Schweizer Bauratgeber für Bauherren und Hausbesitzer

Rasen oder Wiese?

Grün tut gut, soweit ist man sich einig. Wie die Grünfläche konkret aussehen soll, das ist Ansichtssache. Immer öfter heisst es nicht «Entweder-Oder», sondern eher «Was, wo und wieviel»?

Eine stilvolle Gartengestaltung entsteht, wenn die Pflanzen bei der Gestaltung berücksichtigt werden.
Eine stilvolle Gartengestaltung entsteht, wenn die Pflanzen bei der Gestaltung berücksichtigt werden.

Rasen bedeutet viel Arbeit: Mähen, düngen, bewässern, Unkraut entfernen. Trotzdem ist er in fast jedem Garten oder Park vorhanden. Er ist ein Sinnbild für von Menschen kultivierten Freiraum. Andererseits gibt es gute Gründe für eine bunte Blumenwiese. Denn Wiese ist ökologisch viel wertvoller als Rasen. Der richtige Ort und die nötige Menge sind das Mass aller Dinge.

Spiel- und Sportfläche
Als Spielflächen sind häufig und meist kurz geschnittene Gräser sehr beliebt. Blumen- oder eigentlicher Rasen, also Gräser mit mehr oder weniger Blumenkräutern sind trittfest und der Boden ist geschlossen. So klebt auch bei nasser Witterung kein Humus an den Schuhen. Man kann darauf Badetücher auslegen, Ball und Fangen spielen. Daher hat Rasen oder die naturnähere Variante Blumenrasen vor allem in Gärten mit Kindern seine Berechtigung.

Optische Ruhe
Häufig steht aber der Rasenteppich als ruhige und vermeintlich pflegeleichte Gartenmitte im Vordergrund. Wenn ein Mähroboter den häufigen Schnitt vornimmt und das Schnittgut liegen bleibt, ist ein Grossteil der Arbeit schon getan. Dann reduziert sich Düngen und Wässern massgeblich. Sofern auch noch Blumenkräuter in der dichten Grasfläche geduldet sind, ist der Blumenrasen tatsächlich pflegeleicht. Vor allem ist er schlicht und schafft ein Gegengewicht zu einer üppigen Randbepflanzung. So gepflegt ist der Rasen mit der pflanzlichen Garteneinfassung zu Recht ein Sinnbild für den kultivierten Freiraum. Und dies, ohne die Umwelt übermässig mit Dünger oder Giftstoffen zu belasten.

Frühlingsblüher statt Moos
Für den Fall, dass weniger Rasen nötig ist, können auch nur Teilbereiche geschnitten werden. Wer Frühlingsblüher mag, pflanzt diese im Herbst in den Rasen um Sträucher und unter Bäumen. Teilweise beschattete, eher feuchte Bereiche sind besonders geeignet für Buschwindröschen, Schneeglöckchen, Narzissen, Krokus und Lerchensporn. An sonnige, durchlässige Stellen werden eher Tulpen, Anemonen, Zierlauch, Hasenglöckchen und Schneestolz gesetzt. Da diese Flächen erst nach Vergilben des Laubes geschnitten werden, kann sich der Rasen so nach und nach in eine Frühlingswiese verwandeln.

Wiesenwege
Teilbereiche von Wiesen können bei Bedarf regelmässig geschnitten werden. Daher sind Wege mit Schrittplatten besser sichtbar, wenn sie mit einem Rasenmäher freigeschnitten werden. Zudem wirken Wiesen gepflegt, wenn entlang der Wege einen Meter breite Ränder tief geschnitten werden. Bei Regen kippen hohe Wiesenpflanzen weniger auf die Gehbereiche. Attraktiv ist auch ein Wiesenlabyrinth: Dabei führt ein geschnittener Weg durch die Wiese bis zu einem geschnittenen Zentrum mit einem Bistrotischchen, einer Hängematte oder einem Liegestuhl unter einem alten Baum.

Ohne Dünger und Pestizide
Um eine karge Rasenfläche in eine bunte Blumenwiese umzuwandeln, braucht es Geduld. Die meis­ten Böden im Mittelland sind von Natur aus nährstoffreich und wurden als Rasen zusätzlich gedüngt. Daher sind fettliebende Gräser im Vorteil gegenüber Blumenkräutern, welche magere Standorte bevorzugen. Als erstes verzichte man daher auf Dünger und Pestizide gegen breitblättrige Kräuter. Bis sich die Rückstände abgebaut haben, vergeht aber einige Zeit.

Streifenweise Blumen
Für grosse Blumenwiesen werden im Abstand von circa fünf Metern einen Meter breite Streifen Rasen abgeschält und Wiesensamen eingesät. In kleinen Gärten können Wiesenrondelle von einem Meter Durchmesser oder ein Streifen Wiese am Rasenrand angelegt werden. So sieht der Garten weiterhin gepflegt aus. Gleichzeitig können Blumensamen ohne Konkurrenzdruck durch Gräser keimen und anwachsen. Aus diesen Blumeninseln wandern die Wiesenpflanzen in die angrenzenden Rasenflächen ein.

Kompromiss Blumenrasen
Viele Gartenbesitzer scheuen Blumenwiesen, weil ein- bis dreimal im Jahr viel Schnittgut auf einmal anfällt. Damit ist der Kompost dann gleich übervoll oder eine aufwändige Entsorgung ist nötig. Ein Blumenrasen ist eine gute Alternative. Er wird vier bis achtmal pro Jahr geschnitten, ist ebenfalls trittfest, wächst zehn bis 30 Zentimeter hoch und gedeiht auf normalem Rasenstandort. Blumenrasen bereichert den Speiseplan von Bienen, Schmetterlingen und andere Insekten, er kann bespielt werden und wirkt optisch fast so ruhig wie eine intensiv gepflegte Rasenfläche.

Was, wo, wieviel?
Nicht Rasen oder Wiese, sondern was, wo und wieviel lautet die Fragestellung. Mit Kindern, normalem Boden und in Gärten, wo kaum ein Liegestuhl Platz hat, ist eine geschnittene ruhige Mitte sinnvoll. Bei grossen, wenig genutzten Randbereichen, feuchten Mulden und trockenen Böschungen passen unterschiedliche Wiesenarten besser und sind pflegeleichter. Besonders spannungsvoll ist der Kontrast von mehrheitlich üppigem Blumenflor zum kleinen, aber feinen Rasenplätzchen.

Sabine Stauffer-Stiebellehner ist Landschaftsgärtnerin und -architektin HTL/BSLA. Die Landschaftsarchitektinnen von Grünplan beraten Bauherren und Behörden, projektieren und planen auf Mensch und Natur ausgerichtete Gärten und Grünräume in der Ostschweiz, Zürich und der Zentralschweiz.

Grünplan GmbH
Uesslingen und Schlieren
Tel. 071 672 99 73 und 044 773 23 43

Sabine Stauffer-Stiebellehner
Artikel teilen
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen
Klicken Sie auf Ihrem Smartphone Zum Home-Bildschirm, um ein Icon der Website dem Startbildschirm hinzuzufügen!