Designbüro Eoos: Ritual und Fortschritt

Das Wiener Designbüro Eoos arbeitet im Spannungsfeld von Ritual und Fortschritt, von Archaischem und Technologischem. Mit dieser Methode hat es sich international einen Namen gemacht und einen neuen Entwurfsansatz entwickelt. Entstanden ist eine breite Produktpalette von Möbeln bis hin zu zukunftsweisenden Lösungen für Küche und Bad.

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Wie nutzt man heute eine Badewanne oder eine Dusche und wie entdeckt man den uralten Mythos des Wassers und dessen Bezug zum Menschen neu. Diese Frage stellte sich das Designstudio Eoos aus Wien, als es darum ging, neuartige Produkte für den Sanitärhersteller Duravit zu entwickeln. Gerade beim Bad vermischen sich Vergangenheit und Zukunft, wird das uralte Thema der Körperreinigung und der menschlichen Rituale neu und zeitgemäss interpretiert. Schon der französische Stardesigner Philippe Starck hat bei seinen Bad-Kollektionen für Duravit archaische Dinge wie Eimer, Zuber, Schwengelpumpe aufgegriffen und sie auf seine Art spielerisch interpretiert. Eoos geht dagegen analytisch vor. Man sucht nach intuitiven Bildern, Ritualen, Geschichten, die sich hinter dem jeweiligen Designproblem verbergen. Ausgehend von der Kultur des Menschen werden Sinn und Funktion von Gestaltung hinterfragt, selbst banale Faktoren, um Platz zu machen für völlig neue Sichtweisen. «Poetische Analyse» nennt das Wiener Designstudio seine Arbeitsmethode. Durch solche Transformationen entstehen neue Konzepte für Kunden, nicht nur aus der Sanitärbranche.

Mythologische Vorzeichen
Hinter dem Namen Eoos steckt das Designertrio Martin Bergmann (*1963), Gernot Bohmann (*1968) und Harald Gründl (*1967). Die drei erkannten die besonderen Synergien ihrer Gaben bereits während des gemeinsamen Studiums an der Wiener Hochschule für Angewandte Kunst in der Meisterklasse Design bei Paolo Piva. Dieser lenkte ihren Blick auf den historischen Kontext und das Einbinden von Traditionen, als Grundlage kreativen Entwerfens und gestalterischen Fortschritts. Der Name Eoos entstammt der griechischen Mythologie und findet sich bei Ovids «Metamorphosen». Eoos ist eines von vier geflügelten Pferden, die den Himmelswagen des Sonnengottes Helios ziehen. Der Name des Designbüros lässt somit den Mythos anklingen. Eoos ist vom Design beflügelt und zieht als ungestümes Gespann seine Bahn.

Auftakt für Walter Knoll
1995 gründeten die drei Designer ihr gemeinsames Atelier. Einer ihrer ersten Aufträge war der Sessel «Jason» für Walter Knoll. Er war der Auftakt für die erfolgreiche und anhaltende Zusammenarbeit mit dem namhaften deutschen Polstermöbelproduzenten. Der junge Unternehmer Markus Benz hatte zwei Jahre vorher die Traditionsmarke übernommen und schickte sich an, sie zu bewahren, zu beleben und erfolgreich fortzuführen. Eoos hat im Laufe der Jahre zahlreiche innovative Möbel für Walter Knoll entworfen, darunter Modelle wie der Sessel «Andoo» (2006), das Sofasystem «Living Landscape» (2007) oder der Stuhl «Cuoio» (2010). «Andoo» wirkt vertraut und aufregend neu zugleich. Bei «Living Landscape» kann durch drehbare Eckelemente die Blickrichtung des Sofas immer wieder neu definiert werden, wodurch flexibel auf verschiedenste Raumanforderungen reagiert werden kann. «Cuoio» versteht sich als moderner Archetyp eines minimal erscheinenden, doch raffiniert gelösten Ledersessels mit filigranem Stahlrohrgestell. In diesem Jahr wurden das Polstermöbel «Jaan» sowie das Sofa «Living Platform Loft» präsentiert. «Die Geschichte von Walter Knoll fasziniert uns und wir sind bestrebt, sie mit neuen, passenden Produkten fortzusetzen», lässt Eoos verlauten.

Zahlreiche Kunden und Auszeichnungen
Heute arbeitet Eoos für namhafte internationale Hersteller aus verschiedenen Sparten. Über 50 internationale Auszeichnung hat man bereits erhalten, darunter 2004 den italienischen Designpreis Compasso d’Oro für das Sofa «Kube» des italienischen Hersteller Matteograssi. Für den Gartenmöbelhersteller Dedon entstand die Liege «Summercloud» (2008), deren schützendes Sonnensegel wie ein Palmwedel Schatten spendet. Es ist mit einem Tellerfuss verbunden, auf dem sich die Liege drehen lässt. «SummerCloud» wirkt vertraut und avantgardistisch zugleich. In Anlehnung an die Natur und Urformen des Schattenspendens ist es auch ein innovatives Produkt.

Neue Konzepte fürs Bad
Die Stärke von Eoos liegt darin, aus der Kraft archaischer Bilder neue Entwürfe zu generieren. Inspirationen, die sie mittels poetischer Analyse in modernste Hightech-Produkte transformieren. Dadurch gelang es ihnen bereits in der Vergangenheit, äusserst emotionale Produkte zu schaffen, vor allem zum Thema Wellness im Bad. Wellness ist für Eoos auch immer eine Geste. Den Auftakt machte die trapezförmige Wanne «Paiova» (2004) für Duravit, eine neuartige Lösung für das Bad zu zweit, die nicht nur der Körper-, sondern auch der Beziehungspflege dient. Bei «Sundeck» (2006) stellten sie die Wanne ebenfalls in einen neuen Kontext. Sie eignet sich für den In- und Outdoor-Bereich und wird mit einer Abdeckung zum Liegemöbel im Bad oder Garten. Auch die Sauna hat Eoos mit «Inipi» (2009) neu interpretiert. Das Konzept vereint die archaische Schwitzhütte mit modernen Wellnessformen und neuster Technik. Eine Besonderheit ist die Fernbedienung in Form eines handlichen Kieselsteines, der haptisch als Handschmeichler dient und an einen Schwitzstein erinnert, wie er schon zu Urzeiten verwendet wurde. Der Name «Inipi» entstammt dem Reinigungsritual der nordamerikanischen Lakota-Indianer, bei dem Steine zuerst im Feuer erhitzt und dann zeremoniell in eine Schwitzhütte getragen wurden.

Offensive an der diesjährigen ISH
Gleich mit zwei neuen Produkten von Eoos wartete Duravit an der diesjährigen Sanitärmesse ISH in Frankfurt auf. Mit einer Geste öffnet der Badbenutzer eine Möbelklappe – und schon wird die Bühne frei für eine neue Form der Badekultur: das Floating. Dies bedeutet, sich einfach im Wasser treiben lassen, das Gefühl der Schwerelosigkeit geniessen und völlig relaxen. Für genau diese Entspannung steht der Name «Nahho». Er stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet Einbaum. Dass man sich in einer Wanne genauso entspannt treiben lassen kann wie in einem Einbaum, dafür braucht es natürlich ganz bestimmte Voraussetzungen. Wichtigster Parameter ist eine völlig entspannte, das heisst völlig ausgestreckte Haltung. Dafür sorgt «Nahho» mit einer speziellen Kopfstütze. Eoos hat sich dafür von «Buschmännern» aus Holz inspirieren lassen. Sie wurden früher in Äthiopien verwendet, um während des Schlafens vom Boden abgehoben und gegen Ungeziefer geschützt zu sein. Nach diesem Vorbild schufen die Designer einen modernen, organisch geschwungenen Buschmann, der den Nacken des Badenden sanft umfängt und so den Kopf über Wasser hält. Wer sogar die Ohren unter Wasser haben möchte, nimmt den unteren Teil des Buschmannes einfach ab und taucht noch tiefer ein. Das Hörvergnügen perfekt macht ein eigens entwickeltes Soundmodul.

Neben Baden und Floaten nahm Eoos erstmals auch das Thema Duschen auf. Auf der Suche nach gleichzeitiger Entlastung des Bades entwarfen sie «OpenSpace», eine Duschabtrennung, die nach Gebrauch weggeklappt werden kann und zur diskreten Wandverkleidung wird, hinter der Armaturen, Brausen, Duschgels und Shampoos bestens versteckt und aufgeräumt sind. So öffnet diese neue Form der Abtrennung nicht nur optisch den Raum, sondern erweitert den Bewegungsradius im Bad – ein Vorteil besonders bei kleinen Bädern.

Teamarbeit
Das Büro von Eoos versteht sich als Kreativteam und umfasst heute circa 15 Mitarbeiter. Wie selbstverständlich erscheint ihr Design und überrascht doch mit ungewöhnlichen Konzepten. «Wir versuchen Antworten auf neue Lebensweisen und Bedürfnisse zu geben, nur so können in Zukunft mehr Menschen ein besseres Leben auf der Welt führen.» Nicht nur Produkte rücken bei Eoos in einen neuen Kontext, sondern auch Räume. Dinge und Orte werden durch das Zelebrieren von Ritualen aufgeladen und bekommen so eine poetische Kraft. Räume mit dieser poetischen Kraft sind für Eoos etwa der Stephansdom in Wien, die Markuskirche in Venedig oder der Dom zu Krakau. Nur beim dem, was dort traditionellerweise an Ritualen stattfindet, sieht das Designertrio eine Wandlung: «Rituale werden zunehmend aus dem sakralen Kontext in die Konsumkultur verschoben. Dies bedeutet eine neue Verantwortung für Designer und Unternehmer gegenüber der Gesellschaft.»

Text: Werner Lehmann
aus:
Raum und Wohnen, Heft Nr. 10/2011

Bezugsquelle:

Eoos
Zelinkagasse 2/6
A-1010 Wien
Tel. 0043 1 405 39 87
www.eoos.com
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