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Heizsysteme im Vergleich

Die Heizung ist eine grosse Investition. Wichtig ist, das System mit Bedacht zu wählen. Es empfiehlt sich, eine Auslegeordnung zu machen und sich beraten zu lassen. Die Heizung muss zum Haus, aber auch zu den Zielen des Eigentümers passen.

 
Um dem Wunsch nach guten und leicht zugänglichen Informationen nachzukommen, beschreitet die ZT Fachmessen AG neue Wege: An der Bau- und Energie Messe Bern im letzten Jahr hatten die Besucher und interessierte Hauseigentümer die Möglichkeit, halbstündige Beratungstermine zu buchen.zoom
Um dem Wunsch nach guten und leicht zugänglichen Informationen nachzukommen, beschreitet die ZT Fachmessen AG neue Wege: An der Bau- und Energie Messe Bern im letzten Jahr hatten die Besucher und interessierte Hauseigentümer die Möglichkeit, halbstündige Beratungstermine zu buchen.
 

Jedes Jahr sehen sich Zehntausende von Hauseigentümern mit der komplexen Frage konfrontiert, aus einer grossen Vielfalt an Varianten die passende Heizung zu finden. Sowohl beim Kauf respektive Neubau als auch im Gebäudebestand ist der Entscheid von grosser Tragweite. Die Kosten einer Investition sind beträchtlich. Hinzu kommt, dass der Eigentümer mit seinem Entscheid die Weichen für die nächsten 20 oder 25 Jahre stellt. Sein blaues Wunder erlebte zum Beispiel Martin W. aus dem Kanton Solothurn: Eine Umrüstung auf erneuerbare Energie für sein 40-jähriges Einfamilienhaus war so gut wie beschlossene Sache. «Saubere Energie und Nachhaltigkeit haben für mich Priorität», so der Hauseigentümer. Bei einem Installateur aus dem Dorf holte er eine Offerte für eine moderne Wärmepumpe mit Erdsonde ein.

Doch die weiteren Abklärungen und die grobe Kostenschätzung waren für den Hauseigentümer ernüchternd: Die Kosten für die Umrüstung gingen durchs Dach. Die Wärmepumpe an sich, die aufwändige Tiefenbohrung für die Erdsonde, die Entsorgung der alten Anlage, notwendige Anpassungsarbeiten etc. summierten sich rasch auf über 60 000 Franken. Martin W. holte den Rat eines befreundeten Architekten ein. Dieser belehrte ihn, dass vor allem das Gebäude verbessert werden müsste. Denn nicht nur das bisherige Heizsystem, sondern auch die Gebäudehülle, das Dach und die Fenster waren in die Jahre gekommen. Möglicherweise blüht dem Eigentümer in einer solchen Situation eine teure Fehlinvestition: Denn wenn das 40-jährige Wohnhaus später doch vom Keller bis zum Dach generalüberholt wird, ist die neue Heizanlage zu gross dimensioniert, und sie arbeitet über Jahre ineffizient.

Robert Diana, Leiter des Fachbereichs Heizung bei Suissetec: «Entscheidend ist, möglichst frühzeitig einen Planer, Installateur oder Energieberater mit der Beurteilung des Gebäudes zu beauftragen.» zoom
Robert Diana, Leiter des Fachbereichs Heizung bei Suissetec: «Entscheidend ist, möglichst frühzeitig einen Planer, Installateur oder Energieberater mit der Beurteilung des Gebäudes zu beauftragen.» 

Ganzheitlich planen
Eine erste Schlussfolgerung: Die Heizung, die Gebäudetechnik und der bauliche Zustand müssen als zusammenhängendes System betrachtet werden. Ob Neubau oder Sanierung: Es lohnt sich, die Ausgangslage gründlich zu analysieren und sehr sorgfältig zu planen. Dabei sollte man nicht einfach einem Installateur einen Auftrag erteilen. Hauseigentümer sind besser gegen Fehleinschätzung gewappnet, wenn sie sich beraten lassen und auch eine Zweitmeinung einholen. Anlaufstellen dazu sind geschulte Spezialisten, etwa Energieberater der Stadt oder Gemeinde. Robert Diana, Leiter des Fachbereichs Heizung beim Branchenverband suissetec, empfiehlt: «Entscheidend ist, möglichst frühzeitig einen Planer, Installateur oder Energieberater mit der Beurteilung des Gebäudes zu beauftragen.» Dass vor allem im Bestand und bei älteren Gebäuden Erneuerungen und Umrüstungen zu wenig konsequent erfolgen, hat nach Einschätzung des Experten vielfältige Ursachen. Eine Rolle spiele etwa, dass die neueren, strengeren Energiegesetze erst in ganz wenigen Kantonen in Kraft seien. Nicht zu vergessen sei die Tatsache, dass heute eine ansehnliche Zahl von Hauseigentümern älter als 65 Jahre sei. «Dabei noch umfangreiche Investitionen in eine Liegenschaft, insbesondere in die Gebäudetechnik, zu tätigen, fällt vielen schwer. Und wenn schon, dann erfolgen diese eher in neue Küchen und Bäder», sagt Experte Diana.

Weniger problematisch sind hingegen diese Evaluationen und Planungen im Neubau. Das fängt schon damit an, dass heute die meisten grösseren Generalunternehmer und Hersteller von Systemhäusern eigene Gebäude- und Energietechnikabteilungen haben. Eine Umfrage unter mehreren grossen Akteuren im Neubau zeigt, dass deren Kunden heute Ökologie und Nachhaltigkeit hoch gewichten. Alain Barmettler von der Renggli AG sagt dazu: «Im Fokus sind derzeit Heizsysteme im Niedertemperaturbereich respektive Systeme mit erneuerbaren Energie.» Damit meint er vor allem Wärmepumpensysteme mit Erdsonde, aber auch Luft- und Grundwasser-Wärmepumpen. Als Gründe dafür nennt er das gesteigerte Umweltbewusstsein vieler Bauherrschaften, die Vorgaben bei der Gesetzgebung sowie letztlich auch die attraktiven Förderprogramme der Kantone und Gemeinden. Tatsache ist, dass heute viele Bauherrschaften – oft auch private – wesentlich besser als früher im Bild sind, etwa zu Umweltaspekten, Energieverbrauch und Nachhaltigkeit.

Sicht des Energieberaters
Je nach Fragestellung und je nach Komplexität berichten Experten aber auch, dass unabhängige Anlaufstellen und geschulte Ingenieure und Fachplaner zu wenig oft aufgesucht werden. Der Energieberater Gabriel Burki hält dazu fest: «Private Bauherrschaften und Hauseigentümer sind teils nicht im Bild über die Anlaufstellen und Beratungsmöglichkeiten.» Burki ist Inhaber der Firma Bauphysik Schweiz GmbH und bietet im Auftrag der Kantone Solothurn und Aargau Beratungen an. Für Private sei es «nicht ganz einfach, den Durchblick zu haben». Das fängt schon damit an, dass die Beratungsangebote je nach Kanton unterschiedlich sind und unterschiedlich ablaufen. Was nach Einschätzung des Energieberaters meist gut ankommt, ist eine niederschwellige, zunächst unverbindliche Beratung: Der Hauseigentümer hat mit dieser Dienstleistung ein Zeitfenster von rund einer Stunde, um sein Anliegen zu unterbreiten und sich den Rat eines Experten erteilen zu lassen. Bietet der betreffende Kanton eine solche Energieberatung auch noch kostenlos an, wird sie erfahrungsgemäss rege genutzt. Etwas höher liegt die Einstiegshürde, wenn die Abläufe komplexer und auch kostenpflichtig sind (Erstellung von genaueren Analysen und Berichten etc.). «Parallel zu dieser sehr unterschiedlichen Praxis kennt auch jeder Kanton sein eigenes System, was Subventionen und Förderbeiträge betrifft», erläutert Energieberater Burki weiter. So gebe es keine klare und einheitliche Linie, welche Förderbeiträge für welche energetischen Massnahmen beansprucht werden können. Kurz gesagt: Jeder Eigentümer muss in seinem Kanton nachfragen.

Jürg Kärle, ZT Fachmessen AG: «Kaum ein Wohnhaus gleicht dem anderen. Es braucht praktisch immer eine individuelle Beratung, wenn es um die Wahl eines Heizsystems und um das Thema Heizungsersatz geht.»zoom
Jürg Kärle, ZT Fachmessen AG: «Kaum ein Wohnhaus gleicht dem anderen. Es braucht praktisch immer eine individuelle Beratung, wenn es um die Wahl eines Heizsystems und um das Thema Heizungsersatz geht.»

Nach der Erfahrung von Gabriel Burki entscheiden sich in bestehenden Gebäuden beim Stichwort Heizungsersatz nach wie vor viele private Bauherrschaften wieder für fossile Energieträger. Als Motive und Ursache nennt er verschiedene Faktoren: Eine Umrüstung auf eine Wärmepumpe auf Basis erneuerbarer Energie ist zum Teil mit höheren Initialkosten verbunden. «Wenn man dann einem Hauseigentümer auch noch erläutern muss, dass es sich bei diesem System um eine Niedertemperaturheizung handelt, wird es erst recht kompliziert», sagt Experte Burki. Sobald der Hauseigentümer realisiert, dass er als erstes das Haus renovieren beziehungsweise die Wärmedämmung verbessern müsste, sprengt dieses Gesamtpaket bald einmal den Kostenrahmen. Die Schlussfolgerung daraus: Wenn immer möglich sollten Hauseigentümer zunächst die Verbesserung der Gebäudehülle im Fokus haben. Wenn die Wärmeverluste dadurch deutlich gesenkt werden können, ist in einem zweiten Schritt eine Umrüstung auf eine Niedertemperaturheizung sehr sinnvoll und auch in jeder Hinsicht kostengünstiger.

Auch in Zukunft mit Öl und Gas?
Laut Experte Gabriel Burki kommt es vor, dass solche grundlegenden Entscheide ganz einfach aufgrund von Fehlinformationen gefällt werden. Als im Kanton Solothurn die öffentliche Diskussion über ein neues Energiegesetz lanciert wurde, haben nicht wenige Hauseigentümer noch rasch einen Heizungsersatz an die Hand genommen. Anstoss waren teils «populäre Irrtümer» – etwa die vorgefasste Meinung, dass im Zug strengerer kantonaler Bau- und Energiegesetze künftig keine fossilen Heizungen wie Gas oder Öl in bestehenden Gebäuden eingebaut werden dürfen. Richtig ist aber, dass auch bei verschärfter Gesetzgebung kein Verbot von fossilen Brennstoffen in Sicht ist. Im Kern geht es aber darum, den Anteil erneuerbarer Energie im Betrieb von Gebäuden zu erhöhen und wenn immer möglich auch die Energieeffizienz zu verbessern.

Auch Beat Gasser, Energieberater bei der Erdölvereinigung, rechnet nicht mit einem Verbot von fossilen Brennstoffen: «Ein Verbot zeichnet sich bis jetzt nicht ab.» Für ihn ist es aber nachvollziehbar, dass vor allem Hauseigentümer von älteren Gebäuden mit älteren Heizanlagen den Eindruck haben, unter Zeitdruck zu kommen. «Auch wenn kein Verbot in Sicht ist, wird mit den neuen kantonalen Energie- und Baugesetzen der Druck höher, und die formelle Umsetzung erweist sich oft als komplizierter.» Nach bisheriger Rechtslage in den meisten Kantonen sei meist ein 1:1-Ersatz möglich gewesen. Sobald aber ein Kanton die Gesetze anpasst und die wesentlichen Punkte der Musterbauvorschriften MuKEn 2014 umsetzt, wird es etwas komplizierter: «Der administrative Aufwand und die ganzen Abläufe werden dann ohne Zweifel aufwändiger», sagt Experte Gasser.

Gabriel Burki, Energieberater Kantone Solothurn und Aargau: «Eine Umrüstung auf 
eine Wärmepumpe auf Basis erneuerbarer Energie ist zum Teil mit höheren Initialkosten verbunden. »zoom
Gabriel Burki, Energieberater Kantone Solothurn und Aargau: «Eine Umrüstung auf
eine Wärmepumpe auf Basis erneuerbarer Energie ist zum Teil mit höheren Initialkosten verbunden. »

Planung für Altbauten – was gilt?
Gerade der Hauseigentümer mit noch älteren Anlagen kommt dann vermehrt unter Zugzwang, eine von mehreren Lösungsvarianten umzusetzen. Dazu gehört eine Energieeinsparung, etwa durch eine bessere Gebäudehülle oder eine teilweise Abdeckung des Bedarfs mit erneuerbarer Energie. «Das ist aber nur zu höheren Kosten möglich», erläutert Beat Gasser. Während ein 1:1-Ersatz heute noch für 18 000 bis 20 000 Franken möglich ist, werden Umrüstungen auf der Basis MuKEn 2014 teurer. Denn wenn der Eigentümer die Anlage noch mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe oder mit Solarthermie kombinieren muss, kommt ihn diese Investition auf rund 35 000 Franken zu stehen. Ein anderer Ausweg besteht darin, die Gebäudehülle oder die Fenster zu verbessern. Schafft ein älteres Gebäude die Energieetikette D nach dem Gebäudeenergieausweis der Kantone GEAK, ist auch weiterhin eine Versorgung mit fossilen Brennstoffen ohne zusätzliche Investitionen und Anpassungen möglich. Umfassend gedämmte Altbauten und Gebäude, die nach 1990 erstellt worden sind, erfüllen meist die Voraussetzung der Kategorie D.

Wer als Hauseigentümer das Dossier Heizung an die Hand nimmt, sollte schliesslich auch an die üblichen Auflagen und Bewilligungsverfahren denken. Die administrativen Hürden vor allem beim Ersatz der Heizung und bei Sanierungen werden vielfach unterschätzt. Eine neue Anlage mit einer modernen Luft-Wasser-Wärmepumpe setzt in der Regel eine ausdrückliche Baubewilligung und zusätzlich einen Lärmschutznachweis voraus. Dazu kommt, dass die Verfahren und Auflagen je nach Gemeinde abweichen können. Auch der andere gängige Typ Wärmepumpen mit Erdsonde (welche die Energie aus dem Untergrund beziehungsweise dem Grundwasser schöpfen) ist an eine ausdrückliche Bewilligung geknüpft; die damit verbundenen Bohrungen sind zudem nur in bestimmten Zonen gestattet. Fazit: Eine gründliche Planung und genauere Abklärungen machen sich in jedem Fall bezahlt. Haus- und Stockwerkeigentümer sollten das Thema nicht auf die lange Bank schieben. Denn wenn eines Tages die Heizung überraschend ihren Dienst versagt, müssen sie unter Zeitdruck handeln.

 

Text: Jürg Zulliger
aus: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 2/2019

 
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