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Qualität lässt sich bei Fenstern definieren

Was macht ein gutes Fenster aus? Die Frage stellen sich Tausende von Hauseigentümern. Das Studium von unabhängiger Fachinformation lohnt sich – vor allem vor dem Kauf.

Bevor Sie Ihre Fenster erneuern, checken Sie messbare und überprüfbare Kriterien.
Bevor Sie Ihre Fenster erneuern, checken Sie messbare und überprüfbare Kriterien.
 

Stolz zeigen die Freunde ihr erneuertes Haus – Besichtigung, essen, schwatzen. Doch ein Blick auf die Fensterscheiben zeigt: die Verglasung «schwitzt», das Kondenswasser rinnt. Das Kochen verstärkt den Effekt noch. Deshalb Fenster auf! Jetzt wird sichtbar: Das Fenster hat nur eine äussere Dichtung und die billigen Beschläge sitzen locker. Gute Fenster sehen anders aus! Zwar lässt sich tatsächlich mit günstigen Fenstern Geld sparen. Aber ein Rabatt von beispielsweise 20 Prozent gegenüber Qualitätsfenstern rechtfertigt diese Vielzahl von Mängeln nicht.

Produktequalität in Zahlen prüfen
Der Fenstermarkt in der Schweiz prosperiert. Dies garantiert eine grosse Innovationsquote und führt aber auch zu zweifelhaften Angeboten, die Hausbesitzer tunlichst meiden sollten. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, empfiehlt es sich, messbare und überprüfbare Kriterien bei der Auswahl der Fenster anzuwenden. In der Checkliste sind die wichtigsten Kriterien aufgeführt. Auch das fördert letztlich die Qualität der Produkte. Und diese Qualitätssteigerung in den letzten Jahrzehnten ist durch bauphysikalische Daten dokumentiert. Das gilt vor allem hinsichtlich des Wärme-, Schall- und Feuchteschutzes. Hätten die Freunde Fenster mit Dreifachverglasung und einem Glasrandverbund aus Kunststoff statt Aluminium gewählt, wäre kein Kondenzwasser beim Kochen entstanden. Eine zweite, innere Dichtung hätte zusätzlich verhindert, dass warme Luft in den Zwischenraum zwischen Flügel- und Blendrahmen gelangt.

Holz, Kunststoff oder Metall?
Der grösste Vorteil von neuen Fenstern liegt wohl im Komfort. Denn alte Fenster strahlen Kälte in den Raum ab, sodass der Aufenthalt in Fensternähe – also dort, wo es hell ist – einen zum Frösteln bringt. Gleiches gilt für das Eindringen kalter Luft entlang von Flügelrahmen ohne Dichtungen. Von Hand ist dies kaum feststellbar, aber über meterlange Flügelrahmen ergibt sich in der Summe eine grosse Menge an kalter Luft. Das Ganzmetallfenster ist schwer in Mode, seit die Konstruktionen die wesentlichen Vorgaben an den Komfort und den Energieverbrauch erfüllen. Doch die Marktanteile sind nach wie vor marginal, in Einfamilienhäusern sind es zwischen zwei und vier Prozent. Marktleader sind mit 40 Prozent Holz-Metall-Fenster beim Um- wie Neubau. In neuen Einfamilienhäusern werden mit ungefähr 42 Prozent auffallend viele Kunststoff-Fenster verbaut. Im Umbau sind es lediglich knapp 30 Prozent. Schwindend ist der Anteil der Holzfenster, auch wenn es im ersten Halbjahr 2014 immer noch 27 Prozent beim Umbau respektive 9 Prozent beim Neubau waren (Zahlen von Wüest & Partner). Bei einigen Herstellern sind auch Kunststoff-Metall-Fenster im Angebot.

Keine Frage des Materials
Um ein Verdrehen von Fensterrahmen zu verhindern, sind auch reine Kunststoff-Rahmen mit einem Stahlkern verstärkt. Diese «Armierung» ist nötig, denn mit den heute üblichen Dreifachverglasungen lastet noch mehr Gewicht auf der Rahmung. Trotzdem bezeichnen die Hersteller diese Produkte als Kunststoff-Fenster. Kunststoff-Metall-Konstruktionen sind dagegen eine Verbindung von einem äusseren Metall-Fenster und einem inneren Kunststoff-Fenster. Den Holz-Metall-Fenstern vergleichbar, soll das Aluminium-Fenster Wind und Wetter trotzen. Die breite Material-Auswahl zeigt, dass es für viele Wünsche die geeigneten Rahmen gibt. Dies gilt umso mehr, als dass die Qualität der Produkte nicht vom Rahmenmaterial abhängt, sondern von der Konstruktion, den Dichtungen und Beschlägen.

Ausreichend Zeit einplanen
Ein Austausch der Fenster ist in der warmen Jahreszeit angenehmer als bei Eis und Schnee. Doch wer die Lieferfristen der gut ausgelasteten Fensterhersteller unterschätzt, geht das Risiko einer «falsch» terminierten Montage ein. Denn drei Monate ab Bestelldatum braucht allein schon die Herstellung von individuell konfektionierten Fenstern. Rechnet man dazu die Zeit für Beratung und Auswahl, kommt schnell ein halbes Jahr zusammen – wenn alles gut läuft. Denn neben der Materialfrage stellt sich dem Hausbesitzer auch die Frage nach den Beschlagsformen. Und: Soll das Fenster gekippt werden können? Im Kontext der Energiewende ist die Frage möglicherweise unpassend. Ein Kompromiss ist die heute schon weit verbreitete schmale Kippöffnung, die eine stabile Fensterstellung mit nur zwei oder drei Zentimetern Luftdurchsatz ermöglicht. Ist das Fens-ter am Fenstergriff abschliessbar? Um allenfalls eine zusätzliche Sicherheit ins Fenster einzubauen? Apropos Fenstergriff: Sind die Beschläge matt oder glänzend? Schliesslich sollten Fliegengitter, beispielsweise im Schlafzimmer oder in der Küche, zumindest geprüft werden. Vor allem bei Häusern in ländlichen Gebieten. Eine nachträgliche Installation ist viel teurer und meist unschön.

Neue Fenster fachgerecht einpassen
Das beste Fenster lässt sich unsorgfältig montieren. In alten Häusern sind die neuen Fenster oft gar nicht senkrecht angeschlagen, weil die Aussenwand schräg ist. Das geöffnete Fenster bleibt dann nicht in der gewählten Stellung, sondern fällt auf oder zu. Durch Schiftung kommt ein Fens-
ter in die senkrechte Lage, also durch Anpassung der Unterlage mittels Distanzelementen. Sehr kritisch ist die Frage der Einbau-ebene. Aus Gründen des Wärmeschutzes sollte das Fenster weit aussen angeschlagen werden, damit die ungeschützte Leibung im beheizten Raum liegt. Dadurch ist das Fenster aber stärker der Witterung ausgesetzt. Hier gilt es also, zwischen den beiden Ansprüchen abzuwägen. Holz-Metall-Fenster sind bezüglich Witterungsschutz naturgemäss robuster als Holzfenster. Falls die Wand aussen gedämmt ist, gilt die Regel, das Fenster möglichst in der Flucht der Dämmung zu montieren. Falls der Fensterersatz mit einer Aussenwärmedämmung kombiniert wird, kann der Blendrahmen des Fensters überdämmt werden. In der Regel ist dieser Rahmenteil die grösste Schwachstelle.

Fenster im Zusammenhang betrachten
Das Fenster ist integraler Teil der Gebäudehülle. Eine gesonderte Betrachtung dieses wichtigen Bauteiles entspricht nicht dem nachhaltigem Bauen und ist häufig auch nicht finanziell lohnend. Die Option einer Aussenwärmedämmung sollte eine Hausbesitzerschaft zumindest prüfen, allenfalls mit Unterstützung eines Fachmannes. Viele Gemeinden bieten dazu eine Beratung an. Fragen Sie beim Bauamt oder Elektrizitätswerk an.

Checkliste bei neuen Fenstern
–    Wärmeschutzwerte: mindestens 1,0 W/m²K bei Neubauten, bei Erneuerungen 1,3 W/m²K
–    Kondenswasserschutz: Glasrandverbund aus Kunststoff, nicht aus Stahl oder Aluminium
–    Feuchteschutz: Eine zweite, innere Dichtung ist sinnvoll
–    Gesamtenergiedurchlass: mindestens 0,5 – also 50 Prozent
–    Glasanteil: mindestens 75 Prozent
–    Schlagregendichtigkeit: mindestens Klasse 8 A
–    Luftdurchlässigkeit: mindestens Klasse 3
–    Einbruchhemmug: mindestens RC2 N
–    Bedienungskräfte: Klasse 1, für geschwächte Personen Klasse 2
–    Schalldämmung: mindestens 32 dB, an Hauptstrassen 38 dB oder mehr


Text: Othmar Humm
aus: Häuser modernisieren, Heft Nr. 1/2015

 
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