmöglichkeiten und Vorlieben. Der Mensch darf nicht auf eine Zielgruppe oder Käuferschaft reduziert werden – Menschen bedeuten Familie, Ordnung und Chaos, Intimität und Repräsentation, Dialog und Einsamkeit. Ein Sofa sollte nichts vorgeben und möglichst viel zulassen, aber dennoch gezielte Unterstützung im Alltag liefern. 

Zum Schluss noch ein paar kurze und persönliche Statements: Ist Kreativität eine ererbte Gabe oder eine antrainierte Fähigkeit? 
Marchand: Von klein auf wollte ich diesen Beruf ergreifen. Dabei habe ich vieles von Personen gelernt, die mich mit Rat und Tat unterstützten und auf meinem Weg begleiteten. Zwischen Gabe und Errungenschaft lässt sich somit keine klare Trennlinie ziehen. Im Raum steht immer die Frage: Kann ich es — oder will ich es. 

Wie viel muss man bei einem Entwurf riskieren, um sich als Designer treu zu bleiben?
Marchand: Alles!

Was inspiriert Sie zu Ihren Entwürfen? 

Marchand: Mich inspiriert einiges — darunter auch Kunst, Musik und Technik. Was mich immer von neuem beflügelt, ist die Materialisierung einer einfachen Idee, die in einem komplexen Prozess mündet. Diese intensive, aber spannende Phase gilt es durchzustehen, um sich von der Einfachheit des Resultates verblüffen zu lassen.

 

aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 12/09-01/10
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