«Unsere Teppiche erzählen alle eine Geschichte»

Die Firma Karpet aus Zürich hat sich auf Filzteppiche aus Kirgistan spezialisiert, die in der Schweiz noch wenig bekannt sind. Die von Nomadenfrauen gefertigten Unikate stehen für Authentizität sowie traditionelles Handwerk und bereichern mit ihren Farben sowie Mustern auch unser modernes Wohnen.

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23.05.2011 13:00:57 - Elke Leibold - 11  Bilder
Ein Interview mit der Kunsthistorikerin Noemi Haag, die zusammen mit Roger Renggli das Unternehmen gegründet hat..

Was bedeuten für Sie Teppiche?
Ein Teppich gehört für mich in eine Wohnung, genauso wie Tisch, Stuhl und Bett. Er befriedigt unser Bedürfnis nach sanften Materialien und verbindet einzelne Möbelstücke zu einem sinnvollen Ganzen.

Was ist das besondere an Filzteppichen aus Kirgistan?
Kirgisische Filzteppiche sind in Material und Machart weltweit einzigartig. Sie faszinieren mit ihren archaischen und grosszügig-modernen Mustern. Filz als Material hat eine besondere, sehr angenehme haptische Qualität. Die Teppiche von Karpet erzählen alle eine Geschichte: sie haben einen Ausweis – ein Foto der Frau, die das Kunstwerk hergestellt hat. Die handgemachten Unikate erfüllen das Bedürfnis nach Authentizität in einer hektischen und globalisierten Welt.
Wie kam es zu Ihrer privaten und beruflichen Leidenschaft für diese Teppiche? Auf einer Reise. Bei den Nomadenfamilien konnten wir feststellen, wie tief verwurzelt die Tradition ist und wie schön diese Kunstwerke im Raum wirken. Begeistert vom Gesehenen und mit einem feinen Gespür für schöne Dinge war uns klar, dass wir diese Kunstwerke nach Europa bringen möchten.

Sie sind Kunsthistorikerin und haben sich mit Design beschäftigt. Wie sehen Sie kirgisische Filzteppiche aus diesen Blickwinkeln?
Filzen ist eine der ältesten textilen Kulturtechniken und in den nomadischen Traditionen Zentralasiens stark verbreitet. Im Westen sind kirgisische Teppiche noch eine Seltenheit. Sie werden nur in einzelnen Museen im Kontext der Völkerkunde rezipiert. Die kirgisische Musterungstechnik ist weltweit einmalig: Ausgeschnittene Ornamente werden entgegengesetzt ineinander gelegt und mit einer Kordel zusammengenäht. Dieses Filzmosaik wird auf ein gleich grosses Stück Filz zu einem doppellagigen weichen Teppich gequiltet. Der Filz erlaubt ein freieres und gerundeteres Zeichnen von Mustern als Knüpftechniken und Kelimgewebe mit senkrecht zueinander stehenden Fäden.

Worauf sollte man beim Kauf eines Teppichs und speziell bei einem Filzteppich aus Kirgistan achten?
Der Teppich soll erst einmal faszinieren und im Herzen berühren. Die Wolle muss solide gefilzt sein, die Kordel harmonisch verlaufen und die Quiltstiche sollen genügend eng sein. Unsere Herstellerinnen müssen in jedem einzelnen Punkt unseren hohen Anforderungen gerecht werden.

Sie haben Ihre Produkte während den Möbelmessen in Köln und Mailand präsentiert. Was für ein Publikum hatten Sie dort?
Wir sind fasziniert von der enormen Breite unserer Kundschaft. Grafiker und Designer, Geschäftsleute, aber auch Museumsdirektoren und Zahnärzte gehören dazu. Gemeinsam ist ihnen die Affinität zu hochwertigem Wohnen.

Wie sehen Sie die Zukunft für das kirgisische Filzteppich-Handwerk?
Die Wertschätzung aus dem bewunderten Westen hilft, das Bewusstsein für den Wert der eigenen Tradition zu stärken. Wir sind bestrebt, mit den Herstellerinnen eine langfristige Zusammenarbeit aufzubauen. Die Frauen haben dadurch die Möglichkeit, ein eigenes Einkommen zu generieren und gleichzeitig das einmalige Kunsthandwerk aufrecht zu erhalten.

Gibt es Werke, von welchen Sie sich nicht mehr trennen können?
Da wir alle Teppiche vor Ort eigenhändig suchen und auswählen, haben wir eine sehr starke Bindung zu den einzelnen Stücken. Manchmal tut die Trennung weh. Umso schöner ist es aber zu sehen, wo die Prachtstücke schlussendlich zu liegen kommen und den neuen Besitzern Freude bereiten!


Filzteppich von Karpet

aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 05/2011

Bezugsquelle:

Karpet GmbH
Habsburgstr. 26
8037 Zürich
Tel. 044 272 47 43
www.karpet.ch
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