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«Ein Dachfenster ist nie überflüssig»

Beim Umbau älterer Häuser sind Dachfenster ein grosses Thema. Neue Architektur kommt hingegen häufig ohne Dachschräge, aber mit besonders grossflächigen Fassadenfenstern aus. Mario Lorenzato, Produktmanager der Velux Schweiz AG, weiss, warum das Dachfenster trotzdem nie überflüssig wird.

Bei einem Dachfenster ist der Lichtertrag doppelt so hoch wie bei einem Fassadenfenster.
Bei einem Dachfenster ist der Lichtertrag doppelt so hoch wie bei einem Fassadenfenster.
 
Mario Lorenzato, Produktmanager Dachfenster, Velux Schweiz AG
Mario Lorenzato, Produktmanager Dachfenster, Velux Schweiz AG

Ist ein Dachfenster ein Fenster wie alle anderen, nur anders positioniert – oder muss es spezielle Anforderungen erfüllen?
Mario Lorenzato: Das Dach und somit auch das Dachfenster sind die der Witterung am stärksten ausgesetzten Gebäudebauteile, sei es durch Regen, Hagel, Sonne, Schnee oder Wind. Deshalb muss ein gutes Dachfenster besonders widerstandsfähig sein. Wir stellen jedes Produkt auf die Härteprobe und betreiben eigene Testcenter, welche unter anderem mit einem Hurrikan-Kanal ausgestattet sind. Hier werden die Fenster auf Herz und Nieren geprüft. Durch unsere jahrzehntelange Erfahrung und Expertise in der Herstellung von Dachfenstern garantieren wir Hochwertigkeit und höchstmögliche Lebensdauer – auch unter erschwerten Wetterbedingungen.

Seit 70 Jahren fertigt Velux Dachfenster. Wie hat sich der Markt in diesen Jahren verändert?
Mario Lorenzato: Der Markt für Dachfenster wurde durch Velux erst ins Leben gerufen. Allerdings sah unser erstes Dachfenster noch anders aus und wurde zum Beispiel vom örtlichen Glaser mit einem Einfachglas versehen. Im Laufe der Zeit veränderten wir unser Angebot. Heute liefern wir nicht mehr nur das eigentliche Fenster, sondern je nach Wunsch auch Sonnen- und Hitzeschutzprodukte in verschiedensten Farben. So lassen sich Energieeffizienz und Wohnkomfort problemlos steigern. Seit 2010 bieten wir auch innovative  Flachdachfenster an.

Wie hat Velux auf die Veränderungen reagiert?
Mario Lorenzato: Viele der obengenannten Veränderungen hat Velux proaktiv beeinflusst. Wir haben unsere Dachfenster ständig weiterentwickelt und neue Standards gesetzt. Mit der Einführung des weltweit ersten solarbetriebenen Dachfensters und Aussenrolladens haben wir beispielsweise ganz neue Akzente in Punkto Tageslicht, Energieeffizient und Wohnkomfort gesetzt. Durch den kabellosen und einfachen Einbau sind unsere Solar-Produkte heute noch komfortabler geworden. Wir bieten sie mit Smartpad und Touchscreen an. So lassen sich die Fenster sowie der Hitze- und Sonnenschutz individuell oder mit voreingestellten Komfortprogrammen einfach bedienen. Auch beim Energieverbrauch schauen wir schon seit längerem genauer hin. Bereits im Jahr 2009 haben wir die Dreifachverglasung eingeführt, welche sich grösster Beliebtheit erfreut.

Hat Ihre Branche vom Trend zum verdichteten Bauen profitiert?
Mario Lorenzato: Dies kann man so nicht sagen. Dennoch sollte man den Dachraum als weiteren wertvollen Wohnraum nicht ausser Acht lassen. In der Zukunft sehen wir dort grosses Potential.

Neue Architektur kommt häufig ohne Dachschräge, aber mit besonders grossflächigen Fassadenfenstern aus. Macht das das Dachfenster überflüssig?
Mario Lorenzato: Ein Dachfenster ist nie überflüssig, denn schliesslich ist der Lichtertrag doppelt so hoch wie bei einem Fassadenfenster. Aber auch für den Fall einer fehlenden Dachschräge haben wir die passende Antwort: ein Flachdach-Fenster mit Isolierverglasung oder die sogenannte Flachdach-Box. Das Flachdach-Fenster wartet als erstes seiner Art mit einer Isolierverglasung auf, was bei herkömmlichen Lichtkuppeln bislang nicht möglich war. Die Flachdach-Box hingegen weist eine Neigung von rund 20 Grad auf und ist mit einem Dachfenster ausgestattet.

Wie sieht das Verhältnis Umbauten / Neubauten bei Ihnen aus?
Mario Lorenzato: Neubauten im Bereich der Mehrfamilienhäuser haben stark zugenommen. Hier konnten wir unseren Marktanteil weiter ausbauen – auch dank der Einführung des oben erwähnten Flachdach-Fensters. Dafür ist die stagnierende Tendenz im Bereich der Einfamilienhäuser auch für uns spürbar. Dennoch, das allgemeine Bedürfnis nach Tageslicht und frischer Luft gepaart mit hohem Wohnkomfort ist ungebrochen. Deshalb sind unsere Produkte, vor allem unsere automatisierten Lösungen, weiterhin sehr gefragt.

Wie putzt man ein Dachfenster?
Mario Lorenzato: Viele wissen es nicht, aber unsere Dachfenster sind im wahrsten Sinne des Wortes im Handumdrehen gereinigt. Zur Reinigung der Aussenscheibe wird der Fensterflügel um 180° nach innen gedreht. Anschliessend kann der Fensterflügel im Rahmen arretiert werden. So ist das Reinigen der Aussenscheibe kein Balanceakt mehr.

Mit dem Klimawandel werden die Sommer immer heisser. Wird ein Raum durch grosse Fensterflächen nicht unnötig erhitzt? Oder tragen sie gar zu einem besseren Hausklima bei?
Mario Lorenzato: Man kann die Jahreszeiten nicht isoliert betrachten, sondern muss die Energiebilanz des Dachfensters über das ganze Jahr anschauen. Denn die Energiebilanz ist ein Zusammenspiel von Wärmedämmwerten (u-Wert) und passiven Wärmegewinnen (g-Wert). Diese gilt es zu berücksichtigen. So reduziert ein hoher passiver Wärmegewinn die Heizkosten im Frühling und Herbst. Im Sommer dagegen ist er eher unerwünscht. Durch einen Aussenrollladen wird dieser aber um 95 Prozent reduziert und ist somit massgeblich dafür verantwortlich, dass sich kein Raum überhitzt.

Im Bereich der Storen ist die Automation ein wichtiges Thema und gehört im Neubau schon fast zur Grundausstattung. Wie sieht das beim Dachfenster aus?
Mario Lorenzato: Das Bewusstsein, dass gerade auf dem Dach ein aussenliegender Hitzeschutz sinnvoll ist, verankert sich langsam. Für den Neubau kommen, wie gesagt, oft elektrifizierte Fenster-Lösungen zum Einsatz und dazu meist auch ein elektrischer Aussenrollladen. Zudem ist der automatisierte Aussenrollladen auch bei der Nachrüstung bestehender, manueller Dachfenster sehr beliebt. Besonders der solarbetriebene, wie schon erwähnt, weil er ohne zusätzliche Verkabelung auf dem bestehenden Dachfenster nachgerüstet werden kann.


Interview: Kirsten Höttermann
aus: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 6/2015

Bezugsquelle:
Velux Schweiz AG
4632 Trimbach
Tel. 062 289 44 45
velux.ch

 
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